(„Follow“ directed by Owen Egerton, 2015)

Follow

„Follow“ läuft im Rahmen des 20. Fantasy Filmfests von 17. August bis 18. September 2016

Es ist nicht unbedingt das schönste Geschenk, das der junge Künstler Quinn (Noah Segan) einige Tage vor Weihnachten entdeckt. Seine Freundin Thana (Olivia Grace Applegate) ist tot, liegt in einer Blutlache direkt vor seinem Bett. Wie sie dorthin kommt, daran kann er sich beim besten Wille nicht erinnern, ebenso wenig, warum da eine Waffe liegt und das Bett blutverschmiert ist. Während er versucht, die Ereignisse zu rekonstruieren, tauchen dummerweise immer wieder Leute bei ihm auf, die unter keinen Umständen die Leiche sehen dürfen. Doch je mehr Zeit vergeht, umso schwieriger wird es, die Tote zu verstecken. Und umso schwieriger wird es für Quinn, Realität und Wahnvorstellungen auseinanderzuhalten.

Follow war vielleicht nicht der ungewöhnlichste Titel vom Fantasy Filmfest 2016, da preschten dann doch andere mit aller grotesken Gewalt an ihm vorbei. Er gehörte auch nicht unbedingt zu den besten Vertretern des Festivals. Man kann ihn aber sicher zu denen zählen, die sich am schwierigsten greifen ließen. Schon die Einordnung in ein Genre gestaltet sich recht willkürlich. Thriller steht auf der offiziellen Seite. Diese Meinung kann man sicherlich vertreten, falsch ist sie nicht. Aber auch nicht richtiger als Komödie, als Horror oder Drama. Oder auch Romanze.

Mit einer solchen beginnt Follow nämlich, als wir in einem Flashback mitansehen, wie das Paar in einer rührenden Szene im See schwimmen. Rückblicke gibt es auch später noch, zum einen, um die direkten Ereignisse vor Thanas Tod zu zeigen, vor allem aber, um die ein wenig andersartige Beziehung der beiden zu beleuchten. Sehr weit kommt Regisseur und Drehbuchautor Owen Egerton, der hier sein Langfilmdebüt gibt, aber nicht. Ob er zu den beiden nicht mehr zu sagen hat, wird dabei nicht ganz klar, denn diese Richtung ist eben nur eine von vielen, die er in nur 80 Minuten einschlägt.

Gleichzeitig gilt es nämlich auch die Gegenwart irgendwie voranzutreiben, was streckenweise sogar richtig komisch wird, wenn Quinn seine Spuren zu verwischen versucht, die Leiche ständig zu verschwinden scheint und dabei diverse seltsame Gestalten auftauchen, die es mindestens abzulenken gilt. Wenn man Vergleiche zu anderen Filmen bemühen wollte, dann wäre Follow eine Mischung aus dem albernen Leichenversteckspiel von Immer Ärger mit Bernie, der melancholischen Nekrophilie in Love Eternal sowie dem schwarzhumorigen Afterlife-Liebesdreieck in Nina Forever, angereichert mit viel Blut und etwas Gewalt.

Das sind durchaus Vergleiche, die man sich gefallen lassen kann, gehört die beiden letzteren Titel doch zu den sehenswertesten des Fantasy Filmfests in den vergangenen Jahren. Aber es sind Vergleiche, denen Follow nicht wirklich standhält, denn dafür bleibt bis zum Schluss einfach zu unklar, was der Film eigentlich will. Mal ist die Genremixtur komisch, dann wieder bewegend oder auch spannend, will man doch schließlich wissen, was da denn nun eigentlich vorgefallen ist. Und da Quinn im weiteren Verlauf offensichtlich auch noch den letzten Rest seiner geistigen Gesundheit zwischen Vergangenheitsbewältigung, Überlebenskampf und unpassenden Weihnachtsliedern verliert, ist das Ende völlig unvorhersehbar. Und leider auch unbefriedigend: Wenn am Ende die Credits über die Leinwand laufen, ist da irgendwie nicht viel übriggeblieben von dem, was zuvor passiert ist, die einzelnen Bestandteile sind weder für sich genommen stark genommen, noch fügen sie sich gut zusammen. Interessant ist das Debüt des Amerikaners sicher, irgendwie auch sympathisch gespielt, aber insgesamt nicht rund genug, um aus dem großen Angebot des Filmfests wirklich hervorzustechen.

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Wieso ist meine Freundin tot? „Follow“ wirft anhand von Flashbacks einen Blick zurück auf eine etwas andere Beziehung und wechselt dabei so oft das Genre, dass am Ende trotz sympathischer Zutaten nicht so wahnsinnig viel übrigbleibt.
6von 10

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