(„Loev“ directed by Sudhanshu Saria, 2015)

Loev

„Loev“ läuft ab 12. Mai im Kino

Eigentlich passen Sahil (Dhruv Ganesh) und Alex (Siddharth Menon) gar nicht so recht zusammen, vor allem die Unbekümmertheit von Alex führt immer wieder zu neuen Streitigkeiten. Der neueste Anlass: Der Halodri hat vergessen, die Stromrechnung zu bezahlen, weshalb die beiden nun im Dunkeln sitzen. Und das Gas ließ er auch an, was bei einem regelmäßigen Raucher keine besonders gute Idee ist. Immerhin gibt es einen Lichtblick, Jai (Shiv Pandit), mit dem Sahil seit Längerem schon eine etwas innigere Beziehung pflegt, ist aufgrund eines Geschäftstermins übers Wochenende da. Aber so ganz will die romantische Zweisamkeit nicht funktionieren, denn auch zwischen Sahil und Jai gibt es häufig Differenzen.

Liebesgeschichten aus Indien, da werden Bilder wach von tanzenden und singenden Menschen, von weit über zwei Stunden dauernden Bombastromanzen. Loev ist keine davon. Gesungen wird auch hier vereinzelt, schließlich managt Sahil Musiker und schreibt auch selbst Lieder. Aber es sind eher ruhige Stücke in bester Singer-Sogwriter-Tradition, was bezeichnend ist für einen Film, der seine Geschichte in der Stille sucht. In dem Unausgesprochenen. Dass Sahil und Jai überhaupt mehr sein könnten als Freunde, ist lange gar nicht klar, zu flüchtig sind die Berührungen, zu verstohlen die Nähe. Das liegt sicher auch an den Umständen, ist Homosexualität in Indien doch verboten, mindestens aber ein Tabuthema. Umso bemerkenswerter, dass Regisseur und Drehbuchautor Sudhanshu Saria bei seinem Spielfilmdebüt ein derart heikles Thema herausgesucht hat.

Aber auch wenn man die besonderen Umstände des Dramas außer Acht lässt, bleibt ein wohltuend unprätentiöser Film, von dem sich so manches LGBT-Werk aus dem Westen einiges abschauen könnte. Wo andere sich mit großen Reden und mühsam konstruierten Szenen am Thema abarbeiten, überzeugt Loev gerade durch seine Beiläufigkeit und die kleinen Momente. Wenn Sahil sich aus einem Umarmungsversuch von Alex herauswindet oder eine kleine Kissenschlacht mit Jai liefert, dann sind das so mitreißend alltägliche Situationen, wie man sie bei jedem Paar beobachten könnte, dass man dabei glatt vergisst, wie ungeheuerlich das eigentlich ist.

Schön ist auch, wie Saria seinen Figuren Luft zum Atmen lässt: Hier entspricht keiner so wirklich dem Ideal, in Loev gibt es weder Helden noch Schurken, und auch nur im begrenzten Maße Opfer. Anfangs scheint die Lage noch klar zu sein, wenn Alex völlig verantwortungslos umgeht und Sahil automatisch dadurch der Gute wird. Aber auch bei Letzterem ist nicht alles eitel Sonnenschein, was der zu sehr auf seine Arbeit fixierte und seiner Sexualität unsichere Jai zu spüren bekommt. Am Ende sind es eben doch keine Schubladen, die hier aufeinandertreffen, sondern Menschen. Menschen, die man gleichzeitig mag, die einen aber auch in den Wahnsinn treiben können.

Schade nur, dass die auch aufgrund hervorragender Schauspielleistungen so hohe Authentizität zum Ende hin ein wenig verloren geht, wenn der bis dato unaufgeregte Film mit sich um ein Ende ringt. Der Intensitätsgrad wird zwar nach oben geschraubt, allerdings mit einem etwas befremdlichen Ergebnis. Aber auch wenn es auf den letzten Metern etwas holprig wird, gehört Loev zu den sehenswerteren Werken des Queer Cinema aus der letzten Zeit, das zwischendurch das Auge zudem mit schönen Aufnahmen aus den Bergen verwöhnt, wo Sahil und Jai das gemeinsame Wochenende verbringen.

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Loev
Trotz seiner besonderen Umstände verzichtet das indische Drama „Loev“ auf große Momente oder Tragik, sondern erzählt wohltuend beiläufig und authentisch von dem Leben dreier Homosexueller, die miteinander und mit sich selbst zu kämpfen haben.
7von 10

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