(„Dirty Games“ directed by Benjamin Best, 2016)

Dirty Games

„Dirty Games“ läuft ab 2. Juni im Kino

Sport ist eine wunderbare Möglichkeit, Menschen aus den unterschiedlichsten Ländern, den unterschiedlichsten Schichten, den unterschiedlichsten Berufen zusammenzubringen, vereint allein durch die Kraft eines gemeinsamen Interesses. Dumm nur, dass dieses Interesse manchmal gar nichts mit dem Sport zu tun hat, sondern vielmehr mit den sich daraus ergebenden Verdienstmöglichkeiten. Nein, Dirty Games ist keine Auseinandersetzung zu dem Thema, inwieweit sportliche Leistung und Geld in Relation zueinander stehen oder stehen sollten. Das wird allenfalls am Rande mal angeschnitten. Vielmehr wirft Regisseur und Sportjournalist Benjamin Best einen Blick auf Bereiche, in denen sich das Geschäft um den Sport verselbständigt hat, mit kriminellen, mindestens aber skandalösen Auswüchsen.

Das Beispiel der FIFA liegt nahe, kaum ein Sportskandal hat in den letzten Jahren vergleichbar die Medien beherrscht. Und tatsächlich darf der Fußballverbund in dem Dokumentarfilm nicht fehlen, ist Anlass für eine der witzigsten Aussagen: Der Vergleich mit der Mafia sei nicht angebracht, denn Letztere hätte sich nie so dreist verhalten wie die FIFA. Darüber darf man schon einmal lachen, denn es ist eine der wenigen Gelegenheiten dafür in den 90 Minuten. Ansonsten ist die Absicht von Dirty Games klar: Man will schockieren und empören, aufrütteln und Missstände aufzeigen.

Das gelingt Best auch, wenngleich er nur wenig zu erzählen hat, was man nicht schon zuvor irgendwo gehört hat. Die Leistung besteht vielmehr darin, die vielen Einzelbeispiele, die wirklich aus den unterschiedlichsten Bereichen kommen, zusammenzutragen und mundgerecht zu verkleinern. Im einen Moment hören wir noch von Sklaventreiberei bei der Vorbereitung der WM in Katar, erfahren dann etwas über Manipulationen beim Boxen, nur um Leute kennenzulernen, die in Brasilien aus ihren Häusern vertrieben wurden, um dort Parkplätze für die Olympischen Spiele zu schaffen.

Das ist schon eine thematisch recht große Klammer, die hier zum Einsatz kommt, eine Art Best of von all dem, was im Sport schief geht. Oder besser: ein Worst of. Ganz rund ist das Sammelsurium jedoch nicht, da wird sich zwischenzeitlich auf Ebenen fortbewegt, die nur noch am Rande mit dem Sport zu tun haben. Natürlich sind es gerade diese persönlicheren Momente, wenn es um die konkreten Opfer geht und nicht um ein abstraktes Unrecht, welche eine große emotionale Wirkung entfalten. Was dann so auch beabsichtigt gewesen sein dürfte. So ganz zusammenpassen wollen die Elemente aber nicht immer.

Vor allem bleibt durch deren großen Anzahl nur wenig Raum, um auch mal ein bisschen mehr in die Tiefe gehen zu können. Eine wirkliche Auseinandersetzung mit den Themen findet ohnehin nicht statt, da hier vor allem Opfer und Ankläger zu Wort kommen, allenfalls mal ein ehemaliger Täter. Dirty Games ist eine einzige Anklageschrift, ein Katalog der sportlichen Verbrechen, der einem auch aufgrund der fehlenden Lösungsansätze nicht unbedingt Mut macht, dass sich hier jemals etwas ändern könnte. Nur einmal, wenn Best einen nicht auf Profitabilität ausgelegten Alternativ-Verein zu dem Fußballplatzhirsch Manchester United vorstellt, darf man wieder kurz an das Gute im Sport glauben. Aber da ist der deutsche Filmemacher schon wieder weiter, auf der Suche nach weiteren Skandalen.

Dirty Games
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Dirty Games
Benjamin Best sammelt in seinem Dokumentarfilm „Dirty Games“ Beispiele aus aller Welt, wie Betrug und Geldsucht Sport, aber auch den einfachen Menschen kaputt machen. Das meiste davon dürfte man schon einmal gehört haben, für Tiefgang reicht die Zeit auch nicht. Effektiv ist die Ansammlung schockierender Geschichten jedoch, lässt auch den letzten Zuschauer vom rechten Glauben an Sportevents abrücken.
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