(„Dark Places“ directed by Gilles Paquet-Brenner, 2015)

Dark Places DVD

„Dark Places – Gefährliche Erinnerung“ ist seit 21. April auf DVD und Blu-ray erhältlich

Wenn es nach Libby Day (Charlize Theron) ginge, die Geschichte hätte endlich ruhen können: 30 Jahre ist es her, dass ihre Mutter Patty (Christina Hendricks) und ihre beiden Schwestern brutal ermordet wurden. Libby selbst hatte seinerzeit vor Gericht ausgesagt, ihr Bruder Ben (Tye Sheridan) sei der Schuldige gewesen. Der wurde daraufhin auch verhaftet und fristet bis heute sein Dasein im Gefängnis. Ganz schlüssig war der Fall jedoch nicht gewesen, so zumindest nach Ansicht von Lyle (Nicholas Hoult) und dem Rest des „Kill Clubs“ – ein Club von Ex-Cops und Freitzeitkriminologen, die es sich zum Ziel gesetzt haben, Verbrechen aufzuklären. Die notorisch klamme Libby, die trotz eines erfolgreichen Buches nie wieder zurück ins Leben gefunden hat, erklärt sich bereit, dem Club nähere Einzelheiten zu erzählen, schließlich zahlen die nicht schlecht dafür. Doch je mehr sie sich mit ihrer Vergangenheit beschäftigt, umso größer werden die Zweifel, dass ihre Aussage damals richtig war.

Dark Places ist einer dieser Filme, die einen auch über den Abspann hinaus noch eine ganze Weile beschäftigen. Nicht weil er einen so komplexen Inhalt hätte oder moralisch schwer zu beantwortende Fragen stellt. Nein, er geht einem deshalb nicht auf dem Kopf, weil er so viel schlechter ist, als es die vielen guten Zutaten eigentlich erlauben sollte. So stammt die literarische Vorlage von Gillian Flynn, deren Roman Gone Girl immerhin zu einem der spannendsten Filmthriller der letzten Jahre adaptiert wurde. Auch die Besetzungsliste liest man gerne: Charlize Theron, Christina Hendricks, Tye Sheridan, Nicholas Hoult, Chloë Grace Moretz, Corey Stoll, damit lässt sich einiges anfangen. Zudem sind lang zurückliegende Geschichten und eine traumatisierte Hauptfigur nicht die schlechtesten Voraussetzungen für einen Thriller. Was also ist schief gegangen?

Alles ein bisschen. Das fängt mit Libby an, die als gleichzeitiges Opfer und Nutznießerin des großen Unglücks eine schön ambivalente und nur mäßig sympathische Figur ist. Was sie dann auch bleibt. Eigentlich tut sich in ihr nicht wirklich was, Theron stapft knapp zwei Stunden durch die Gegend, als wäre sie von Drogen dauerbenebelt, gibt über ihre konstant passive-aggressive Art hinaus keine echten Einblicke in ihr Inneres. Das ist nicht nur eintönig, es lädt auch nicht sonderlich dazu ein, sich für ihr Schicksal zu interessieren. Beim Rest sieht es nicht viel besser aus: Viele sind nur sehr grob charakterisiert, beschränken sich auf Stereotype oder sind wie bei Lyle einfach nur nichtssagend. Da sollte man von einem derart langen und personenbezogenen Film mehr erwarten dürfen.

Lyles etwas eigenwilliger Club wird auch schnell wieder beiseitegeschoben, so schnell, dass man sich fragt, wofür es ihn denn überhaupt gebraucht hat. Gleiches gilt für andere Themen wie Satanskult und Mobbing, die alle angeschnitten, aber kaum ausgearbeitet werden. Vielleicht ist das aber auch besser so, denn jedes Mal, wenn Dark Places konkreter wird, stellen sich einem die Haare zu Berge – nicht vor Anspannung, sondern vor Entsetzen. Die Twists sind hoffnungslos konstruiert, die Figuren verhalten sich kaum nachvollziehbar, die Geschichte ist so dürftig zusammengesetzt, wie man es schon bei namenlosen B-Movies kaum erleben darf. Oder will.

Und doch ist Ärger nicht das dominanteste Gefühl, welches Dark Places auslöst, sondern Langeweile. Dem hierzulande eher unbekannten französischen Regisseur Gilles Paquet-Brenner fiel kein echtes Mittel ein, um die konventionelle Ermittler- und Laufarbeit spannend zu präsentieren. Der Sprung von der Gegenwart zu der 30 Jahre zurückliegenden Vergangenheit verliert durch seine Häufigkeit schnell seinen Reiz, ist nicht kunstvoll genug miteinander verschränkt, um vom drögen Inhalt ablenken zu können – selbst bei dem an und für sich dramatischen, mehrebigen Finale. Immerhin verbreiten die passend dunklen Bilder ein schön düsteres Flair, für echten Nervenkitzel reicht aber auch das nicht, der Thriller ist eine Rundumenttäuschung.

Dark Places – Gefährliche Erinnerung
4 (80%) 25 Artikel bewerten

Dark Places – Gefährliche Erinnerung
„Dark Places“ darf sich mit großen Namen brüsten, hat auch schön düstere Bilder zu bieten. Beides reicht aber nicht, um den dürftigen Rest auszugleichen, der Thriller ist langweilig und – aufgrund der idiotischen Geschichte – ärgerlich zugleich.
4von 10

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