(„A Bug’s Life“ directed by John Lasseter and Andrew Stanton, 1998)

Das grosse KrabbelnLiebenswert ist er ja, einfallsreich sowieso. Nur leider eben auch ein großer Tollpatsch. Immer wieder versucht Ameise Flik mithilfe seiner Erfindungen das Leben in der Kolonie leichter zu machen, richtet dabei jedoch meist ein großes Chaos an. Als er versehentlich die Nahrungsvorräte im Wasser versenkt, die als Schutzgeld für die grausamen Heuschrecken gedacht war, herrscht Panik bei den Ameisen. Was tun? Während der Rest seines Volkes eilig versucht, die nötigen Vorräte wiederaufzubauen, begibt sich Flik auf die Suche nach Kriegerinsekten, die es mit den Heuschrecken aufnehmen können. In der Stadt wird er sogar fündig, denkt er zumindest. In Wirklichkeit handelt es sich bei den vermeintlichen Kämpfern um arbeitslose Zirkusinsekten, die keine Ahnung haben, was ihnen da bevorsteht.

Drei Jahre dauert es, bis Pixar nach dem überaus erfolgreichen Debüt Toy Story einen zweiten Langfilm in die Kinos brachten. Und auch dieses Mal war der Weg dorthin mit vielen Hindernissen und angekratzten Nerven verbunden. Das lag jedoch nicht an Disney, mit denen sich das noch junge Animationsstudio beim Erstling immer wieder beharkte, sondern an Dreamworks, deren Film Antz eine ganz ähnliche Geschichte erzielte und parallel zu Das große Krabbeln entstand. Kommerziell behielt Pixar die Nase vorn, trotz eines späteren Kinostarts spielte ihre Ameisengeschichte rund das Doppelte der Konkurrenz ein.

Das lag wohl nicht zuletzt auch daran, dass man hier stärker noch als bei Antz die gesamte Familie fest im Visier hatte, was sich gerade auch im Humor niederschlug: Hier gibt es keine satirischen Elemente, die Witze sind eher optischer Natur, alles ist ein klein wenig einfacher. Spaßig ist Das große Krabbeln unbestritten, ein Bilderbuch-Gute-Laune-Film ohne nennenswerte Längen. Den Vergleich mit Toy Story hält das zweite Pixar-Werk dann aber doch nicht ganz stand. Das liegt zum einen an der Geschichte, die dieses Mal weniger interessant ist. Während es unzählige Animationsfilme und -serien gibt, die aus der Perspektive von Tieren erzählen, war es einfach mal etwas Neues, mehr über das Leben eines Spielzeugs zu erfahren.

Und auch bei den Figuren selbst zieht Das große Krabbeln den Kürzeren. Während die Zirkusinsekten wunderbar skurril sind, ihre Auftritte auch die Höhepunkte des Films darstellen, sind die Ameisen relativ blass. Ein wirklicher Charakter lässt sich dort nur kaum ausmachen, selbst Flik ist eher langweilig. Seine verrückten Erfindungen und Missgeschicke sorgen für einen heiteren Einstieg, danach tut sich aber zu wenig. Man interessiert sich für das, was er in Gang gesetzt hat, er selbst bleibt einem recht gleichgültig.

Immerhin sind er und seine Mitspieler optisch gut umgesetzt, Pixar haben hier seit Toy Story noch einmal deutlich zugelegt. Ein Grund dafür war sicher der inzwischen angehäufte Erfahrungsschatz im Zusammenspiel mit verfeinerten technischen Mittel. Aber auch das Geld hat hier eine wichtige Rolle gespielt, hat sich das Budget im Vergleich zum Erstling gleich vervierfacht, satte 120 Millionen Dollar standen zur Verfügung. Natürlich muss man trotz allem aus heutiger Sicht Abstriche machen; wer Das große Krabbeln dem ebenfalls in der Natur angesiedelten Arlo & Spot gegenüberstellt, mag kaum glauben, dass beide Filme demselben Studio entstammen. Immerhin wurden die Landschaften in Das große Krabbeln aber geschickt gewählt. Anders als viele heutige Vertreter, die möglichst viel Natur zeigen wollen und sich dabei völlig verheben, war man hier bescheidener bei der Wahl der Objekte, durch die vergleichsweise leeren Kulissen fällt es kaum auf, wenn etwas nicht ganz so ausgearbeitet ist. Gut ansehen kann man sich das Ameisenabenteuer daher heute noch, selbst wenn es vielleicht nicht zu den besten Pixartiteln zählt.

Das große Krabbeln
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Das große Krabbeln
Beim zweiten Langfilm tauscht Pixar Spielzeugfiguren gegen Ameisen und andere Insekten. Einige davon sind wunderbar skurril, „Das große Krabbeln“ bietet familienfreundlichen Spaß ohne große Längen. Insgesamt ist es aber ein eher simples Vergnügen, der Optik sieht man ihr Alter ebenfalls an.
7von 10

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