(„Intruders“ directed by Eduardo Sánchez and Daniel Stamm, 2014)

Intruders

„Intruders“ ist seit 10. Dezember auf DVD und Blu-ray erhältlich

Eigentlich hatte Jack Whelan (John Simm) sein Leben gut im Griff, nachdem er seinen Job als Polizist aufgab, sich der Schreiberei zuwandte, Gewalt und Alkohol abschwor. Das ändert sich jedoch grundlegend, als seine Frau Amy (Mira Sorvino) spurlos verschwindet und sein alter Schulfreund Gary Fischer (Tory Kittles) ihn um Rat in einem seltsamen Mordfall fragt. Dessen Täter Richard Shepherd (James Frain) befindet sich noch immer auf der Flucht und hat bereits das nächste Opfer vor Augen: die 9-jährige Madison (Millie Brown). Denn in dem Mädchen steckt mehr, als es nach außen hin den Anschein hat.

Nur was? Das bleibt längere Zeit ein Geheimnis. Wo andere Serien viel Zeit investieren, um Situation und Figuren dem Zuschauer vorzustellen, springt die Verfilmung von Michael Marshall Smiths gleichnamigen Buch mitten rein ins Geschehen, lässt einen als Zuschauer erst einmal völlig allein mit seinen Fragen. Das ist nicht ganz ungefährlich, die Balance zwischen Neugierde und Frustration droht immer wieder zugunsten von Letzterem zu kippen: Wenn nach einer von acht Folgen nicht einmal klar ist, worum es in der Serie überhaupt geht, wer diese Personen sind, die wir durchs ganze Land folgen, dann lädt das nicht unbedingt dazu ein, dem Geschehen auch weiter zu folgen.

Gut möglich, dass deshalb die Quoten der BBC-America-Produktion deshalb so bescheiden waren und die Serie nach nur einer Staffel wieder abgesetzt wurde. Und das ist schade, nicht nur weil Intruders lediglich der Auftakt ist, diverse Fragen zum Ende offen bleiben. Die Geschichte hat darüber hinaus auch einiges zu bieten, weshalb es sich eigentlich lohnen würde, dranzubleiben. Da wären zum einen die Darsteller, die – von Mira Sorvino einmal abgesehen – zwar den wenigsten etwas sagen dürften, ihre jeweiligen Rollen aber gut auszufüllen wissen. Die dankbareren Momente haben dabei die weiblichen Mitglieder des Casts für sich ergattert. Sorvino als langjährige Ehefrau, die offensichtlich noch ein anderes Leben führte, darf ihre Wandlungsfähigkeit beweisen. Besonders unterhaltsam sind aber die Szenen, wenn Madison sich so gar nicht wie ein Kind verhält – mit komischem Ergebnis.

Ansonsten aber überwiegen Spannung und Neugierde. Was genau wird da eigentlich gespielt? Wer ist diese mysteriöse Organisation? Vor allem Freunden finsterer Verschwörungstheorien wird hier in die Hände gespielt, ergänzt um Elemente aus dem Bereich der Fantastik. Dass diese Mischung aufgeht, überrascht nach einem Blick auf die Menschen hinter der Kamera weniger: Entwickelt wurde die Serie von Akte X-Produzent Glen Morgan, die Regiearbeit teilen sich der Kubaner Eduardo Sánchez (The Blair Witch Project, Lovely Molly) und der Deutsche Daniel Stamm (Der letzte Exorzismus, 13 Sins). Genrekompetenz ist also allemal vorhanden, wir dürfen uns über eine tendenziell unheimliche Atmosphäre freuen.

Zum Ende hin lässt der Nervenkitzel jedoch wieder etwas nach: Sind die grundsätzlichen Geheimnisse erst einmal gelöst, verliert die Serie ihre größte Stärke. Und die diversen Logiklöcher braucht man auch erst gar nicht zu erwähnen. Kurzweilig bleibt Intruders aber auch dann, wenn es inhaltlich ein wenig schwächelt. Da hier nach sechseinhalb Stunden der ganze Spuk auch schon vorbei ist, ist die englisch-amerikanische Koproduktion eine mehr als adäquate Möglichkeit, während der kommenden Feiertage die Zeit totzuschlagen und dabei ein bisschen zu rätseln und mitzufiebern.

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Auch wenn „Intruders“ zum Ende hin etwas abbaut und diverse Fragen offenbleiben, so bietet die englisch-amerikanische Mysteryserie doch eine Menge Rätselstoff, eine unheimliche Atmosphäre und eine gute Besetzung.
7von 10

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