(„Die Mannschaft“ directed by Ulrich Voigt, Martin Christ and Jens Gronheid, 2014)

Die Mannschaft

„Die Mannschaft“ erscheint am 10. Juli auf DVD und Blu-ray

Der furiose Auftakt gegen die Portugiesen, der fulminante Sieg gegen die Brasilianer, aber auch die mühseligen Spiele gegen Ghana und Algerien – der Verlauf der Fußballweltmeisterschaft 2014 war aus Sicht deutscher Fans mit ständigem Wechselbad der Gefühle verbunden. Aber auch in den schwierigen Momenten blieb das deutsche Team einer der hohen Favoriten auf den Titel, des Teamgeists wegen. Mögen andere die legendären Einzelkämpfer haben, hier trat man stets gemeinsam auf, weshalb man nicht nur beim heimischen Publikum, sondern auch im Ausland den Spitznamen „Die Mannschaft“ trug.

Viel Kreativität brauchte es daher auch nicht, als es darum ging zum großen Filmrückblick einen Titel zu finden. Viel Kreativität gab es aber auch beim Film selbst nicht. Dass es der vielbeschworene Zusammenhalt war, der zum Pokal führte, war vorher bereits medial als Konzept breitgetreten, darüber hinaus erfährt man relativ wenig hier. Einblicke in Taktiken gibt es nicht, überraschende Einsichten in das Miteinander auch nicht. Schlimmer noch ist aber die ständige Selbstbeweihräucherung: Alles ist so nett, harmonisch und weichgespült, als würde man einen 90-minütigen Nutella-Werbespot sehen. Nur ohne Nutella. Der Besuch einer brasilianischen Schule ist neu, Thomas Müller im Dirndl wenigstens lustig. Der Rest jedoch setzt sich aus bereits bekannten Bildern zusammen, die dann auch noch streng chronologisch und ohne besondere Einfälle zusammengefügt wurden.

Ein Wunder ist das nicht, denn anders als bei Deutschland. Ein Sommermärchen war ursprünglich überhaupt kein Film geplant. Nachdem die Dokumentation von Sönke Wortmann seinerzeit aber 4 Millionen Zuschauer in die Kinos lockte, und dieses Mal ja sogar ein Titel dabei raussprang, ließ man sich die Gelegenheit nicht entgehen, doch noch ein bisschen Geld aus dem euphorisierten Land zu pressen. Und der Plan ging ja auch auf, wenngleich man mit rund 900.000 Besuchern doch deutlich unter dem Ergebnis des Vorbilds blieb. Dafür ist Die Mannschaft aber letzten Endes auch zu emotionslos, zu kalkuliert, so wie die WM eher Arbeitssieg war, kein Gefühlsrausch.

Gesehen haben muss man die Dokumentation daher sicher nicht, dafür mangelt es einfach an Herz und Informationsgehalt. Als großer Fußballfan kann man sich die Scheibe sicher trotzdem ins Regal stellen, als ein Andenken an ein historisches Turnier, das einen in den geeigneten Stunden nostalgisch stimmen darf. Und einige schöne Szenen aus den Spielen gibt es ja auch zu bewundern, darunter natürlich in erster Linie die Tore. Aber wie die meisten Andenken dürfte Die Mannschaft letzten Endes in Vergessenheit geraten, da es nicht mehr sein kann als wiederaufgewärmte Erinnerungen. Und auch nicht mehr sein will.

Die Mannschaft
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Die Mannschaft
Der Kampf um den Weltmeistertitel war historisch, der Film ist es nicht. Einige schöne Szenen auf dem und abseits vom Spielfeld gibt es zu bewundern, größtenteils bietet „Die Mannschaft“ aber lediglich eine glattgebügelte Aneinanderreihung bekannter Bilder ohne Konzept, Informationsgehalt oder auch echte Emotionen.
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