(„A Pocket Full of Rye“ directed by Guy Slater, 1985)

Miss Marple Collection

„Das Geheimnis der Goldmine“ ist als Teil der „Agatha Christie’s Miss Marple Collection“ erhältlich

Reich war er, aber nicht sonderlich beliebt. So richtig wundern will sich daher niemand, als Rex Fortescue (Timothy West) ermordet wird. Aber was sollte das Getreide in seiner Jackentasche? Wie wurde er ermordet? Und von wem? Detective inspector Neele (Tom Wilkinson) hat die Familie in Verdacht: seine junge Frau Patricia (Frances Low), den älteren Sohn Percival (Clive Merrison) und den jüngeren Lance (Peter Davison), das schwarze Schaf der Familie. Als die Ermittlungen nicht vom Fleck kommen, erhält er Unterstützung von der scharfsinnigen Hobbydetektivin Miss Marple (Joan Hickson), deren ehemaliges Hausmädchen Gladys Martin (Annette Badland) bei den Fortescues arbeitet.

Für den vierten Film in der BBC-Miss-Marple-Reihe suchte man sich den 1953 erschienen Roman „A Pocket Full of Rye“ aus, der sechste, in dem die altjüngferliche Schnüffelnase einen Fall lösen muss. Der deutsche Titel war schon bei der literarischen Vorlage etwas unglücklich gewählt, da er früh vorwegnimmt, was eigentlich erst ziemlich spät eine Rolle spielt, dafür eine gewichtige. Andererseits war das Kinderlied, auf das im Originaltitel angespielt wird – „Sing a Song of Sixpence“ – außerhalb Englands auch recht wenig bekannt. Und in der Filmfassung ist davon noch weniger übriggeblieben: Durch eine Umstellung der Ereignisse ist ein wichtiger Hinweis verlorengegangen, das Kinderlied selbst nur noch ein schrulliges Detail ohne echten Zusammenhang zum Geschehen.

Insgesamt gehört Das Geheimnis der Goldmine nicht unbedingt zu den Höhepunkten der 12-teiligen Reihe. Da hier – anders als bei Die Tote in der Bibliothek und Ein Mord wird angekündigt – nur 100 statt 150 Minuten zur Verfügung standen, musste gerade zum Ende hin etwas auf die Tube gedrückt werden, was Ermittlung und Auflösung etwas willkürlich machen. Und auch bei den Figuren müssen Abstriche gemacht werden: Interessant ist hier fast niemand, sympathisch noch viel weniger. Einzig die scharfzüngige und äußerst religiöse Schwägerin des Verstorbenen und die vom Leben nicht übermäßig mit Glück und Grazie beschenkte Gladys stechen hervor, mit der man fast unweigerlich Mitleid empfindet und die ein absoluter Fremdkörper im niederträchtigen Haus der Fortescues ist.

Das verhuschte Dickerchen wird von Annette Badland dann auch überzeugend gespielt, Joan Hickson verkörpert die clevere Schnüfflerin gewohnt souverän. Auch sonst beinhaltet Das Geheimnis der Goldmine alles, was man von einem Roman von Agatha Christie erwarten kann: ein mysteriöser Mordfall, tragische Familiengeschichten, diverse falsche Spuren. Fans klassischer Whodunnit-Krimis bekommen hier also ein bisschen was zu tun, auch wenn – aufgrund des eher kleinen Ensembles – die Lösungsalternativen überschaubar sind. Vor allem aber fehlt es hier an feinen Besonderheiten, interessanten Szenarios oder originellen Einfällen, um den Film aus dem umfangreichen Werk der englischen Schriftstellerin hervorstechen zu lassen. Das meiste hat man schon in ihren anderen Büchern gelesen, der Mord an dem Despoten wirkt wie eine reine Fingerübung der Vielschreiberin. Als Beiwerk zu den anderen Filmen reicht das Gebotene natürlich, falls man beim Fernsehen zufällig reinschaltet auch. Wirklich danach suchen muss man jedoch nicht.

Das Geheimnis der Goldmine
4.18 (83.64%) 11 Artikel bewerten

Das Geheimnis der Goldmine
„Das Geheimnis der Goldmine“ nimmt bewährte Elemente anderer Agatha-Christie-Geschichten, verpasst es jedoch, darüber hinaus etwas Eigenständiges zu bieten. Da der Roman etwas unglücklich umgestellt wurde und es zum Schluss etwas hastig wird, gehört der Krimi eher zum Mittelfeld der zahlreichen Christie-Verfilmungen.
6von 10

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