(„Poltergeist“ directed by Gil Kenan, 2015)

Poltergeist

„Poltergeist“ läuft ab 28. Mai im Kino

Es sah schon einmal besser aus für Familie Bowen: Vater Eric (Sam Rockwell) steht ohne Job da, Mutter Amy (Rosemarie DeWitt) kommt mit ihrem Roman einfach nicht voran. Da nun das Geld langsam knapp wird, zieht das Paar mit ihren drei Kindern Kenda (Saxon Sharbino), Griffin (Kyle Catlett) und Madison (Kennedi Clements) in ein neues Haus in einer etwas günstigeren Gegend. Die Begeisterung darüber hält sich bei allen jedoch in Grenzen, umso mehr, da es kurz nach dem Einzug von Spukerscheinungen heimgesucht wird. Als Madison auch noch spurlos verschwindet, suchen die Bowens professionelle Hilfe: Die Parapsychologin Dr. Brooke Powell (Jane Adams) und der TV-Moderator Carrigan Burke (Jared Harris) sollen der Sache auf den Grund gehen und das jüngste Familienmitglied wieder zurückholen.

Eine Idee, eine Idee, ein Königreich für eine Idee! Dass in den USA alle paar Wochen eine Neuauflage, Fortsetzung oder das Spin-off eines bekannten Stoffes in die Kinos kommt, ist hinlänglich bekannt. Und gerade im Horrorgenre darf man oft auf bekannte Titel oder Namen hoffen, ist es doch für Endlosfortsetzungen berüchtigt, gleich ob die nun inhaltlich gerechtfertigt sind oder nicht. Darüber hinaus entdeckten die Filmemacher vor einigen Jahren das ungeheure (finanzielle) Potenzial, das ein Remake mit sich bringt. Und warum auch nicht? Schließlich gibt es kaum ein Genre, das mehr von der Glaubwürdigkeit seiner Effekte lebt als dieses, die moderne Technik bringt ganz neue Möglichkeiten mit sich, die es vor 30 Jahren einfach noch nicht gab.

Während Evil Dead einige sehenswerte Tricks mit sich brachte, als Film aber enttäuschte, und Maniac durch seinen Perspektivenwechsel einen verstörenden Einblick in das Leben eines Serienkillers gewährte, verzichtet Poltergeist auf jegliche Experimente. An der Hintergrundgeschichte der Figuren wurde etwas geschraubt, die Schockmomente sind jedoch nahezu 1:1 übernommen worden, nur dass dieses Mal eben der Computer als Quelle allen Bösen zur Hilfe genommen wurde. Reicht das? Jein. Natürlich machen die rechnerbasierten Effekte optisch teils eine Menge her: Die legendären Hände im Fernseher sehen brillant aus, auch der alptraumhafte Ausflug zum Schluss gefällt. Es fehlen aber nicht nur die inhaltlichen Einfälle, auch optisch hätte man die Technik sicher etwas kreativer einsetzen können.

Das eigentliche Problem bei Poltergeist liegt jedoch ohnehin woanders: Es fehlt an Spannung. Rund 20 Minuten kürzer ist das Remake im Vergleich zum Original, was vor allem zu Lasten der Atmosphäre geht. Anstatt diese langsam aufzubauen, wollte man das actionverwöhnte Publikum von heute wohl nicht so lange warten lassen, hetzt deshalb von einer Szene zur nächsten. Damit einher geht ein erstaunlich hoher Gaganteil. Zwar wird das Horrorgenre nie völlig verlassen, wenn man das Publikum aber häufiger lachen als zusammenzucken sieht, muss sich Regisseur Gil Kenan schon die Frage gefallen lassen, ob er nicht ein bisschen am Thema vorbeigedreht hat und sich zu sehr von seinem Animationshit Monster House hat beeinflussen lassen.

Unterhaltsam ist Poltergeist dabei schon, und eben auch sehr kurzweilig, was zu einem großen Teil dem trockenen Humor des fantastisch aufspielenden Sam Rockwell zu verdanken ist. Insgesamt ist am Schauspielerensemble wenig auszusetzen, wenngleich man erwartungsgemäß keinen gleichwertigen Ersatz für die kultige Zelda Rubinstein aus dem Original finden konnte. Ein eigener Klassiker wird das Remake aber sicher nicht sein, dafür fehlt es an einer eigenen Note: Man bewegt sich auf einem ordentlichen Niveau, das Fans größtenteils zufrieden stellen sollte. Ohne den großen Titel und die großen Namen auf dem Plakat wäre der Horrorfilm aber kaum erwähnenswert.



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Poltergeist (2015)
3.5 (70%) 26 Artikel bewerten

Poltergeist (2015)
Das Remake des Horroklassikers schlägt sich insgesamt wacker, darf sich mit sehenswerten Effekten und einem fantastischen Sam Rockwell brüsten. Spannend ist das gehetzte „Poltergeist“ jedoch eher selten, zudem mangelt es sowohl inhaltlich wie optisch an wirklich interessanten Ideen.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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