(„Rōdosu-tō Senki“ directed by Akinori Nagaoka, 1990)

Record of Lodoss WarIm Leben des jungen Parn gibt es nur ein Ziel: Er will ein Ritter werden, so wie sein Vater, der einst großes Ansehen genoss. Während er durchs Land zieht, auf der Suche nach Abenteuern und Informationen zum Verbleib seines Vaters, macht er die Bekanntschaft diverser anderer Krieger, die alle ihren Grund haben, auf Reise zu sein. Doch so unterschiedlich der Weg ursprünglich auch war, sie alle müssen bald als Team zusammenarbeiten, denn ein großer Krieg kündigt sich an, die Insel Lodoss ins Verderben zu stürzen. Hinter allem, so muss die Abenteurergruppe bald erfahren, steckt die 500 Jahre alte Hexe Karlla, die ganz eigene Pläne für das Land hat.

In den 90ern, als die erste wirklich große Welle von Anime nach Deutschland schwappte, gehörte Record of Lodoss War zur Speerspitze – so ziemlich jeder kannte sie, Fantasyfan oder nicht. Das mag an der Faszination für die zuvor eher unbekannte japanische Zeichentrickästhetik gelegen haben, aber sicher auch an der in dem Genre nicht gerade zahlreichen Konkurrenz. Sieht man einmal von RG Veda ab, gab es kaum ernstzunehmende Versuche in dem Bereich, die 13-teilige Serie war Peter Jacksons Herr der Ringe-Trilogie zudem einige Jahre voraus. Dass Record of Lodoss War so populär wurde, verdankte der Anime also auch der tatsache, dass weit und breit niemand da war, der das Bedürfnis von Rollenspielern hätte befriedigen können, große Abenteuer auch auf dem Fernseher erleben zu können.

Und dass die hier angesprochen werden sollten, das war offensichtlich. Tatsächlich liegen die Wurzeln von Record of Lodoss War hier auch mal nicht in einem Manga, sondern in einer Buchreihe von Ryo Mizuno, der darin seine für Rollenspielrunden entworfene Welt noch weiter ausbaute. Übermäßig originell war er dabei nicht, schon in den 80ern gehörten Zwerge, Elfen, Kämpfer, Priester, Magier, Hexen und Drachen zu den Standardfiguren einer jeden Rollenspielgeschichte, die jeweilige Ausarbeitung weicht ebenfalls nicht vom Weg ab.

Während sich die kreative Eigenleistung so eher bescheiden gestaltete, erfüllte sie beim Zielpublikum aber mehr als ihren Zweck: Die Serie beginnt mit einem epischen Kampf gegen einen Drachen, mehrere Heere werden sich im Laufe der Zeit gegenüberstehen, es gibt Intrigen und Verrat, böse Monster, mächtige Zaubersprüche, viel Blutvergießen. Und wenn zum Schluss gleich mehrere Episoden dem alles entscheidenden Endkampf gewidmet sind, heißt es hier nicht kleckern, sondern klotzen. Dazu passt die Musik, die immer wieder ins Theatralische wechselt, um an der eminenten Bedeutung der Ereignisse keinen Zweifel zu lassen.

Dabei gibt es inhaltlich durchaus interessante Aspekte: Schon der Vorspann verrät, dass Lodoss eine bewegte Vorgeschichte hat, die vor Urzeiten begann. Und auch Karlla sowie diverse andere wichtige Nebenfiguren nahmen ihren Ursprung bei einem ganz anderen Abenteuer. Davon zu erfahren, und auch wie die einstigen Helden und Weggefährten plötzlich zu erbitterten Feinden wurden, hätte richtig spannend werden können. Doch dafür reicht wie so oft der Platz nicht, bei einem guten Dutzend Episoden ist klar, dass nur an der Oberfläche gekratzt werden kann.

Einen ähnlich zwiespältigen Eindruck hinterlässt die Optik. Die Animationen sind recht bescheiden, oft wird sogar mit billigen Standbildern gearbeitet. Das ist zwar bei fehlendem Budget keine Seltenheit, für eine Produktion des bekannten Studios Madhouse (Millennium Actress, Robotic Angel) aber schon eine Enttäuschung. Dafür sind die Effekte teils sehr gut, gerade die Licht- und Schattenspiele sind ausgesprochen geglückt. Ansehen kann man sich Record of Lodoss War daher trotz der Kritik, einige Episoden sind sogar ziemlich stimmungsvoll geworden. Ein echtes Muss ist der Animeoldie aus heutiger Sicht aber nicht mehr. Das sah man seinerzeit aber natürlich anders, weshalb es neben der Original-Produktion von 1990/91 noch diverse Ableger gab, darunter die TV-Serie Chronicles of the Heroic Knight, welche die Ereignisse teils neu erzählt, sowie die beiden Spin-offs Legend of Crystania und Rune Soldier, welche ebenfalls ihren Weg hierher fanden.



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Record of Lodoss War
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Record of Lodoss War
Für Rollenspielfans seinerzeit ein Muss, ist „Record of Lodoss War“ inzwischen spürbar in die Jahre gekommen. Die Geschichte bediente sich schon für damalige Verhältnisse zu sehr bekannter Klischees, die Animationen sind bescheiden. Dafür aber sind die Effekte gut, einzelne interessante Aspekte und stimmungsvolle Szenen lassen sich noch immer finden.
6von 10

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