(„Mara und der Feuerbringer“ directed by Tommy Krappweis, 2014)

Mara und der Feuerbringer

„Mara und der Feuerbringer“ läuft ab 2. April im Kino

Ein normales Leben? Das erscheint für die 14-jährige Mara Lorbeer (Lilian Prent) ziemlich weit weg. Nicht nur dass ihre esoterisch veranlagte Mutter Christa (Esther Schweins) ständig neue, bizarre Einfälle hat, die Jugendliche wird auch noch von seltsamen Tagträumen heimgesucht. Einen Grund dafür liefert ihr eines Tages ausgerechnet ein sprechender Zweig, der ihr verrät, dass sie eine Seherin ist und zudem auch noch die Welt retten darf. Loki (Christoph Maria Herbst), der nord-germanische Gott, sei gerade dabei sich zu befreien, was mindestens die Apokalypse zur Folge habe. Um diese zu verhindern, sucht die Auserwählte Hilfe beim Universitätsprofessor Weissinger (Jan Josef Liefers), der sich als so ziemlich einziger noch Lebender in der Materie auskennt.

Tommy Krappweis, der Name steht traditionell für TV-Produktionen, bei denen man nie so genau sagen kann, ob sie nun für Kinder oder Erwachsene gedacht sind. Bernd das Brot zum Beispiel ist ein Aushängeschild des Kinderkanals, ist aber mit seinem zynischen, oft nihilistischen Humor auch bei älteren Zuschauern Kult. Die ProSieben Märchenstunde wiederum nimmt sich klassische Kindermärchen, persifliert diese aber so stark, dass sie kaum mehr wiederzuerkennen sind. Bei seinem ersten Ausflug auf die große Leinwand ist die Sachlage eindeutiger, denn Mara und der Feuerbringer basiert auf seiner eigenen gleichnamigen Jugendromanreihe.

Nicht nur dass mit Mara eine Jugendliche als Protagonistin fungiert, es werden auch im Grunde typische Probleme dieses Lebensabschnitts behandelt. Wie gehe ich damit um, anders zu sein als meine Mitschüler? Was kann ich tun, wenn ich von anderen gemobbt werde? Wer bin ich, wer will ich sein? Dass mit Christa eine Esoterikexzentrikerin die Rolle des Familienoberhaupts erfüllt, ist natürlich übertrieben, doch auch damit dürften sich viele Altersgenossen identifizieren können. Denn mal ehrlich: Wem waren die eigenen Eltern nicht schon mal peinlich? Und damit muss sich jeder irgendwann einmal auseinandersetzen, egal ob man nun eine Seherin ist oder eben doch eine ganz normale Schülerin. Mara und der Feuerbringer ist also ähnlich wie sein populärer Landsmann Rubinrot Fantasy und Coming-of-Age in einem – jedoch dankenswerterweise ohne dessen kitschige Romanzeelemente.

Doch auch für etwas ältere Zuschauer ist das Jugendabenteuer einen Blick wert, wenn Krappweis seiner typisch humorvollen Ader freien Lauf lässt. Einige der Gags haben ebenfalls Teens im Blick, dazu gesellen sich aber einige Anspielungen auf die Popkultur und ein Hang zur Absurdität. Gerade zum Schluss, wenn sich die Ereignisse überschlagen, und wie wild Geschichten miteinander gekreuzt werden, wird es so gewollt schwachsinnig, dass man selbst als Erwachsener sich das Lachen nicht verkneifen kann. Da macht es dann auch nichts, wenn die Spezialeffekte insgesamt etwas bescheidener sind, denn ein richtiges, ernsthaftes Fantasyepos kann und will Mara und der Feuerbringer nicht sein – allein schon wegen der genreuntypischen Länge von gerade mal anderthalb Stunden.

Die sind dafür gut gefüllt, Krappweis übernimmt sich zwar nicht mit seiner Geschichte, kommt dafür aber auch ohne Längen aus. Und so heißt es nach dem Abspann Daumen drücken, dass der Film erfolgreich genug ist, fortgesetzt zu werden. Buchmaterial dafür ist genügend da, und auch wenn die Haupthandlung von Mara und der Feuerbringer in sich geschlossen ist, bleiben doch einige Fragen offen, bei denen es schön wäre, eine Antwort zu bekommen.



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Mara und der Feuerbringer
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Mara und der Feuerbringer
„Mara und der Feuerbringer“ verbindet Fantasy und Coming-of-Age, richtet sich damit eindeutig an ein jugendliches Publikum. Doch auch ältere Zuschauer dürfen bei der kurzweiligen Romanverfilmung dank eines immer absurder werden Humors ihren Spaß haben.
7von 10

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