(„Jupiter Ascending“ directed by Andy & Lana Wachowski, 2015)

Jupiter Ascending

„Jupiter Ascending“ läuft ab 5. Februar im Kino

Aufregend ist das Leben von Jupiter Jones (Mila Kunis) sicher nicht, eher schlecht als recht hält sich die junge Frau als Putzfrau über Wasser – bis zu dem Tag, als sie von einer Horde Aliens angegriffen wird. Zwar wird sie von dem mysteriösen Ex-Söldner Caine (Channing Tatum) gerettet, doch die eigentlichen Probleme fangen dann erst an. Denn schon bald gerät sie zwischen die Fronten der Geschwister Balem (Eddie Redmayne), Kalique (Tuppence Middleton) und Titus (Douglas Booth) – jeder Erbe eines mächtigen intergalaktischen Konzerns – die sich um die Vorherrschaft über die Erde streiten.

Mehr als 15 Jahre sind vergangen, seitdem Andy und Lana Wachowski mit Matrix die Filmwelt im Sturm eroberten. Doch auch wenn ihr Stern seither stark gesunken ist, der Glaube oder die Hoffnung, sie könnten das Kunstwerk wiederholen, scheint bei den Filmstudios davon unbeeindruckt geblieben zu sein. Ob nun Speed Racer oder Cloud Atlas, das Budget lag jeweils bei über 100 Millionen Dollar, bei ihrem neusten sollen es sogar 175 Millionen gewesen sein. Die Chance, diese Summer wieder einzuspielen, dürfte dabei aber gering sein, zumindest wenn die Qualität des Films als Maßstab dienen soll.

Einiges von dem Geld ist dabei noch gut angelegt: Raumschiffe, die fremden Städte, die Special Effects – also alles, was unabhängig von der Geschichte oder den Figuren funktioniert. Denn sobald auch nur einer der Figuren spricht und versucht die Handlung voranzutreiben, sind die häufigsten Reaktionen Fassungslosigkeit oder schallendes Gelächter. Einige der Einfälle sind so grotesk, dass man sich unweigerlich fragt, ob die Wachowskis nicht vielleicht doch eine Satire im Sinn hatten oder eine Parodie auf billig produzierte Science-Fiction-Serien aus dem Sonntagmorgen-Programm. Hätte man die Geschichte auf einer anonymen Fanfiction-Seite gefunden, der Autor hätte den wohlmeinenden Rat erhalten, sich besser ein anderes Hobby zu suchen. Und das Schockierendste dabei ist, dass es tatsächlich Studiobosse für eine gute Idee hielten, Geld in die krude Space Opera stecken zu wollen und auf die große Leinwand zu bringen.

Auch abseits der haarsträubenden Geschichte und der lächerlichen Dialoge bietet Jupiter Ascending immer wieder Anlass zur Erheiterung. Befremdlich ist beispielsweise die Entscheidung, Caine Highspeed-Rollerblades zu verpassen, mit denen er so enthusiastisch durch die Lüfte rast, als wäre er viel lieber Ensemblemitglied bei Starlight Express. Und dann wären da noch die Kreaturen: Wenn einem im Jahr 2015 und mit einem so hohen Budget im Rücken nichts Besseres einfällt, als humanoide Riesenechsen, Elefantenverschnitte oder Katzenimitate zu bringen und den Rest des galaktischen Flairs durch sonderbare Frisuren oder Kleider im Stil von Tribute von Panem erzwingen zu wollen, erreicht der Kreativbankrott ein Level, von dem man bis dato nicht einmal wusste, dass es ihn gibt.

Wenn Jupiter Ascending eines vor dem Totalausfall bewahrt, dann sind das neben dem gelegentlich schicken Design der Schauplätze vor allem die Kämpfe. Manche sind vielleicht etwas unübersichtlich, insgesamt sind sie aber so rasant und effektiv in Szene gesetzt, dass sie einen den Rest des Geschehens vergessen lassen – wenn man Glück hat. Für einen guten Film reicht das nicht aus, nicht einmal auf Durchschnittsniveau ist Platz genug für die Wachowskis. Gesetzt den Fall, man erfreut sich aber gerade am Grotesken, oder wollte schon immer einmal wissen, wie Trash aussieht, der keine Kosten scheut, der wird hier sogar seinen Spaß haben. Der Rest darf die Space Opera getrost ignorieren und darauf hoffen, dass die beiden Amerikaner sich nun ein paar Jahre Auszeit gönnen werden. Denn das wäre für alle Seiten ein Gewinn.

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3.87 (77.33%) 15 Artikel bewerten

Jupiter Ascending
So trashig wird es in Hollywood selten: Die Geschichte ist grotesk, die Dialoge lächerlich, die Figuren billig. Die millionenschweren Schauplätze, Fahrzeuge und Effekte sind sehenswert, die Actionszenen meistens auch, trotzdem schrammt „Jupiter Ascending“ nur gerade so an einem Totalausfall vorbei.
4von 10

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