(„Mammon“ directed by Cecilie A. Mosli, 2014)

Mammon

„Mammon“ ist seit 5. Januar auf DVD und Blu-ray erhältlich

Es hätte die Story seines Lebens werden soll: Als der Journalist Peter Verås (Jon Øigarden) von einem Informanten Hinweise auf kriminelle Machenschaften beim Konzern Hydro erhält, setzt er alles daran, diese publik zu machen – auch wenn dies seinen eigenen Bruder Daniel ins Gefängnis bringt. Doch bevor es so weit kommt, begeht dieser Selbstmord und warnt Peter davor, dass ihm dies noch einmal leidtun werde. Und damit sollte er recht behalten, denn die Unregelmäßigkeiten sind nur die Spitze des Eisbergs. Bei seinen Recherchen entdeckt Peter, dass noch viel mehr Leute in der Sache drin stecken. Und plötzlich wird er selbst zur Zielscheibe einer unbekannten und mächtigen Organisation.

Es ist kein Geheimnis, dass in den letzten Jahren skandinavische Thriller und Krimis weltweit die Herzen (und Geldbeutel) der Genrefans erobert haben. Kaputte Typen, düsteres Ambiente, verwickelte Fälle – die nordischen Länder etablierten sich mit ihren oft trostlosen Interpretationen als interessante Alternative. Oder besser: manche von ihnen. Während es „Verblendung“ von Stieg Larsson bis nach Hollywood schaffte und auch die dänischen Serie Kommissarin Lund bzw. die dänisch-schwedische Koproduktion Die Brücke US-Remakes erhielten, blieb Norwegen bislang etwas außen vor. Hellfjord ist mehr Satire denn Krimi, Lilyhammer behalf sich eines amerikanischen Protagonisten, um über die Grenzen hinaus bekannt zu werden.

Nun also Mammon, der neueste Versuch unserer nordeuropäischen Freunde. Und auf den ersten Blick macht der norwegische Dreiteiler auch eine gute Figur; der Held ist ein unbeirrbarer Journalist, die Bösen rekrutieren sich aus den Obersten der Gesellschaft, dazu gibt es Verschwörungselemente – was will man mehr? Spannend ist die Miniserie auch, dank eines kleinen, aber äußerst effektiven Tricks von Serienschöpfer Vegard Eriksen Stenberg und der Regisseurin Cecilie A. Mosli: Sie halten unentwegt Informationen vor. Wo andere versuchen, Charaktere von Anfang an in Szene zu setzen, verzichten sie hier oft auf eine richtige Einführung. Beispielsweise unterhalten sich Peter und Daniel zu Beginn der Serie längere Zeit, ohne dass verraten wird, dass die beiden Brüder sind. Und diese Methode wird konsequent fortgesetzt: Figuren und Handlung zuerst, Erklärung und Kontext später. Alleine deshalb rätselt der Zuschauer kräftig mit, hier bleibt völlig unklar, wer Freund, wer Feind ist.

Während der Thriller so sehr vielversprechend beginnt, bekommt er später nicht mehr die Kurve, wenn wir uns der Auflösung nähern. Frei nach dem Motto „je verworrener, umso besser“ spart sich Mammon zunehmend die Erklärungen, baut unnötige Wendungen ein, wird zeitweise auch völlig unsinnig. Da darüber hinaus die Charaktere bis zum Schluss nicht viel hergeben, nie mehr als ein Mittel zum Zweck sind, reicht es für die Norweger nicht, um mit der prominenten Konkurrenz der skandinavischen Länder mitzuhalten. Schade um die gelungene Atmosphäre und eine Geschichte, deren Grundidee interessante und perfide Elemente enthält. Wem Kriminalfälle nordischer Machart gefallen, darf dennoch mit der insgesamt recht ruhig gehaltenen Serie liebäugeln. Ein wirkliches Highlight stellt sie zwar nicht dar, dafür aber kompetente Unterhaltung, die auch dank einer Laufzeit von weniger als sechs Stunden ohne größere Längen auskommt.

Mammon
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Mammon
Eine skandinavische Serie um einen Journalisten, der einer Verschwörung auf der Spur ist – das klingt vielversprechend. Tatsächlich gefällt „Mammon“ mit seiner düsteren Grundstimmung und einem spannenden Fall. Später wird hier jedoch übertrieben, mangelnde Erklärungen und unnötige Wendungen sorgen zusammen mit den wenig interessanten Charakteren dafür, dass die norwegische Produktion mit den großen Vorbildern nicht Schritt halten kann.
6von 10

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