(„The File of the Golden Goose“ directed by Robert E. Kent, 1969)

Die Spur führt nach SohoSo ein Job als Geheimagent, das ist nur was für echte Männer: keine Schwächen, keine Kompromisse, keine Familie. Zumindest Peter Novak (Yul Brynner) vertritt diese Meinung, seitdem er mitansehen musste, wie seine Freundin auf offener Straße erschossen wurde. So richtig glücklich ist er deshalb auch nicht, als ihm ausgerechnet Peter Thompson (Edward Woodward) von Scotland Yard an die Seite gestellt wird. Denn der ist verheiratet und lehnt zudem Waffen ab. Aber es hilft nichts, die beiden müssen sich zusammenraufen und ihre Differenzen überbrücken. Schließlich können sie nur gemeinsam sie dem gefährlichen Geldfälscherring auf die Spur kommen, der weltweit sein Unwesen treibt.

Auf der einen Seite der zynische, harte Hund, auf der anderen der lebensfrohe Familienmensch – dass es da knirscht, überrascht nicht wirklich. Wie so oft liegt dann auch bei Die Spur führt nach Soho der Reiz in dem Kontrast der ungleichen Ermittler. Anders als bei den späteren Buddy Movies üblich müssen wir hierbei jedoch, von einigen ganz wenigen Szenen einmal abgesehen, auf Humor verzichten, dafür nimmt man sich dann doch zu ernst. Dabei wäre der eine oder andere witzige Einfall nicht schlecht gewesen. Oder überhaupt ein Einfall. Denn der Thriller versucht nicht einmal, mehr oder etwas anderes zu bieten als die große graue Masse des Genres.Die Spur führt nach Soho Szene 1

Lediglich Charles Gray als exzentrisch-tuntiger Fälscher sorgt da für Erheiterung. Wenn der britische Veteran durch die Szenen turnt und sich räkelt, mutet das so grotesk an, dass man sich fragt, ob Die Spur führt nach Soho nicht vielleicht doch eher als Komödie gemeint war. Auch sonst tummelt sich so manch bekanntes Gesicht im Ensemble. Das Aushängeschild damals wie heute ist natürlich Yul Brynner, der in den 50ern noch zu den ganz großen zählte, Ende der 60er aber schon nur noch ein Star unter vielen war. Sonderlich viel Schauspielkunst hat er hier nicht zu beweisen, die Anforderungen an seine Rolle beschränkten sich größtenteils darauf, grimmig zu schauen.Die Spur führt nach Soho Szene 2

Immerhin: Das konnte er ganz gut. Und für einen Film wie Die Spur führt nach Soho, der sich früheren Noir-Thrillern verpflichtet fühlt, ist ein kantiger Held ja Ehrensache. Insgesamt macht die britische B-Produktion eine ordentliche Figur – nichts, was man unbedingt gesehen haben müsste, immerhin aber kompetente, zwischendurch spannende Agententhrillerkost ohne große Experimente. Fans des Genres, von Brynner oder auch London – es gibt viele atmosphärische Aufnahmen der englischen Metropole – dürfen daher einen Blick riskieren und den Film recht bald drauf wieder vergessen haben.

Die Spur führt nach Soho ist seit 12. September auf DVD erhältlich

Die Spur führt nach Soho
4.14 (82.86%) 7 Artikel bewerten

Die Spur führt nach Soho
Die Spur führt nach Soho ist ein typischer Fall für Fans von Agententhrillern, die alles andere schon gesehen haben. Trotz prominenter Besetzung fehlt dem britischen Film die Mittel, um sich von der Konkurrenz abzusehen, allein der exzentrische Auftritt von Charles Gray bleibt einem in Erinnerung.
5von 10

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Eine Antwort

  1. Klaus

    Auch wenn der Film weniger bekannt ist, ist er sicher sehenswert. Schon wegen der beiden charakterlich sehr konträr angesetzten Hauptdarsteller. Vielleicht ist das sogar realistischer
    im realen Berufsleben unter Arbeits-Kollegen.

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