(„The Hunger Games – Catching Fire“ directed by Francis Lawrence, 2013)

Die Tribute von Panem – Catching FireAn der Spitze ist es einsam. Eigentlich hätten Katniss Everdeen (Jennifer Lawrence) und Peeta Mellark (Josh Hutcherson) allen Grund zur Freude, schafften sie doch das Unmögliche und gingen beide als Sieger der 74. Hungerspiele hervor. Vor allem Katniss jedoch will dabei so gar kein Glück empfinden, immer wieder sieht sie die anderen Teilnehmer des Wettstreits vor sich, die ihr Leben lassen mussten, damit sie weiterkommt. Für Präsident Snow (Donald Sutherland) ist das ein Problem: Eine Heldin, die keine sein will, passt so gar nicht in sein Regierungskonzept. Schließlich ist ihre Aufgabe, die Massen mit schönen Bildern und viel Oberflächenglanz von der eigenen Misere abzulenken. Bleibt das aus, droht eine Revolution. Und damit der Machtverlust.

Als seine Versuche scheitern, Katniss durch geschickte Manipulation der Medien in Verruf zu bringen, hat der neue Spielleiter Plutarch Heavensbee (Philip Seymour Hoffman) eine ebenso brillante wie perfide Idee: Zum 75. Jahrestag der Hungerspiele sollen ausschließlich ehemalige Sieger gegeneinander antreten, damit auch Katniss. Wenn der Hoffnungsträger der Massen dabei stirbt – und dafür wird schon zu sorgen sein – sind auch die potenziellen Aufstände im Keim erstickt.

Als Die Tribute von Panem – The Hunger Games vor mehr als zwei Jahren anlief, hätte wohl niemand mit dem großen Erfolg gerechnet: Rund 700 Millionen spielte die Verfilmung von Suzanne Collins’ Roman weltweit ein, allein in Deutschland strömten mehr als zwei Millionen Zuschauer in die Kinos. Dass dem recht bald eine Fortsetzung folgen würde, war klar. Und da ließ man dann erwartungsgemäß auch nicht lange auf sich warten, Ende letzten Jahres kam bereits der zweite Teil Catching Fire in die Kinos, die Verfilmung des dritten Romans Mockingjay – zwecks größerer Einnahmen noch mal in zwei Filme unterteilt – steht bereits in den Startlöchern.Die Tribute von Panem - Catching Fire Szene 1

Die große Überraschung ist also nicht, dass eine Fortsetzung kam, sondern wie die aussah. Größer, schneller, bombastischer? Das ist Catching Fire nur bedingt. Sicher hat man das Budget von 80 Millionen noch mal um rund 50 weitere erhöht, doch das schlägt sich nur zum Teil in der Optik nieder. Dass die Bilder noch mal etwas hübscher, glatt polierter sind, könnte auch am Regisseurwechsel liegen, denn dieses Mal leitete Francis Lawrence die Geschicke. Und der machte sich neben Filmen wie Constantine oder I Am Legend vor allem als Regisseur von Musikvideos einen Namen.

Sein Hang zur Clipästhetik steht jedoch im krassen Kontrast zum Inhalt des Films. Katniss Everdeen ist nicht länger die toughe Kampfamazone des ersten Teils, sondern selbst traumatisiertes Opfer der Hungerspiele. Auch dieses Mal wird der Actionteil also wieder mit Gesellschaftskritik verbunden. Die Schelte der Medien und deren of zynischen Mechanismen kennen wir schon aus The Hunger Games. Doch beim Nachfolger wird es auch politisch, wenn hier eine Regierung an den Pranger gestellt wird, die ihre Kriegshelden nur zum eigenen Vorteil missbraucht, sie mit ihren seelischen und körperlichen Verstümmelungen aber alleine lässt.

Im Gegenzug geriet der Actionteil ein bisschen aufs Abstellgleis. Schon beim ersten Teil wurde da ein bisschen sehr aufs Gaspedal getreten, sodass man kaum noch hinterherkam, wer denn nun wann wie gestorben ist. Dieses Mal braucht man erst gar nicht zu versuchen, eine Bindung aufzubauen, da alles doch sehr schnell vorbei ist. Für Anhänger spannender Menschenjagden mag das eine Enttäuschung sein, geschadet hat es dem Film aber nicht. Tatsächlich ist Catching Fire seinem Vorgänger sogar überlegen, der in der zweiten Hälfte zu wenig dafür tat, um sich von vergleichbaren tödlichen Spielen à la Battle Royale abzuheben. Indem hier der Fokus stärker auf das Drumherum gelegt wird und der Film auch noch mit einem überraschenden Cliffhanger endet, fiebert man dem dritten Teil umso stärker entgegen.Die Tribute von Panem - Catching Fire Szene 2

Schauspielerisch ist alles beim alten geblieben: Noch immer ist Jennifer Lawrence, nach Hunger Games, Silver Linings und American Hustle das neue It-Girl Hollywoods, Dreh- und Angelpunkt des Films und erledigt sowohl die actionbetonten als auch die stärker charakterbezogenen Szenen makellos. Und auch der Rest des illustren Ensembles ist wieder mit dabei. Ein bitterer Nachgeschmack ist, dass der Anfang des Jahres verstorbene Philip Seymour Hoffman hier einen seiner letzten Auftritte hatte. Den absolviert der Oscarpreisträger zwar gewohnt überzeugend, nur hätte man sich für den großen Charakterdarsteller eine etwas interessantere Rolle zum Abschied gewünscht.

Die Tribute von Panem – Catching Fire
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Die Tribute von Panem – Catching Fire
Die Fortsetzung des Überraschungshits setzt wie der Vorgänger auf eine Mischung von ausgiebigen Actionszenen und Gesellschaftskritik. Wer nur der Kämpfe wegen einschaltet, bekommt hier weniger geboten als im Vorgänger. Inhaltlich ist "Catching Fire" durch den stärkeren Fokus auf die Figuren und das Drumherum dafür aber interessanter als der ohnehin schon gelungene erste Teil.
8von 10

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