Beste Gegend

Beste Gegend

(„Beste Gegend“ directed by Marcus H. Rosenmüller, 2007)

Beste GegendFreiheit! Seit Jahren schon haben Kati (Anna Maria Sturm) und Jo (Rosalie Thomass) auf den Tag ihres Abiturs gewartet, um danach endlich machen zu können, was sie wollen. Nur was das ist, das wissen die beiden besten Freundinnen selbst nicht so genau. Erst mal eine Weltreise, dann sehen wir weiter. Ihre jeweiligen Familien sind von der Idee natürlich wenig begeistert, die beiden allein durch die Gegend fahren zu lassen. Und dann gibt es auch mal wieder Probleme mit den Männern. Jo ist inzwischen mit Toni (Volker Bruch) liiert, fühlt sich in der Enge einer Beziehung aber zunehmend eingesperrt. Und Kati? Die ist mal wieder nur am Schwärmen, dieses Mal ist Lugge (Stefan Murr) das Objekt ihrer Begierde.

Nur wenige Monate nach Beste Zeit erzählte Marcus H. Rosenmüller hier bereits das zweite Kapitel aus dem Leben von Kati und Jo auf dem Weg zum Erwachsenensein. Kenner und Anhänger des ersten Teils werden sich deshalb gleich zu Hause fühlen: Der gesamte Cast ist wieder mit dabei, auch die Themen sind ähnlich. Anfangs ist der Einstieg ein wenig schwer, denn in der Geschichte sind bereits zwei Jahre vergangen. Was während dieser Zeit passiert ist, erfahren wir jedoch nicht, nur nach und nach kann der Zuschauer die Leerstellen auf dem Weg zu Beste Gegend ausfüllen. Beispielsweise ist Rocky (Ferdinand Schmidt-Modrow), in Teil eins noch unsterblich und ohne erwiderte Gefühle in Kati verliebt, mittlerweile anderweitig vergeben, ohne dass das je groß angesprochen wird.Beste Gegend Szene 1

Doch im Mittelpunkt steht ohnehin nicht er, wie schon im Vorgänger dreht sich hier alles um das Freundinnenduo. Das ist wie im ersten Teil auch wieder famos von Anna Maria Sturm und Rosalie Thomass gespielt. Gemeinsam mit der erneut ausgiebig verwendeten bayrischen Mundart entsteht hier der authentische Eindruck zweier Mädels vom Land auf der Suche nach sich selbst und einem eigenen Leben. Dabei dürfen die Charakterzüge im Vergleich zu Beste Zeit noch einmal ein wenig vertieft werden, und damit auch die Unterschiede zwischen den beiden. Kati ist die zögerliche, die immer von Freiheit und der großen Welt träumt, dann aber doch vor der eigenen Courage zurückschreckt. Jo wiederum drängt es tatsächlich nach draußen, ist bereit, dafür sogar die eigene Beziehung und eine sichere Zukunft zu opfern.

Während bei den Figuren die Stärken des Vorgängers also nahtlos fortgesetzt werden, schwächelt Beste Gegend auf der Inhaltsseite. War Beste Zeit noch eine deutlich autobiografisch gefärbte Verfilmung der Erlebnisse von Drehbuchautorin Karin Michalke, kommen hier verstärkt fiktive Elemente zum Einsatz – und das sieht man. Zeichnete sich Teil eins durch seine ungekünstelte Herangehensweise aus, die das alltägliche Drama von Heranwachsenden einfühlsam beleuchtete, wirkt die Fortsetzung deutlich konstruierter. Zu oft verlässt man sich hier auf Zufälle: Figuren, die genau zum richtigen – oder falschen – Zeitpunkt irgendwo sind, allzu perfekt getimte Ereignisse. Das kennt man natürlich aus Soap Operas oder Hollywoodromanzen, doch genau das sollte die Coming-of-Trilogie ja nicht sein.Beste Gegend Szene 2

Ebenfalls weniger geglückt ist das fehlende dramaturgische Korsett. Einerseits ist es konsequent, wenn ein Film über das Ende der Schulzeit und die allgemeine Orientierungslosigkeit dieses Lebensabschnitts selbst keinen roten Faden hat. Als Zuschauer fragt man sich aber schon des Öfteren, worauf der Film nun eigentlich hinaus will. Ein ordentlicher Film über das schwierige Erwachsenwerden ist Beste Gegend trotz allem, im Vergleich zu Rosenmüllers erstem Versuch aber eben eine Enttäuschung. Das sahen wohl auch die Kinogänger so, deren Anzahl nicht einmal die Hälfte des Erstlings betrug. Das erschwerte die Umsetzung des schon damals geplanten dritten Teils, immer wieder wurde darüber gesprochen, aber die Geldmittel waren einfach nicht da. Umso größer die Freude, als kürzlich bekannt wurde, dass es am Ende doch noch geklappt hat, mit Beste Chance läuft am 26. Juni der oft verschobene dritte Teil der Trilogie endlich in den Kinos an.



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Die Figuren sind ähnlich stark wie in Teil eins, auch Beste Gegend zeichnet sich durch einen authentischen und wunderbar gespielten Einblick ins Leben zweier Heranwachsender aus. Schwächen gibt es diesmal aber beim Drehbuch, das zerfasert und vor allem zu konstruiert wirkt.
6
von 10