(„El callejón“ directed by Antonio Trashorras, 2011)

Blind AlleyDiskomusik, psychedelische Hintergründe, Tanzeinlagen – beim Anblick des Vorspanns kommt schnell der Eindruck auf, im falschen Film zu sein. Für einen Musikfilm mögen die Szenen ja angemessen sein, für einen Tanzstreifen sowieso. Meinetwegen auch für einen Softporno. Doch hier haben wir es mit einem Thriller zu tun und da erwartete man einen eher düsteren Einstieg. Aber unerwartet ist bei Blind Alley – Im Schatten lauert der Tod vieles, sowohl für uns Zuschauer aber auch für die Hauptfigur.

Zu Beginn sieht es noch so aus, als würde es das Schicksal gut mit Rosa (Ana de Armas) meinen. Sie wird zu einem Bewerbungsgespräch für ein Fotoshooting eingeladen. Vielleicht ist das ja der Auftakt einer großen Modelkarriere? Wird sie wirklich ihren öden Hoteljob hinter sich lassen können? Doch bevor sie sich diesen Zukunftsträumen hingeben kann, muss sie ein recht gegenwärtiges Problem lösen: Ihre Waschmaschine streikt. Ungünstig, braucht sie schließlich für das Shooting am nächsten Tag frische Sachen. Aber alles halb so wild, gibt es doch den 24-Stunden-Waschsalon am Ende der Straße. Am Ende ist hier durchaus wörtlich zu verstehen, denn Rosa und ihre Schwester wohnen in einer Sackgasse. Einer fast klaustrophobisch engen und verlassen wirkenden Sackgasse, sei noch hinzugefügt.Blind Alley Szene 1

Ganz wohl ist Rosa beim Betreten des heruntergekommenen und menschenleeren Salons deswegen auch nicht. Aber was soll schon passieren? Ihre Wohnung ist ja nur ein paar Schritte entfernt. Wie weit jedoch ein paar Schritte sein können, muss sie recht bald feststellen. So ganz allein ist die hübsche junge Frau nämlich nicht, ein Serienkiller ist ihr auf den Fersen und schneidet ihr den Heimweg ab. Ein Killer vor der Tür, sie eingesperrt im Salon – keine gute Voraussetzung. Und als wäre das nicht schon schlimm genug, beginnt langsam das Schlafmittel zu wirken, das sie eingenommen hat, um vor ihrem großen Tag ruhig zu schlafen.

Ein Regisseur mit Nachnamen Trashorras dreht einen Film mit dem reißerischem Zweittitel Im Schatten lauert der Tod – alleine das lässt einen das Schlimmste befürchten. Mit einfallslosem Trash hat Blind Alley zum Glück jedoch kaum etwas zu tun. Und mit einem herkömmlichen Horrorfilm genauso wenig. Nicht nur der Vorspann auch der restliche Film ist interessant inszeniert: Bild-im-Bild-Aufnahmen, ähnlich von Comicpanels, satte Farben, die alles unwirklich erscheinen lassen, dazu ungewöhnliche Kameraperspektiven, all das hebt den kleinen spanischen Streifen aus der dunklen Masse hervor.Blind Alley Szene 2

Auch die einfache aber wirkungsvolle Geschichte weiß über weite Strecken zu gefallen. Ein Raum, zwei Protagonisten – Blind Alley ist ein gelungenes Beispiel dafür, dass man kein hohes Budget oder weitläufige Kulissen braucht, um Spannung zu erzeugen. Leider war dies Trashorras aber wohl nicht genug und er meinte, seinen feinen Thriller zum Ende hin unnötig in eine explizite Horrorrichtung zwingen zu wollen. Während seine anderen Wendungen und inszenatorischen Einfälle den Film oft bereichern, wird es dann auf einmal billig und auch albern. Schade um die vertane Chance. Da dieses Manko aber „nur“ das Finale betrifft, ist Blind Alley zumindest für Freunde etwas anderer Thriller einen Blick wert.

Blind Alley – Im Schatten lauert der Tod ist seit 12. April auf DVD und Blu-ray erhältlich

Blind Alley – Im Schatten lauert der Tod
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Blind Alley – Im Schatten lauert der Tod
Eine einfache aber spannende Geschichte gepaart mit einer einfallsreichen, teils comichaften Inszenierung – über weite Strecken sieht Blind Alley – Im Schatten lauert der Tod wie ein echter Geheimtipp für Thrillerfans aus. Leider ist das Ende nicht annähernd so clever und beschränkt sich auf alberne Horrorkost. Dennoch 76 recht kurzweilige Minuten.
6von 10

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