(„The Kite Runner“ directed by Marc Forster, 2007)

Es wäre nicht mehr als ein gewöhnlicher, kleiner Papierdrache, wenn nicht so viel dahinter stecken würde:  Der Film Drachenläufer beschreibt die ungleiche Freundschaft zweier afghanischer Jungen: Der schüchterne Amir (Zekeria Ebrahimi) ist Paschtune und wird, im Wohlstand lebend, von seinem Vater wohlbehütet aufgezogen. Sein Spielkamerad Hassan (Ahmad Khan Mahmoodzada) dagegen ist ein Hazara, welche Volksgruppe in Afghanistan verachtet wird. Zusammen mit seinem Vater arbeitet er als Diener bei Amirs Familie. Obwohl Hassan, im Gegensatz zu Amir, der schon als Kind selbst Geschichten schreibt, nicht lesen kann, ist er sehr intelligent. Hassan ist sehr mutig und loyal – so würde er für Amir alles tun. Trotz der sozialen Unterschiede verbindet die beiden Jungen ein und dieselbe Leidenschaft – das Drachenfliegen: Amir lenkt den Drachen, und Hassan läuft ihm hinterher, Stunden verbringen die beiden so ihre Zeit, um für das „Drachenlaufspiel“ zu üben. Bei dem traditionellen afghanischen Drachenlauf handelt es sich um einen Wettbewerb zwischen den Kindern der Stadt Kabuls, dessen Ziel es ist den eigenen Drachen möglichst lange in der Luft zu halten und gegenüber den anderen Drachen zu verteidigen.

So kommt es, dass dieser bunte Drachen am Himmel Kabuls nicht nur als Hoffnungsträger für ein Land, eine ganze Generation, die der Kinder, sondern ebenso als Symbol für eine außergewöhnliche Freundschaft gilt.
Eben diese Freundschaft wird bei dem Drachenlauf auf die Probe gestellt: Als Hassan den Drachen zurückholen möchte wird er angegriffen. Auf keinen Fall will er den Drachen verlieren, so entscheidet er sich für Amir zu laufen, anstatt für seine Würde. Doch wird auch Amir den Drachen loslassen, um für Hassan zu laufen? Oder ist Hassan für Amir eben doch nur ein Haustier statt ein Freund?

Ein Film, der die Werte Vertrauen und Verrat, ebenso wie Mut und Feigheit thematisiert. Ein Film, dem es gelingt, anhand der Geschichte zweier Einzelschicksale die Angst und die Hoffnung, die Gefühle, eines ganzes Landes darzustellen. In einem Land, in dem mittlerweile alles zerstört ist und nichts mehr ist wie es ein Mal war. In einem Land, in dem man sich nichts mehr wünscht, als dass die Kinder wieder hinter einem bunten Papierdrachen herrennen, anstatt durch Schutt und Asche vor den Taliban wegrennen zu müssen.



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Drachenläufer
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Über den Autor

Eine Antwort

  1. Marco Behringer

    Marc Forsters Regie hat mir bei „Stay“ und „Wenn Träume fliegen lernen“ gut gefallen. Deshalb war meine Erwartung an seine Literaturadaption (zu?) hoch.

    Der Film hat insgesamt durchaus einen positiven Eindruck bei mir hinterlassen. Aber manche Figuren waren meines Erachtens doch zu stark schabloniert und stereotypisiert, was allerdings auch auf die Vorlage zurückgehen kann, die ich nicht gelesen habe.

    Außerdem wird das Problem der Misshandlung nicht eingehend bearbeitet, sondern nur oberflächlich angekratzt, wodurch der Zuschauer damit alleine zurückgelassen wird. Natürlich kann sich jeder auch eine eigene Meinung bilden. Aber wozu wird das Thema dann überhaupt erst angerissen?

    Zudem haben die Dialoge der Kinder für meinen Geschmack zu gestelzt gewirkt, was auch wieder auf die Vorlage zurückgehen kann, aber nichtsdestotrotzt unnatürlich wirkt. Die Kinder, die begeister Drachen steigen lassen sprechen mir einfach zu „erwachsen“, d.h. selbstreflektiert und reif. Das passt einfach nicht zusammen.

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