(„Fair Game“ directed by Doug Liman, 2010)

Nein. Bei Fair Game handelt es sich nicht um ein Remake des gleichnamigen Action-Thriller (1995) von Andrew Sipes (mit William Baldwin und Cindy Crawford). Hier handelt es sich um einen unabhängigen Polit-Thriller vom Regisseur Doug Liman, der sich mit Spionage-Filme wie die Bourne-Trilogie und Mr. & Mrs. Smith einen Namen gemacht hat. Nun hat er sich dem Genre auf realistische Weise genähert, indem er die fesselnde Geschichte der EX-CIA-Agentin Valerie Plames-Wilson verfilmt hat.

Valerie Plames (Naomi Watts) Leben könnte nicht perfekter sein: Sie ist glücklich verheiratet mit Joe (Sean Penn), hat zwei entzückende Kinder und einen sicheren Job bei einer US-Behörde. Nicht einmal ihre engsten Freunde ahnen, dass Valerie ein Doppelleben als hochrangige CIA-Agentin führt. Bei einem Undercover-Einsatz deckt sie gemeinsam mit Ihrem Ehemann eine brisante Propagandalüge der Bush-Regierung auf. Bestürzt folgt Joe seinem Gewissen und veröffentlicht die Erkenntnisse. Die Folgen sind fatal: Valerie wird durch eine gezielte Indiskretion enttarnt, ihre Ehe droht zu zerbrechen, und sie gerät ins Kreuzfeuer aufgebrachter Medien und gefährlicher Terroristen.

Der spannend erzählte Polit-Thriller dreht sich um die Lüge der Bush-Administration im Zusammenhang ihrer Legitimation des Irak-Feldzugs aufgrund der Annahme, dass der ehemalige Diktator Sadam Hussein den Bau von nuklearen Massenvernichtungswaffen plant. Fair Game erzählt der alten Kampf von David gegen Goliath, wenn das Wilson-Ehepaar gegen das Weiße Haus mobil macht und sich auch nicht durch eine Verleumdungskampagne unterkriegen lässt. So ist es auch ein Film über Wahrheit und Macht beziehungsweise über den Konflikt, der durch einen Zusammenprall dieser beiden Prämissen entstehen kann. Der Bürger lehnt sich gegen die Obrigkeit auf und hat dabei nichts weiter als sein Wort, die Wahrheit.

Fair Game funktioniert deshalb als spannender Polit-Thriller, weil die Drehbuchautoren Jez und John-Henry Butterworth eine reine Nacherzählung der authentischen Geschichte der Wilsons vermieden haben. Sie erzählten die ganze Komplexität der Story und entkleiden dabei das romantisierte und Gadget-belastete Spionage-Genre, indem sie schildern, was passiert, wenn der Geheimagent nach Hause, zur Familie kommt.

Mit Sean Penn und Naomi Watts haben die Produzenten alles richtig gemacht. Penn spielt seinen Charakter, der an seine Rollen aus Die Dolmetscherin und Milk erinnert: Er mimt den Kämpferischen und Unbeugsamen. Auch Watts verkörpert eine Kämpfernatur, die aber gleichzeitig auch einfühlsame Seiten aufweist, wodurch sie an ihre Rollen aus 21 Gramm (auch mit Penn) und Stay anknüpft.

Schnelle Schnitte, viele Ortswechsel und eine mobile und aktive Kameraführung, die meist ganz nah an den Schauspielern das Geschehen einfängt, sorgen für ein dynamisches Erzähltempo und die nötige Spannung, um dieses anspruchsvolle Thema auch unterhaltsam zu gestalten.

Als Extras sind in der DVD ein Audiokommentar mit Valerie Plame-Wilson und Joe Wilson enthalten. Die beiden kommen auch im Making Of sowie in den Interviews zu Wort. Die Ex-CIA-Agentin war beim Dreh auch als Beraterin beteiligt, um die Story möglichst authentisch zu halten. Weitere Interviews gibt es mit Watts und dem Regisseur. Im B-Roll kann die Atmosphäre beim Dreh nachempfinden und gibt es noch die obligatorischen Trailer und TV-Spots.

Fair Game
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Fair Game
In 104 Minuten Laufzeit schafft Fair Game vorzüglich den Spagat zwischen Unterhaltung und Anspruch. Die Post-9/11-Ära der Bush-Administration wird noch einmal aufgekocht und unbekannte Seiten treten dabei noch einmal hervor. Gleichzeitig ist Fair Game aber auch ein universeller Film über die Möglichkeiten des Bürgers in einer Demokratie: durch den öffentlichen Diskurs kann er jederzeit seine Stimme erheben.
8von 10

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