(„Cool Hand Luke“, directed by Stuart Rosenberg, 1967)

„What we got here is… failure to communicate.”

Regisseur Stuart Rosenberg hatte eine Schwäche für Außenseiter, für Antihelden in seinen Filmen, die Schwierigkeiten haben, akzeptiert zu werden, bevor sie sich Respekt verdienen. Das ist nicht nur Robert Redford in Brubaker, Charles Bronson in Ein Mann räumt auf, sondern vor Allem Paul Newman in Cool Hand Luke, dem besten, weil reifsten Film des 2007 verstorbenen Filmemachers, der George Kennedy einen Oscar als bester Nebendarsteller einbrachte und der auf einem Roman von Donn Pearce basiert. Die Rechte an besagten Roman kaufte man dem Autor für eine geringe Gebühr ab und drehte einen der großen Gefängnis-Klassiker, nachdem man Monate damit zugebracht hatte, die richtigen Schauspieler zusammenzustellen, denn diese Gruppe, die ihr Dasein in einem kleinen Gefängnis verbringt, besteht aus Individuen, die alle nach Gesichtern und genügend Raum zur Entfaltung verlangten.

Zu dieser hervorragenden Besetzungsliste gehören Dennis Hopper, der hier kein einziges Wort spricht und nur Gebete vor seinem Bett murmelt, Ralph Waite, der den Fernsehzuschauern der 70er als Vater Walton bekannt sein dürfte und Lou Antonio, der mittlerweile ein gefragter Regisseur für amerikanische Fernsehserien geworden ist. Paul Newman, damals bereits einer der größten Filmstars, spielt Luke, einen ehemaligen Soldaten, der Ehrungen für seinen Einsatz im Krieg sammeln konnte. Aus dem Krieg entlassen in eine Welt, die ihm fremd geworden ist, weiß er nichts mit sich anzufangen und ist unfähig, seinen Platz in dieser Gesellschaft zu finden. Eines Abends betrinkt er sich und demoliert Parkuhren. Ein Akt der Verzweiflung, der ihm teuer zu stehen kommt, denn er wird aufgrund der Beschädigung fremden Eigentums zu einer Haftstrafe von zwei Jahren verurteilt, eine Zeit, die er in einem kleinen Gefängnis im Süden der Vereinigten Staaten absitzen muss, zusammen mit 49 weiteren Gefangenen.

Die Insassen dieses Knasts verbringen die Werktage damit, auf Feldern zu arbeiten oder anderen Beschäftigungen nachzugehen, die man von ihnen verlangt. Die Temperaturen sind hoch – ebenso die Luftfeuchtigkeit. Das Klima ist nicht angenehm für anstrengende Arbeiten unter der stechenden Sonne, doch entgegen aller Erwartungen und Wetten hält Luke die schwere Arbeit durch. Freunde macht er sich dort anfangs nicht, denn er steht außerhalb der „Gang“, die von Dragline (Kennedy) geführt wird. Doch je mehr Zeit verstreicht und je besser die Anderen Luke einschätzen können, desto mehr Respekt und Sympathie empfinden sie für diesen Draufgänger, der unwillig ist, sich anzupassen. Den Wärtern Kummer bereitend, verfolgt er stets das Ziel, mit dem Kopf durch die Wand zu rennen, doch mehr als einmal scheint es so, als würde er sein Haupt bei dieser Aktion verletzen.

Wenn Filme über eine Gruppe von Menschen, die zusammenfinden, scheitern, dann geschieht dies meistens aus dem Grund, dass man ihrer Charakterentwicklung und ihren Persönlichkeiten nicht genug Raum und Tiefe eingestand. Die große Stärke von Stuart Rosenbergs Film ist es, dass er diesen Fehler nicht begeht und jedem Charakter, sei er letztendlich vielleicht noch so unwichtig, Raum zur Entfaltung gibt und nicht einmal Worte benötigt, um dem Zuschauer alles über den Charakter und die Motivationen einer Person zu sagen. Als bestes Beispiel funktioniert hier vielleicht die Figur der jungen blonden Frau, die vor den Sträflingen auftaucht, gespielt von einer verführerischen Joy Harmon. Während die Männer in der knallenden Sonne ihrer schweren Arbeit nachgehen, macht sich das Mädchen daran, in einem eng anliegenden Kleid ihr Auto zu waschen und was der Zuschauer zunächst nur oberflächlich sieht, ist eine erotische Sequenz, die den Gefängnis-Insassen das Blut stauen lässt.

Unter dieser Oberfläche erfährt man jedoch alles über diese Charaktere, ohne das in diesem Fall komplexe psychologische Metaphern angewendet werden müssen und der Film stets bescheiden bleibt. Man weiß genau, welches Ziel dieses Mädchen verfolgt, das sich ihrer Reize bewusst ist und die Männer wahnsinnig machen will. Sie ist eine Femme Fatale, die rücksichtslos mit ihren Mitmenschen umgeht und von sich überzeugt ist, während gleichzeitig auf diese Art und Weise die gescheiterte Existenz der Sträflinge vor Augen geführt werden. Mit Hilfe dieses Symbols der sirenenhaften Blondine werden die Leiden und Qualen der Insassen deutlich – deutlicher mit dem Lockruf einer verführerischen Frau, als es mit Schlägen oder anderer Folter je möglich wäre.

Paul Newman erfüllt hierbei die Funktion des Stehaufmännchens, keine klischeehaft überzeichnete Figur, sondern ein Charakter mit tiefen Emotionen, der bereit ist zu kämpfen und gar nicht anders kann, als für seine Ideale einzustehen. Obwohl er weiß, dass er bei einem Boxkampf mit Dragline kaum noch eine Chance hat, steht er nach jedem Schlag des Gegners wieder auf und schließlich ist es diese fast an Lächerlichkeit grenzende Absurdität, die ihm den Respekt seiner Mitgefangenen einbringt. Die Helden sind die Gefangenen, nicht die Wärter oder der Gefängnisdirektor und man interessiert sich für ihre Emotionen, sodass man nicht etwa versucht hat, einen vor Testosteron triefenden Männerfilm zu drehen, sondern eine berührende Charakterstudie über den Kampf für seine Ideale, um Respekt, Loyalität und Gerechtigkeit.

Der Unbeugsame ist wie erwähnt, kein philosophische Studie, die viel Raum für Interpretationen bietet, doch er vermag auf eindrucksvolle Weise eine packende und berührende Geschichte zu erzählen, die den Zuschauer mit den Akteuren verbindet. Einen großen Anteil an dieser Wirkung hat die Kameraarbeit von Conrad Hall, der nicht nur schöne Sonnenuntergänge auf Zelluloid bannt, sondern auch symbolträchtige Bilder wie das Newmans, der nach einem Wettessen auf dem Tisch liegt, bewegungslos in einer Pose wie der ans Kreuz geschlagene Jesus. Er ist offiziell geadelt worden, nachdem er es geschafft hat, innerhalb von einer Stunde 50 Eier zu essen. Stuart Rosenberg war als Geschichtenerzähler nie besser als hier.

Der Unbeugsame
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