What is eigentlich going on mit German Filmverleihern, könnte man sich so asken, if man das Poster zum new movie by Florian Donnersmarck sieht. Donnersmarck wird glücklich sein, ein Bein nach Hollywood bekommen zu haben – wohl aber weniger glücklich über die verheerenden Kritiken, die sein Film verursacht hat. Es geht übrigens um The Tourist mit Johnny Depp und Angelina Jolie. Es ist wahrscheinlich eine Wohltat für dieses Werk, mal nicht Gegenstand einer vernichtenden Rezension zu sein, sondern Ausgangspunkt über eine Kolumne, eine Reflexion über die derzeitigen Zustände im deutschen Kinogeschäft.

So schön das Plakat zu Donnersmarcks Actionreißer auch sein mag, eines verwundert nichtsdestotrotz: der Titel. Es ist bereits seit einigen Jahren zu beobachten, dass man sich in Deutschland nicht mehr die Mühe macht, einen englischen bzw. amerikanischen Originaltitel ins Deutsche zu übersetzen und den Film auf diese Weise zu vermarkten. Stattdessen belässt man es beim Originaltitel und provoziert peinliche Momente, wenn der sprachbegabte Enkel seinen Großeltern klarmachen möchte, dass er in The Social Network möchte. The Tourist führt nun diese Diskussion ad absurdum. Warum – und viele haben es längst aufgegeben, diese Frage zu stellen – übersetzt man den Satzpartikel „The“ nicht? Natürlich ist das eine Kleinigkeit und natürlich hat die Welt derzeit mit größeren Problemen zu kämpfen, doch eine Kolumne ist auch nicht dazu gedacht, die Hungerprobleme in Afrika zu lösen. Seien sie ehrlich: ist es ihnen schon aufgefallen, wie übersetzungsfaul deutsche Filmverleihe geworden sind? Nicht, dass ich es anders erwartet hätte, dass aktuelle Blockbuster noch einen deutschen Titel bekommen, aber überrascht war ich trotzdem, als ich The Tourist an der hiesigen Kinoaußenwand prangen sah.

Wenn Sie eine Antwort darauf erwarten, warum man den Film für die deutschen Vorführungen nicht Der Touris“ genannt hat, kann ich sie gleich warnen: sie brauchen gar nicht weiterlesen. Ich weiß es nicht. Auch das Stichwort „Globalisierung“ scheint in diesem Fall ein lächerlicher Grund. Man mag das Benehmen der Vertreiber verstehen im Fall von The Social Network. Wie viel wurde bereits Monate vor deutschem Kinostart über den Streifen spekuliert, sodass internetbegeisterten Jugendlichen der amerikanische Titel immer präsent war. Wahrscheinlich wären sie verwirrt gewesen, wenn das eingeprägte Social Network plötzlich als „soziales Netzwerk“ im Kino angelaufen wäre. Man hätte es im Programmplan wohl gar nicht erst gefunden!

Aber The Tourist? Man weiß es nicht. Andererseits kann man froh sein, dass man sich nicht den Scherz gemacht hat, den amerikanischen Originaltitel umzuwandeln – in einen anderen amerikanischen Titel. Für den deutschen Kinostart wohlgemerkt. Derartiges gab es nämlich auch schon, wie etwa im Fall von Something to Talk About von 1995 mit Julia Roberts. Den nannte man nämlich in Deutschland Power of Love. Wir sollten uns daher glücklich schätzen, dass aus The Tourist nicht Diebe und Spione in Italien oder Heiße Miezen am Mittelmeer“geworden ist – mit solchen fürchterlichen Titeln hätte man den Film wahrscheinlich in den 60er Jahren noch verschandelt. Eine Zeit, in der es üblich war, sich die absurdesten und peinlichsten Filmtitel aus dem Daumen zu lutschen. Spontan fiele mir noch der Titel für einen Western aus den 70ern ein: Einen vor den Latz geknallt (kein Scherz). Wenn ich an so etwas denke, bin ich eigentlich über The Tourist ganz froh.

Changing Times and Titles [Special]
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4 Responses

  1. Dr. Borstel

    Ist mir aufgefallen, ja. Finde ich aber sehr viel besser als die grauenhaften deutschen Titel, die sich Verleihe bis heute aus den Fingern saugen. Da ich Filme ohnehin lieber im Original sehe, bevorzuge ich auch die Originaltitel. Man würde doch auch der CD einer amerikanischen Band für den deutschen Vertrieb keinen anderen Titel verpassen.

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  2. Stephan Eicke

    Ja, apropos Original, da wären wir bei dem Thema, dass sowieso mehr amerikanische Filme in der Originalsprache im Fernsehen gezeigt werden sollten oder in den Kinos an vielleicht einem Tag in der Woche amerikanische Filme unsynchronisiert gezeigt werden sollten… Idee für eine neue Kolumne! 😉

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  3. Ciprian David

    Diese Akrobatien der Übersetzung sind wahscheinlich das aussagekräftigste in der Affaire. The Tourist und The Social Network sind gerade gute Beispiele für eine gewisse Universalität der Englischen Sprache. Naja, in einer Welt wo ein genügend großer Teil der Bewölkerung über social networking redet, dies nicht mehr übersetz, da ist es naheliegend, dass der Titel in OV bleibt. Außerdem scheint es oft in Verbindung mit Starbesetzung oder Crew zusammenzuhängen, denn diese sind ja schließlich die Menschen die das Glamour auf der Leinwand, ins Haus und vor allem „in unseren Seelen“ bringen – und Glamour geht doch verloren in der Übersetzung.

    Irritierend sind aber vor allem Phänomene wie Avatar, wo der Deutsche Ausflug nach Pandora ein vielleicht irreführendes Mehrwert konstituieren.

    Am offensichtlichsten kommt es dann zusammen in Titel wie „Burlesk“ <- aber da heisst der Club so, ist als berechtigt, wo, wie ich höre, der Film auf Deutsch umgedeutet ist und das gesungene auf Englisch bleibt.

    Zu den OVs in deutschen Kinos, es gibt Gruppe(n) die dafür militieren.

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