(„The Woman in the Window“, directed by Fritz Lang, 1944)

In den 40er Jahren gab es noch exklusive Clubs für wohlhabende Männer, zu denen Frauen keinen Zutritt hatten. Es wurde dort gegessen, getrunken, geraucht, man traf sich mit Freunden zu einem abendlichen Plausch nach einem anstrengenden Arbeitstag – so wie Professor Richard Wanley (Edward G. Robinson), für den es ein Vergnügen ist, sich mit seinen Freunden, einem Staatsanwalt und einem Arzt, in einem solchen Club auszutauschen. An einem Abend, als Wanleys Frau und Kinder in den Urlaub fahren, wird Wanley Opfer kleiner Scherze seiner Freunde, die ihn dabei ertappen, wie der Professor gedankenverloren vor einem Schaufenster steht, in welchem das Porträt einer attraktiven jungen Frau ausgestellt ist.

Für Wanley ist es wenig später Genugtuung, dass ihm eben diese Frau (Joan Bennett), die porträtiert wurde, auf der Straße begegnet und ihn dazu überredet, sie nach Hause zu begleiten. Diese Begegnung hat für den Professor jedoch Folgen, denn in der Wohnung der geheimnisvollen Schönen taucht plötzlich ihr Liebhaber auf, der außer sich vor Wut ist über den unbekannten Besucher. Es kommt zu einem Handgemenge, in dessen Verlauf Wanley und die Dame den Wüterich in Notwehr umbringen. Nach einer anfänglichen Diskussion beschließen sie, nicht die Polizei zu informieren. Wanley schafft die Leiche mitten in der Nacht in seinem Auto fort und wirft sie in ein entlegenes Waldstück.

Beide Täter sind sich sicher, nicht mit dem Verbrechen in Verbindung gebracht zu werden, doch ihre Hoffnung wird bald getrübt, denn bereits einen Tag später erfährt Wanley von seinem Freund, dem Staatsanwalt, dass ein Mann, auf den die Beschreibung passt, vermisst gemeldet wurde. Nachdem die Leiche schließlich gefunden wird, wird der Professor über jeden Schritt der Polizei durch seinen Freund auf dem Laufenden gehalten und läuft dabei stets Gefahr, etwas Falsches zu sagen und sich zu verraten. Doch dies ist bei Weitem nicht das einzige Problem für ihn, denn bald taucht auch noch ein Erpresser auf…

Das Letzte was man dem Film von Regielegende Fritz Lang vorwerfen kann ist, dass er vorhersehbar sei. Durch immer neue Erkenntnisse, Wendungen und immer währende Fragen, wann, ob oder wie sich Wanley verraten wird, halten die Spannung bis zum bitteren Ende aufrecht. Es ist ein ganz offensichtliches Katz- und Maus-Spiel mit Edward G. Robinson als sympathischen Mann in der Midlife-Crisis, für den das Leben eine gespenstische Wendung nimmt, sodass er nun jede Sekunde um seine Freiheit fürchten muss. Der Film projiziert genau diese Angst der Charaktere – Robinson und Bennett – in dem Fritz Lang wie ein Voyeur ihre Gesichtszüge beobachtet und so das Innenleben der Figuren widerspiegelt.

Durch diese geschickten Einstellungen entwickelt sich ein Gefühl der Beklemmung, da nicht nur die Figuren als solche uns realistisch vorkommen mit all ihren Problemen und Ängsten, sondern auch weil man von Beginn an auf der Seite der Verbrecher steht sowie für sie Partei ergreift. Robinson als Professor Wanley ist derart sympathisch, dass man sich stets wünscht, er käme mit dem in Notwehr begangenen Verbrechen davon. Zum atemberaubenden Klimax steigert sich diese Komplizenschaft im Finale, das zu den stärksten und spannendsten Szenen des Film-Noir Genes gezählt werden kann.

Dass dieser Film eher ein augenzwinkerndes Spiel um Illusionen und Wirklichkeit ist, was primär das Ziel verfolgt, den Zuschauer an der Nase herumzuführen, beweist das Ende, welches man – um nicht zu viel zu verraten – zweifellos nicht schnell vergessen wird. Sei es nun, weil man sich darüber aus Enttäuschung ärgert oder weil es so gut zum Gesamtkonzept passt, das diesen Film zu einem höchst unterhaltsamen und vor allem spannenden Krimi macht, der vielleicht nicht zu den stärksten Werken Fritz Langs gehört, da filmisch eher routiniert gemacht, aber mit genügend Details aufwarten kann, damit man sich nicht eine Sekunde langweilt.

Dieser Film ist bislang (Stand Dezember 2010) in Deutschland noch nicht auf DVD erschienen.

Gefährliche Begegnung
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Gefährliche Begegnung
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