(„Snowman‘s Land“ directed by Thomasz Thomson, 2010)

Candide zum Kinobesuch

Warum müssen Profikiller eigentlich immer so aalglatt sein, einen speziellen Stil pflegen und sich in irgendwelchen Großstädten rumtreiben?
 Nach seinem Regiedebüt Stiller Sturm vor fast zehn Jahren brachte Thomasz Thomson mit Snowman‘s Land einen wirklich außergewöhnlichen Streifen in die Kinos der diese Fragen recht humorvoll beantwortet, sich dabei aber keineswegs in irgendwelche Genreschubalde stecken lässt.

Walter (Jürgen Rißmann) hat es verkackt. Nachdem er den falschen Mann erledigt hat, schickt ihm sein skurriler Boss (Detlef Bothe) mitten in eine winterliche Einöde um dort den Mafioso Berger (Reiner Schöne) unter die Arme zu greifen der sich der wenigen aber dafür lästigen Einheimischen entledigen möchte. Walter ist von Profession Auftragskiller, dessen Äußerliches allerdings eher dem Klischee eines Hartz-IV-Empfängers gleichkommt und nicht gerade den Eindruck eines gemeingefährlichen und eiskalten Mörders vermittelt.
Im Nirgendwo angekommen trifft er auf Micky (Thomas Wodianka) der ebenfalls für den berüchtigten und eigentlich totgeglaubten Berger arbeiten soll.Ihr Auftraggeber scheint zunächst aber gar nicht zu Hause zu sein, es ist vielmehr Bergers hübsche Freundin und Drogendesignerin Sibylle (Eva-Katrin Hermann), die ihnen die Tür zum riesigen, stillgelegten Hotel öffnet in dem das Paar nun wohnt. Als sich schließlich auch noch sie verabschiedet um auf eine kilometerweit entferne Party zu fahren, habe Micky und Walter erstmal genügend Zeit das riesige und voller Kuriositäten steckende Haus zu erkunden.

Dieses im Grunde genommen minimale Set, die wenigen Schauspieler, deren Dialoge und die Art und Weise wie Thomson seinen Film vorantreibt, erinnert stark an  Quentin Tarantinos Erstlingswerk Resevoir Dogs. Nicht zuletzt weil gleich zu Beginn dann sogar die für Tarantino so typische Perspektive aus dem Kofferraum vorkommt, musste ich etwas schmunzeln. Doch es wäre nicht gerecht wenn man Snowman‘s Land nur als billiges Imitat abstempeln würde, denn der Film ist alles andere als unoriginell. Diese so völlig absurd wirkenden Figuren im schneebedeckten Wald in einer reichlich dekadent wirkende Hotelvilla und dazu die wirklich ungewöhnliche, aber hervorragende, musikalische Untermalung von Luke Lalonde, verleihen dem Ganzen ein ganz besonderes Flair.

Auf irgendwelche Actioneinlagen wird praktisch komplett verzichtet, der Grundtenor bleibt dank der guten Darsteller immer herrlich komisch, was die insgesamt 95 Minuten Laufzeit wie im Nu vergehen lässt und für ein locker-leichtes Filmerlebnis sorgt. Es gefällt vor allem Wodianka wobei aber viele Gags ohne seinen kongenialen und wortkargen Partner Rißmann nicht wirklich funktionieren würden. Auch Reiner Schöne weiß als paranoider und arroganter Mafioso zu gefallen und spielt seine Figur genauso wie Kollege Wodianka höchst überzogen.

Der Streifen wirkt zuweilen als hätte er keinen roten Faden was der Unterhaltung aber kein en Abbruch tut. Man hat immer das Gefühl alle Beteiligten waren mit Herz und Seele am Projekt beteiligt und man wollte etwas schaffen das den Machern selbst gefällt. Wenn einmal nicht viel gesprochen wird, dann werden teils pittoreske Außenaufnahmen gezeigt, stets untermalt mit dem bereits erwähnten klasse Sound.

Ein Film den man sich also keinesfalls entgehen lassen sollte und, wie Micky sagen würde, sogar made in fucking Deutschland ist.

Candide zum Disc-Release

Das Resümee zum Film bleibt auch nach der Sichtung der DVD dasselbe. Ein wirklich gelungenes Stück deutsches Kino, das uns Tomasz Thomson da aufgetischt. Der trockene Humor gefällt genauso wie beim ersten Mal und die wunderbar, verschneiten Landschaftsstriche, die allesamt im Schwarzwald aufgenommen wurden, sind einfach nur herrlich anzusehen.

Bei den Extras darf man sich auf ein gelungenes ca. 20 Minuten Making Of freuen, das zu einem lustigen Blick hinter die Kulissen einlädt. Nicht nur Regisseur sondern auch Kameramann Ralf Mendle kommen hier ausgiebig zu Wort und erzählen über die finanziellen sowie technischen Probleme.

Leider hat es der Streifen nicht als Blu Ray in den Handel geschafft und auch die DVD muss sich den Marketingstrategen beugen, auf dem Cover prangt nämlich der unschöne Schriftzug „Junges Deutsches Kino 3“.
Ansonsten gibt es aber nichts zu meckern. Neben dem Wendecover bietet die Scheibe gute Bild- und Tonqualität und ein schlichtes Menü.

Snowman’s Land ist seit 4. März auf DVD erhältlich

Snowman’s Land
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