(„Indio Black, sai che ti dico: Sei un gran figlio di…“ directed by Gianfranco Parolini, 1971)

Adios SabataEs ist mal wieder unfassbar, wie im deutschen Sprachraum der Titel abgewandelt wurde. Zugunsten der Rentabilität wurde genau wie beim US-Release kurzerhand der Name des Hauptdarstellers mit Sabata ersetzt. Das Ganze geht sogar soweit, dass der Film als Trilogie mit den eigentlichen Sabata-Filmen „Ehi amico… c’è Sabata, hai chiuso!“ und dessen Sequel „È tornato Sabata… hai chiuso un’altra volta“ mit Lee Van Cleef in der Hauptrolle, verkauft wird. Zwar stammen die Filme auch von Gianfranco Parolini, diesmal übrigens in den Credits zu finden als Frank Kramer, doch tut dies nichts zur Sache. Yul Brynner nennt sich im Original Indio Black doch leider musste ich auf das deutsche MGM-Release zurückgreifen und konnte deshalb den Film nicht im O-Ton gucken.
Mal abgesehen von dieser Verfälschung bietet der ca. 100 Minuten lange Spaghetti-Western gewohnte Genre-Kost. Ich habe leider noch nicht den Sartana oder den bereits zitierten Sabata von Parolini sehen können, mir fehlt deshalb auch der Vergleich zu seinen Western. Schenkt man allerdings einschlägigen Internetseiten und Bewertungsportalen Glauben, so sollten sie etwas besser als „Adios Sabata“ sein.
Angesiedelt zur Zeit der mexikanischen Revolution, kämpfen tapfere Indio-Bauern diesmal gegen die österreichischen Besetzer. Unter dem Banner von Kaiser Maximilian soll Oberst Skimmel (Gérard Herter) sicher und baldmöglichst das geförderte Gold zurück nach Europa schicken. Die Revolutionäre sehen darin natürlich eine willkommene Beute, denn schließlich kostet der bewaffnete Aufstand jede Menge Geld.  Der mexikanischen Bauernarmee sollen der Gunslinger Sabata (Yul Brynner) und der Schönling Ballantine (Dean Reed) bei ihrem Unternehmen weiterhelfen. Der eher ungeschickte Rebellenanführer Escudo (Ignazio Spalla) hat zwar wackere Kämpfer wie den wortkargen Septiembre (Sal Borgese) oder den tödlichen Flamencotänzer Gitano (Joseph P. Persaud) an seiner Seite, doch die Amerikaner, vor allem Ballentine, wissen bestens über die Lagerung und Fortbewegung des Goldschatzes bescheid.
Am Tag des Raubüberfalls, kommen ihnen jedoch andere Guerilleros zuvor: versteckt hinter den Hängen des Canyons erleben die Männer von Escudo ein Blutbad bei dem niemand überlebt. Schnell stellt sich heraus, dass die gescheiterten Diebe eigentlich nur verkleidete Österreicher waren, doch den Mexikanern könnte das nicht gleichgültiger sein, denn schließlich glaubt man das Gold sozusagen umsonst und ohne Mühe bekommen zu haben. Sabata wittert allerdings einen Hinterhalt und er wird recht behalten. In den angeblichen Geldsäcken befindet sich nämlich nur Sand, das echte Gold scheint sich Oberst Skimmel unter den Nagel gerissen zu haben…
Wie ich von Parolini bereits gewohnt war, erwartete mich ein toller Unterhaltungsfilm mit Humor und teils schrägen Ideen. Das vergoldete, abgeschnittene und mit Spezialmunition ausgestatte Gewehr von Yul Brynner stellt dabei sicherlich das Highlight dar. Die Modifikation erlaubt dem Revolverhelden nicht nur eine hohe Anzahl von Schüssen in kürzester Zeit abzufeuern, sondern in der letzten Kammer befindet sich zusätzlich eine Zigarre die sich Sabata – nachdem das Magazin leer geschossen wurde – gemütlich anzündet. Unnötig ist es wohl zu erwähnen, dass er immer gerade soviel Schüsse wie benötigt geladen hat. Ein guter Schütze weis eben wie er die Kugeln zu verteilen hat damit am Ende die verdiente Zigarre übrigbleibt.
Yul Brynner spielt wie immer lässig und gekonnt. Auch wenn er nicht unbedingt einer meiner Lieblings-Pisolteros ist, macht er eine gute Figur. Der Originalname Indio Black passt m.E. übrigens besser zu Brynners Lack und Leder-Kleidung, die ihm im Vergleich mit Outlaws von Leone oder Corbucci wie einen Möchtegerncowboy aussehen lässt.
Die Musik stammt von Bruno Nicolai. Er streut öfters ein sehr klassisches Theme ein, das zwar nichts Besonders darstellt, aber durchaus passend klingt. Die Drehorte, die wie so oft Spanien und die Cinecittà waren, wurden teilweise sehr schön eingefangen, Parolini legt seine Schwerpunkte aber deutlich auf die Action. In einer Szene wird zwar sogar kurz über die Sinnhaftigkeit der Revolution paraphrasiert aber der Rest des Streifens lässt diesen Dialog schneller vergessen als Sabata ziehen kann.
Für mich ein Spaghetti-Western der leicht über dem Durchschnitt steht und mit einer netten, unterhaltsamen Story samt Standard-Charakteren aufwartet. Am Interessantesten fand ich allerdings die Tatsache dass Parolini sich entschieden hat die Habsburger als Bösewichte zu verwenden. Für einen Western doch recht ungewöhnlich wie ich finde (und soweit mein Wissenstand reicht).

Adios Sabata
4.2 (84%) 10 Artikel bewerten

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2 Responses

  1. Parker

    Nettes Review, man erkennt die liebe zum Genre 😉

    Beim lesen musste ich schmunzeln, vor allem über dir Zigarrengeschichte.
    Darf ich fragen wie die Habsburger dargestellt wurden. Wahrscheinlich wie ein Haufen dummer Weicheier 😉

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  2. Candide

    Nein eigentlich nicht. Sie werden eben wie die Badboys die gerade Dienst haben dargestellt. Die Uniformen sind dabei sehr auffällig aber sorgfältig nachgebildet. Die deutsche Synchronisation gibt einigen Charakteren sogar einen Wiener-Dialekt 😉
    Der Oberst ist ein gewieftes Schlitzohr der den Kaiser bescheißen will, natürlich mit obligatorischen „Über-Schnurrbart“ 😛

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