(„Eden“, directed by Michael Hofmann, 2006)

EdenZugegeben, auch ich wurde durch den Namen von Charlotte Roche auf diesen Film aufmerksam. Doch gehöre ich immerhin zu dem Teil der Bevölkerung, die nicht erst durch ihr Buch Feuchtgebiete auf diese vielseitige Person aufmerksam geworden sind. Ihre schauspielerischen Fähigkeiten waren mir bislang jedoch noch nicht bekannt und so bot sich Eden an, um auch diese Facette kennenzulernen.
Die erzählte Geschichte dreht sich um die junge Frau Eden (Charlotte Roche), die zusammen mit ihrem Mann Xaver (Devid Striesow) und ihrer am Down-Syndrom erkrankten Tochter Leonie (Leonie Stepp) ein Haus in einem ruhigen Kurort bewohnen. Beide arbeiten im zur Familie gehörenden Kurbetrieb: Während Eden als Bedienung tätig ist, arbeitet Xaver als Animateur und bringt älteren Damen und Herren während ihres Aufenthalts Tanzschritte u.ä. bei. Ursprünglich wollte Xaver allerdings Anwalt werden, ist daran jedoch gescheitert. Doch ist Xaver nicht nur aus diesem Grund unzufrieden, auch die Behinderung seiner Tochter belastet ihn. Sein einziger Ausgleich davon ist jede Woche der feuchtfröhliche Besuch eines Striplokals mit seinen Freunden.
Vom Geschäft mit den Kurgästen lebt auch Gregor (Josef Ostendorf), ein in sich zurückgezogener und auf seinen Beruf fixierter Koch. Sein Restaurant besitzt nur drei Tische, doch ist er auf Jahre ausgebucht und das, obwohl seine Menüs Preise im dreistelligen Bereich haben. Nur selten verlässt der alleine und nur mit seinem taubstummen Kellner lebende Mann seine Küche und beobachtet Frauen im Park. Dabei lernt er nun auch Eden mit ihrer Tochter Leonie kennen. Obwohl die beiden Erwachsenen auf den ersten Blick kaum zusammen passen schafft es die lebenslustige Eden den introvertierten und verschlossenen Gregor so weit zu erweichen, dass er einen Kuchen für Leonies Geburtstag backt. Während des Geburtstags stellen Eden und auch Leonie fest wie gut die Pralinen auf dem Kuchen schmecken und verfallen fast in einen rauschähnlichen Zustand.
Von diesem Zeitpunkt an besucht Eden, manchmal begleitet von Leonie, Gregor regelmäßig, jeden Dienstag. Da ihr Mann Xaver diesen Abend stets im Striplokal verbringt, bekommt er zunächst nichts von dieser ursprünglich rein kulinarischen Beziehung mit. Gregor kocht für Eden kostenlos großartige Menüs und es gibt keinen Dienstag, an dem Eden nicht von dem Menü begeistert ist. Von diesen Erfahrungen angeregt ist Eden auch zuhause ausgeglichener und sie erlebt zusammen mit Xaver eine seit Langem wieder schöne Zeit.
Dies ändert sich jedoch als Xaver von seinen Freunden von Edens wöchentlichen Besuchen erfährt. Obwohl auch er sich in seinem Restaurant von seinen außergewöhnlichen Kochkünsten überzeugen lassen kann und Eden erneut schwanger wird, was er schon lange ersehnt hat, ist er eifersüchtig auf Gregor. In der Tat, Gregor hat ein Bild von Eden in seiner Küche und vermutlich – so meine Interpretation – empfindet er auch etwas für Eden. Zumindest jedoch geht Gregors Beziehung zu Eden nie über Kochen und, zwar lustvolles, aber dennoch nur Essen hinaus. Trotzdem, eines Tages verschafft sich Xaver Zugang zu Gregors Weinkeller und verwüstet dessen einziges Kapita. Seine Bank verleiht im daraufhin keinen Kredit mehr und so muss er sein Restaurant schließen. Xaver hat den einzigen Lebensinhalt desjenigen Menschen zerstört, der für sein derzeitiges Glück verantwortlich ist. Am Ende spitzt sich die Situation derart zu, dass es nicht bei zerstörten Weinflaschen bleibt.
Für die meisten der am Anfang erwähnten Menschen, die Charlotte Roche nur von ihrem populären Buch Feuchtgebiete kennen, wird dieser Film eine herbe Enttäuschung sein, bestätigt sich das um diese Frau gebildete Klischee doch in keiner Weise. Zumindest könnte ihre Rolle als Eden kaum weiter davon entfernt sein.
Die Tatsache, dass ich Charlotte Roche zuvor noch nie als Schauspielerin wahrgenommen habe, liegt vielleicht auch daran, dass mich ihre Künste in diesem 103-minütigen Film nicht überzeugen konnten. Künste trifft es dabei ziemlich gut, denn auf mich wirkte ihr Spiel zu künstlich, es zeigte sich zu oft die Schauspielerin Charlotte und nicht der Charakter Eden (Andererseits und zu ihrer Verteidigung: Vielleicht fällt es ihr gerade deshalb so schwer als Charakter zu überzeugen, weil ich sie von so vielen verschiedenen anderen Aktivitäten kenne. Das ist bei „reinen“ SchauspielerInnen ja nicht der Fall.). Wer hingegen sehr überzeugte war Josef Ostendorf, der nicht nur mit seinem Körperbau perfekt in die Rolle des schüchternen Kochs schlüpft. Gerade durch die wenigen Worte, die er äußert, gewinnt seine Mimik an Aussagekraft, was dem Charakter wiederum eine interessante Tiefe verleiht. Nicht vergessen will ich aber auch Leonie Stepp, die, obwohl sie aufgrund ihres Alters wohl nicht bewusst als Schauspielerin agierte, wunderschöne Szenen geliefert hat.
Eden ist ein seltsamer Film. Die Handlung ist an sich nicht besonders aufregend, obwohl sie natürlich eine gewisse Tragik enthält, interessant war das Werk von Michael Hofmann für mich aber hauptsächlich durch die nicht ganz realistisch wirkende Atmosphäre: Die übertriebenen Gefühlszustände, die Gregors Essen auslöst. Dessen Restaurant, das seinen Gästen nur an drei kleinen Tischen Platz bietet. Und dann Gregor selbst, eine Person, die es vielleicht nur all zu oft gibt, die auf mich aber doch nicht ganz real wirkte. Vom sehr überraschenden Ende ganz zu schweigen! Doch es war nicht zuletzt diese ganz spezielle Atmosphäre, die dafür sorgten, dass ich mich während Eden nie gelangweilt habe. Ob Andere diese Atmosphäre auch so wahrnehmen kann ich aber natürlich nicht versprechen. (Ich freue mich aber derzeit ohnehin über jeden deutschssprachigen Film, der wie dieser nicht unter den Slogan „Junger Deutscher Film des 21. Jahrhunderts“ fällt.)

Eden
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