Kritik

„Muttertag“

„Muttertag“ // Deutschland-Start: 17. November 2006 (DVD)

Ein weiterer Film von Harald Sicheritz, der mich auf voller Länge überzeugen konnte. Der Österreicher versteht es einfach, satirische Situationen zu schaffen. Gekonnt setzt er seinen Cast aus zig Kabarettisten ein. In einer der Hauptrollen: wieder einmal Alfred Dorfer.

In 95 Minuten dreht sich alles um den, im deutschen Sprachraum, sehr wichtigen Muttertag. Vor allem eine Mutter, nämlich Trude Neugebauer (Andrea Händler), steht dabei im Mittelpunkt. In einem Wiener Wohnkomplex lebt sie mit ihrem pubertierenden Sohn Mischa (Alfred Dorfer), der sich mit seinen neuen, „coolen“ Kumpels über Pornos und Videospiele unterhält, dessen Vater und ihrem Mann Edwin (Reinhard Nowak), der eine Affäre mit dem „Fickfroscherl“ Evelyn Schöbinger (Eva Billisich) hat, und dem sichtlich senilen Opa Neugebauer (Roland Düringer). Trude hat es wirklich nicht leicht mit ihren drei Männern, doch am Muttertag soll sie – so wie es sich eben gehört – reichlich beschenkt und bekocht werden. Nur blöd, dass ausgerechnet an diesem Tag ihr Sohn bei der Polizei landet, die Affäre ihres Mannes kurz vor dem auffliegen ist, Opa die Ersparnisse der Familie dem WWF spendet und sie selbst als Ladendiebin und Mörderin von den Behörden gesucht wird. Als dann schließlich bei der Muttertags-Grillparty die Situation um Edwins Affäre eskaliert, kommt auch noch ein unerwarteter Todesfall zum angeblichen endlosen Familienpech hinzu…

Herrlich überzogen das ganze Spektakel, im Kern steckt jedoch einiges an Wahrheit. Satire eben. Sicheritz’ Ideen haben mir schon in Wanted gut gefallen, doch auch in diesem frühen Werk von ihm zeigte er ein Händchen für intelligente Kritik mit einer guten Portion Spaß, Ironie und Sarkasmus. Er zeigt, wie einer der wichtigsten Feiertage in Österreich mittlerweile lächerlich und albern geworden ist, aber vor allem, wie er verdinglicht wird. Es herrscht ein fast zwanghaftes Verhalten, die überteuerten Blumen an diesem Tag seiner „Mutter, Frau, Schwiegertochter, kurz Gattin“, zu schenken.

Credits

OT: „Muttertag“
Land: Österreich
Jahr: 1993
Regie: Harald Sicheritz
Drehbuch: Harald Sicheritz, Roland Düringer, Alfred Dorfer, Peter Berecz
Musik: Wiener Wunder
Kamera: Helmut Pirnat
Besetzung: Alfred Dorfer, Eva Billisich, Reinhard Nowak, Andrea Händler, Roland Düringer

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