Allegro Pastell
© Walker + Worm / Felix Pflieger

Allegro Pastell

Allegro Pastell
„Allegro Pastell“ // Deutschland-Start: 16. April 2026 (Kino)

Inhalt / Kritik

Als der Webdesigner Jerome Daimler (Jannis Niewöhner) die Autorin Tanja Arnheim (Sylvaine Faligant) sieht, ist er sofort von ihr fasziniert. Nicht nur, dass er sich ihren Roman von ihr signieren lässt, ohne es überhaupt gelesen zu haben. Die beiden haben auch kurze Zeit später Sex. Immer wieder werden sich die zwei in der Folgezeit sehen, wenn auch nicht so oft, wie es vielleicht wünschenswert wäre. Schließlich lebt sie in Berlin, er in dem Haus seiner Eltern in Hessen. Mehr als eine Fernbeziehung ist da nicht drin. Aber das ist ihnen insgeheim sogar ganz recht, da sie sich noch nicht wirklich festlegen wollen, sie wollen es etwas lockerer angehen. Doch mit der Zeit kommt es immer wieder zu Konflikten des Paares …

Eine etwas andere Liebesgeschichte

Liebesfilme gibt es nun wirklich nicht zu knapp. Die Tonalität kann dabei natürlich schwanken, romantische Geschichten sind sowohl im humoristischen wie ernsten Umfeld üblich. Selbst Kombinationen mit anderen Genres wie Horror oder Thriller sind möglich. Doch so viele potenzielle Konstellationen es auch gibt, irgendwann hat man das Gefühl, alles schon einmal gesehen zu haben. Alles gehört zu haben, was Liebe und Beziehungen angeht. Und dann kommt Allegro Pastell. Denn auch wenn der Film lauter bekannte Elemente verwendet, gewohnte Szenen aufzeigt und Figuren vorstellt, die man durchaus aus dem eigenen Leben kennen könnte: Selten hat man im Anschluss das Gefühl, so wenig verstanden zu haben wie hier.

Zugrunde liegt dem Ganzen der gleichnamige, 2020 veröffentlichte Roman von Leif Randt, der auch das Drehbuch geschrieben hat. Der Einstieg ist dabei noch recht vielversprechend, wenn der Protagonist die Autorin sieht und es zu einer mehr oder weniger typischen Begegnungsszene kommt, wie man sie auch in Liebeskomödien finden könnte. Doch schon dabei droht die erste Irritation, wenn der Sex per Voiceover kommentiert wird. Nicht besonders gut sei er, habe aber Potenzial. Keine Spur von Schmetterlingen im Bauch oder der alles verzehrenden Leidenschaft, an die uns Filme gern glauben lassen wollen. Allegro Pastell ist da nicht sehr schmeichelhaft, aber doch realistischer. Manchmal ist das Leben okay, nicht mehr, nicht weniger. Etwas, das schon passt, aber eigentlich nicht wert ist, dass man darüber spricht.

Elliptisch und irgendwie traurig

Regisseurin Anna Roller (Dead Girls Dancing) tut es trotzdem und hat damit ein Werk geschaffen, an dem sich die Geister scheiden werden. Normalerweise sollen Liebesfilme entweder Sympathien oder Verständnis für die Figuren wecken, im Idealfall beides. Bei Allegro Pastell ist das nicht so. Die zwei sind sicherlich keine schlechten Menschen, sie tun niemandem etwas, tun nichts Verwerfliches. Unbedingt mögen muss man sie aber nicht. Und auch wenn die Szenen aus dem Alltag gegriffen sind, dürfte man sich doch an vielen Stellen fragen, was genau eigentlich das Problem der beiden ist. Sie gehen keinen Schritt vor, wollen aber auch nicht aufhören. Sie führen ein Leben in der Schwebe, über das viel nachgedacht wird und doch seltsam fern scheint.

Das Drama, das 2026 auf der Berlinale Premiere hatte, ist das Porträt einer Generation, der alle Türen offenstehen, die sich dessen bewusst ist und vielleicht genau deshalb unbestimmt bleibt. Allegro Pastell beschreibt das, ohne es zu beurteilen. Das Publikum darf bei dem oft elliptisch erzählten Werk seine eigenen Schlüsse ziehen, warum etwas gleichzeitig funktioniert und nicht funktioniert. Ein Crowdpleaser ist das nicht, „schön“ ist sicherlich kein Adjektiv, das viele benutzen würden, um den Film zu beschreiben. Vielmehr ist er traurig, obwohl er über weite Strecken emotionslos ist. Oder vielleicht genau deshalb. Und er ist gut gespielt: Das Zusammenspiel von Jannis Niewöhner (22 Bahnen) und der Newcomerin Sylvaine Faligant überzeugt in der Geschichte einer Liebe, die immer das Versprechen von mehr beinhaltete und doch nie mehr sein durfte.

Credits

OT: „Allegro Pastell“
Land: Deutschland
Jahr: 2026
Regie: Anna Roller
Drehbuch: Leif Randt
Vorlage: Leif Randt
Musik: Max Rieger
Kamera: Felix Pflieger
Besetzung: Sylvaine Faligant, Jannis Niewöhner, Haley Louise Jones, Luna Wedler, Vera Flück, Martina Gedeck, Wolfram Koch

Bilder

Trailer

Filmfeste

Berlinale 2026

Kaufen / Streamen

Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision, ohne dass für euch Mehrkosten entstehen. Auf diese Weise könnt ihr unsere Seite unterstützen.




(Anzeige)

Allegro Pastell
fazit
Die Bestseller-Adaption „Allegro Pastell“ erzählt von zwei Menschen, die ein tolles Paar zu werden versprechen, aber nie eins sind. Das ist sicher gewöhnungsbedürftig, das Porträt einer Generation, die reflektiert ist und sich doch selbst im Weg steht. Am Ende bleibt Irritation – und Trauer über eine verpasste Chance.
Leserwertung0 Bewertungen
0
7
von 10