
Stefan Mortensen (Geoffrey Rush) genießt die Macht, die er als Richter innehat. Denn was er sagt, das ist Gesetz. Als er gerade dabei ist, ein neues Urteil zu fällen, erleidet er jedoch einen Schlaganfall. Seither ist nichts mehr, wie es war. Er sitzt im Rollstuhl, kann sich kaum bewegen. Arbeiten kann er sowieso nicht. Aber das wird wieder, davon ist er überzeugt. Er muss nur die Zeit in dem Pflegeheim irgendwie rumkriegen, bis es ihm wieder besser geht. Und je früher das ist, umso besser. Nicht nur, weil er seinen alten Posten zurück will. Es geht ihm zudem auf die Nerven, dass er sich sein Zimmer mit Tony Garfield (George Henare) teilen muss. Das dringendere Problem ist jedoch Dave Crealy (John Lithgow), ein weiterer Bewohner. Zunächst hält Mortensen den alten Mann, der mit einer Puppe herumläuft, nur für einen harmlosen Sonderling. Doch in der Nacht zeigt er sein wahres Gesicht …
Der Horror des Alterns
Die Menschen werden immer älter, der prozentuale Anteil an Senioren und Seniorinnen in der Gesellschaft steigt unaufhaltsam. Das macht sich inzwischen auch im Horrorgenre bemerkbar, wo immer mehr Filme betagte Figuren in den Mittelpunkt stellen. Eine ganze Reihe spielt sogar in Altenheimen. Ob nun in Forbidden Floor – The Home ein Troublemaker dort unheimliche Erfahrungen macht, in Old People Leute aus einem Heim Jagd auf Jüngere machen oder in American Carnage ein solches zum Schauplatz schrecklicher Ereignisse wird, da finden sich inzwischen schon einige Titel, die mit einem solchen Setting arbeiten. Mit dem auf mehreren Festivals gezeigten The Rule of Jenny Pen kommt nun ein weiterer Film zu uns, der in einem solchen spielt und dabei richtig viel Schrecken verbreitet.
Der Film unterscheidet sich von den obigen Beispielen aber dadurch, dass sämtliche Hauptfiguren alt sind. Wo es sonst oft darum geht, dass junge Protagonisten und Protagonistinnen eigenartige Erfahrungen machen, auch als Ausdruck von Generationenkämpfen, da spielen die Jungen hier keine Rolle. Die Heimleitung ist natürlich jünger, wird später aber an den Rand gedrückt, für die Handlung ist sie unerheblich. Die Adaption der gleichnamigen Kurzgeschichte von Owen Marshall verzichtet zudem überwiegend auf gesellschaftliche Aspekte. Wo die obigen Titel beispielsweise von der Unterversorgung handelten oder Rassismus behandelten, da ist The Rule of Jenny Pen frei von solchen Ambitionen. Anfangs meint man zwar noch, dass der Film eventuell etwas zu dem Rechtssystem zu sagen hat. Aber das wird nicht weiter vertieft.
Zwischen Hilflosigkeit und Grausamkeit
Das heißt aber nicht, dass Regisseur und Co-Autor James Ashcroft (Coming Home in the Dark) nichts zu sagen hat. So ist er sehr nah an den Figuren dran, vor allem an Mortensen und Crealy. Ersterer war sein Leben lang an der Spitze und konnte über andere bestimmen. Sein persönlicher Horror ist, wie er nun in ein Abhängigkeitsverhältnis gerutscht ist und nicht mehr die Kontrolle hat. Das würde aufgrund seiner Erkrankung so oder so gelten. In The Rule of Jenny Pen wird dies aber noch weiter verstärkt, indem er dem psychopathischen Mitbewohner ausgeliefert ist, der sich seinerseits an der Macht berauscht. Er kann mehr oder weniger machen, was er will, weil die anderen sich nicht wehren können und die Belegschaft ihn unterschätzt.
Das ist streckenweise tatsächlich unheimlich, wenn vor den Augen aller gequält und gedemütigt wird, psychische wie physische Gewalt ausgeübt, Mobbing für Fortgeschrittene also. Das mit der Puppe ist sowieso grotesk. The Rule of Jenny Pen zeigt anschaulich den Kontrollverlust, den wir alle mit dem Altern erleiden, wenn Körper und Geist nicht mehr mithalten können. Auf Dauer ist das jedoch ein bisschen zu wenig. Nachdem der Film deutlich gemacht hat, worum es geht und wer der Böse ist, hält sich die Abwechslung in Grenzen. Natürlich wird ein bisschen eskaliert, gerade auch, wenn es darum geht, Contra zu geben. Und man will schon wissen, worauf das alles hinausläuft und ob der Folterer gestoppt wird. Aber da wiederholt sich einiges, weshalb die Spannung nicht ganz so hoch ist, wie man sich das wünschen würde.
OT: „The Rule of Jenny Pen“
Land: Neuseeland
Jahr: 2024
Regie: James Ashcroft
Drehbuch: James Ashcroft, Eli Kent
Vorlage: Owen Marshall
Musik: John Gibson
Kamera: Matt Henley
Besetzung: John Lithgow, Geoffrey Rush, George Henare
Fantastic Fest 2024
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