Tagebuch einer Kammerzofe (1964) Le Journal d'une femme de chambre Tv Fernsehen arte Streamen online Mediathek Video on Demand DVD kaufen
© Jean-Louis Castelli

Tagebuch einer Kammerzofe (1964)

„Tagebuch einer Kammerzofe“ // Deutschland-Start: 14. August 1964 (Kino) // 3. Mai 2018 (DVD)

Inhalt / Kritik

Frankreich, Ende der 1920er Jahre: Célestine (Jeanne Moreau) verlässt ihre Heimatstadt Paris, um in der Normandie eine Stelle als Kammerzofe anzunehmen. Die pedantische Hausdame Madame Monteil (Françoise Lugagne) ist zwar skeptisch, ob die junge, attraktive Großstädterin wirklich geeignet ist dafür. Ihre vornehme Kleidung sei völlig unpassend. Dennoch lässt sich Célestine darauf ein und bekommt es bald mit den Marotten der anderen zu tun. So steht Monsieur Monteil (Michel Piccoli) im Ruf, allen Frauen nachzustellen. Dessen Schwiegervater Monsieur Rabour (Jean Ozenne) pflegt einen besonderen Fetisch. Und auch die anderen Männer demonstrieren unangenehme Eigenschaften. Lediglich das Bauernmädchen Claire (Dominique Sauvage) ist in diesem Umfeld ein Lichtblick …

Satirischer Blick in die Abgründe

Octave Mirbeau machte sich Ende des 19. bzw. Anfang des 20. Jahrhunderts einen Namen als Autor, ob nun mit seinen journalistischen Arbeiten oder auch seinen Romanen und Theaterstücken. Seine Spezialität war dabei die Entlarvung gesellschaftlicher Abgründe, gerade auch die der Oberschicht. Neben seiner 1903 uraufgeführten Komödie Geschäft ist Geschäft ist es besonders der im Jahr 1900 veröffentlichte Roman Tagebuch einer Kammerzofe, der den Franzosen unsterblich gemacht hat. Mehrere Male wurde die Geschichte um eine junge Frau, welche die moralischen Abgründe einer ländlich lebenden Familie erkundet, verfilmt. Zuerst versuchte sich Jean Renoir 1946 daran, zuletzt erschien 2015 eine Fassung mit Léa Seydoux in der Hauptrolle. Dazwischen war es Luis Buñuel, der sich 1964 des Stoffes annahm.

Für den spanisch-mexikanischen Filmemacher war dieser natürlich ein gefundenes Fressen, schließlich war dieser selbst für seine satirischen Demontagen der gehobenen Kreise bekannt. Bei Tagebuch einer Kammerzofe zeigt er sich dann auch in seinem Element. Lange dauert es nicht, bis die diversen Figuren ihre Marotten zeigen, die von Lüsternheit über Sadismus bis zu Rassismus reichen. An manchen Stellen darf man hier selbst mehr als sechzig Jahre später noch schockiert sein, wie sich die Menschen verhalten. Dabei sind es vor allem die Männer, die schlecht wegkommen, wenngleich in unterschiedlichem Maße. Aber auch die Hausherrin wird nicht gerade in einem schmeichelhaften Licht gezeigt. Schon die erste Begegnung präsentiert sie als eine antagonistische Person. Im Vergleich zu der Grausamkeit einiger anderer Gestalten ist das zwar harmlos. Angenehm ist der Umgang mit ihr aber nicht.

Unheilvolle Aussichten

Einiges von dem Verhalten der Charaktere ist natürlich schon überzeichnet, zuweilen sind diese eher Karikaturen als wirkliche Menschen. Auf die surrealen Elemente, für die Buñuel ebenfalls bekannt ist, sollte man hier hingegen nicht hoffen. Tagebuch einer Kammerzofe ist in der Hinsicht doch recht zurückhaltend, ist zuweilen sogar fast schon erschreckend normal, was sicher dazu beigetragen hat, dass andere Filme des Regisseurs mehr Anklang fanden. Wobei es vielleicht auch der Genrespagat ist, der manchen nicht gefällt. Je nachdem, wo man etwas über den Film liest, ist mal von einer Satire, mal von einem Drama, mal von einem Krimi die Rede. Tatsächlich stimmt alles davon, gleichzeitig aber auch nicht. Das Treiben in der Normandie ist teilweise komisch und teilweise sehr düster.

Anders als Renoir zuvor verzichtete Buñuel auch darauf, die Geschichte irgendwie aufzuhellen und für ein Happy End zu sorgen. Er verlegte das Geschehen jedoch auf die späten 1920er und sorgte damit für einen neuen historischen Kontext, den das Original nicht hatte. Im Hintergrund von Tagebuch einer Kammerzofe braut sich daher einiges zusammen und am Ende weiß das Publikum dann auch, dass die Abgründe, die hier erkundet werden, nur der Anfang sind. Es wird bald noch schlimmer werden. Das macht den Film trotz seines zeitlichen Settings auch irgendwo zeitlos. Denn nach dem Anschauen der Romanadaption hat man nicht unbedingt das Gefühl, dass sich viel verbessert hat.

Credits

OT: „Le Journal d’une femme de chambre“
Land: Frankreich, Italien
Jahr: 1964
Regie: Luis Buñuel
Drehbuch: Luis Buñuel, Jean-Claude Carrière
Vorlage: Octave Mirbeau
Kamera: Roger Fellous
Besetzung: Jeanne Moreau, Michel Piccoli, Georges Géret, Daniel Ivernel, Françoise Lugagne, Muni, Jean Ozenne, Gilberte Géniat, Dominique Sauvage

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Tagebuch einer Kammerzofe (1964)
fazit
Die Romanadaption „Tagebuch einer Kammerzofe“ erzählt von einer jungen Frau, die bei ihrer neuen Arbeit die Abgründe der Menschen zu sehen bekommt. Der Film schwankt dabei zwischen Drama, Satire und Krimi, ist gleichzeitig überzeichnet-komisch und doch sehr düster. Das wird dann zwar nicht so surreal wie bei anderen Filmen von Luis Buñuel, sehenswert ist das Ergebnis aber allemal.
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