In Good Luck, Have Fun, Donʼt Die (Kinostart: 12. März 2026) schlagen sich Michael Peña und Asim Chaudhry an der Seite von Sam Rockwell, einem mysteriösen Zeitreisenden, durch Horden von jugendlichen Smartphone-Zombies oder müssen Godzilla-ähnlichen Katzen entkommen, um die Welt vor der Übernahme durch eine KI zu bewahren. Bei der 76. Berlinale haben wir mit allen drei Darstellern über ihre Rollen, Künstliche Intelligenz und Herausforderungen beim Dreh (Spoiler: Es hat mit Durchfall zu tun) gesprochen.
Ich hatte vorher Zazie Beetz und Haley Lu Richardson im Interview und sie waren so energiegeladen, dass ich mich gefragt habe, ob es euch auch so ging.
Sam Rockwell: Überhaupt nicht. (Alle lachen.) Nein, wir sind uns gegen Ende besonders nahe gekommen und am Ende war ich tatsächlich traurig, dass alle gegangen sind, weil ich nicht wirklich viel Zeit mit ihnen verbringen konnte, da ich mich miserabel in diesem Anzug gefühlt habe. Aber ich war wirklich traurig, dass ich nicht mehr Zeit mit allen verbringen konnte. Wir waren in diesem Art Jurassic-Park-Komplex in Kapstadt. Er war eingezäunt. Also sind wir uns sehr nahe gekommen, aber das ist irgendwie alles passiert, besonders in der letzten Nacht. Weißt du noch, wir waren irgendwie… Es gab eine Menge Unsinn.
Michael Peña: …Eine Menge Unsinn! Aber es war so, wie die Leute immer sagen: „Oh, ich habe es geliebt, mit diesen Leuten zu arbeiten.“ Wir waren so gute Freunde. Alle haben sich gut verstanden, alle hatten die gleiche Energie. Das Einzige, was ihn (zeigt auf Sam Rockwell) störte, war, dass er jedes Mal, wenn er sprach, Monologe und noch mehr Monologe hielt.
Sam Rockwell: Ich war irgendwie von ihnen getrennt. Ein bisschen. Weil ich sieben Garderobenassistenten hatte, die mir den Anzug auszogen.
Asim Chaudhry: Du hattest ein Kühlungssystem!
Michael Peña: Wir hatten einen Freund mit einem Ventilator, der ihm Luft zufächelte…
Asim Chaudhry: Aber auch was die Energie angeht, habe ich das schon gesagt, kommt alles vom Regisseur. Gores Energie ist einfach wahnsinnig. Wir hatten einen Begriff für Gore, als wir die Nachtaufnahmen gemacht haben, es war „Nightshoot-Gore“ . Und er holte seine Jacke heraus und rauchte eine Zigarre. Er war in seinem Element. Was die Kulissen angeht, die ersten 10 Minuten des Films mit Sam, es ist wie ein Orchester, es ist wie ein Ballett. Es ist so komplex. Wie ein Theaterstück. Und es ist offensichtlich wegen Fluch der Karibik und allem. Ich denke, er ist einer der Meister der Set-Stücke. Aber man braucht diese Energie von Gore. Und ich denke, es war für uns alle ein schwieriger Dreh. Vor allem für Sam, natürlich. Aber ich glaube, vieles kommt von Gore. Und wenn dein Regisseur voller Energie ist, bist du auch voller Energie. Und man musste viel rennen.
Sam Rockwell: Ja, wir mussten viel rennen. Manchmal fragte er: „Kannst du schneller rennen?“ Ich antwortete: „Trag du einmal diesen verdammten Anzug.“
Bringt euch der Film dazu, über eure übermäßige Nutzung von sozialen Medien und Handys nachzudenken?
Michael Peña: Ich habe weder Twitter noch TikTok oder Instagram, ich poste nicht sehr viel.
Sam Rockwell: Ich habe kein Instagram oder so etwas. Manche Leute schicken mir TikToks. Ich kann Instagram nicht wirklich empfangen. Aber ich schränke es auch ein, wenn ich jetzt auf der Straße SMS schreibe. Ich versuche es zumindest. Ich versuche, zur Seite zu gehen und nicht zu laufen, während ich SMS schreibe.
Michael Peña: Du bist aber wirklich gut im SMS schreiben.
Sam Rockwell: Ich bin großartig im SMS schreiben!
Asim Chaudhry: Ich bin ein bisschen jünger als diese Jungs und meine Show hat auf YouTube angefangen… meine ganze Karriere hat mit sozialen Medien angefangen. Ich versuche, mehr im realen Leben zu leben. Aber natürlich sind bei meiner Show, bei meinen Fans, alle in den sozialen Medien. Also mache ich TikToks und Instagram, bla, bla, bla. Aber mir ist klar geworden, dass … Alle, die ihr Handy benutzen, haben tatsächlich eine physische Delle, viele von uns, in ihrem kleinen Finger. Das nennt man den „Pinky-Dent“. (Hält seine beiden kleinen Finger aneinander, um es zu demonstrieren.) Und das ist einfach nur gestört. Es ist fast wie eine Rückentwicklung, oder? Als würde sich unser Körper tatsächlich verändern.
Michael Peña: Ja, ich bin mir ziemlich sicher, dass die Leute bald so geboren werden.
Asim Chaudhry: Ja, eine Lücke, die schon da ist. Das bringt einen schon zum Nachdenken über die eigene Nutzung. Man muss ein echtes Leben leben.
Seid ihr bereit, durch KI-geschaffene Schauspieler ersetzt zu werden?
Michael Peña: Also, ich bin bereit, Alter. Aber ich glaube nicht, dass das passieren wird. Das wird niemals passieren.
Niemals?
Michael Peña: Nein, wenn du KI nach Witzen fragst, sind die immer schrecklich. Alle Geschichten wurden schon einmal erzählt, weil sie mit einer Datenbank arbeitet, die bereits fertig ist. Was neue Ideen angeht, ist das also nicht wirklich toll. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis es eine bessere KI geben wird.
Asim Chaudhry: Ich glaube, es wird immer schlimmer. Ehrlich gesagt nutze ich KI nicht so oft, aber für bestimmte Dinge, und ich teste sie auch gerne, aber sie macht ständig Fehler. Ständig. Und ich glaube, es wird immer schlimmer, weil sie meiner Meinung nach tatsächlich überlastet ist. Du weißt schon, was die Server angeht, und das ist wirklich schlecht für unsere Welt. Ganz allgemein gesehen verbraucht sie einfach zu viel Wasser und zu viel Energie für diesen verdammten Scheiß. Viele Leute nutzen KI für dummen Scheiß. Aber gleichzeitig kann KI auch dabei helfen, Krankheiten zu heilen und all diese Datenbanken zu durchforsten und Dinge zu finden, für die wir sonst vielleicht fünf Jahre brauchen würden. Dafür bin ich voll und ganz, aber für alles Kreative oder etwas, das mit der Seele zu tun hat, bin ich dagegen.
Spaß beiseite, glaubt ihr, dass wir als Gesellschaft dem Untergang geweiht sind? Macht ihr euch Sorgen um die nächsten Generationen?
Sam Rockwell: Es könnte schiefgehen, ja. (Alle schweigen für ein paar Sekunden und lachen dann.)
Michael Peña: (lachend) Naja, du meintest: Spaß beiseite. Und wir dachten: Okay.
Ist Humor also eine Art Überlebensstrategie?
Asim Chaudhry: Ich denke, das ist er, ja.
Michael Peña: Weißt du, wo ich aufgewachsen bin, waren wir eine ganze Menge in einer Zwei-Zimmer-Wohnung, und das war die schönste Zeit meines Lebens. Wir lebten unter nicht gerade tollen Bedingungen, und Humor ist eine Möglichkeit, mit bestimmten Traumata umzugehen.
Sam Rockwell: Wo war das nochmal?
Michael Peña: Chicago.
Sam Rockwell: Achja, stimmt.
Gab es für euch Raum für Improvisation?
Sam Rockwell: Ja, ein bisschen.
Michael Peña: Ein bisschen, nicht viel. Normalerweise würde es das gehen, wenn es sich um einen Film mit größerem Budget handeln würde und wir mehr Zeit hätten.
Sam Rockwell: Es war schon ein echt gutes Drehbuch.
Michael Peña: Ich wollte es wirklich, aber wir hatten einfach keine Zeit.
Sam Rockwell: Du hattest diese eine Sache…
Mit den Ratten vielleicht? Denn davon haben Zazie und Haley erzählt.
Michael Peña: Das war das einzige Mal, dass ich das machen durfte!
Sam Rockwell: Ich hatte das Gefühl, dass da mehr war.
Michael Peña: Nein, nein, vertrau mir, Alter. Weil Gore, was er macht, ist wie… Er sieht es sehr visuell. Wir hatten diese langen Kamerabewegungen. Und Improvisation ist wirklich nur dann gut, wenn man sitzt und keine weiteren Einstellungen mehr hat.
Sam, du klangst so, als suchtest du nach einer großen Hauptrolle. Du trittst oft als Nebendarsteller auf, aber hier zeigst du wirklich alles.
Sam Rockwell: Nun, ich betrachte es als Ensemble. Das tue ich wirklich, denn es gibt Vignetten wie in dem Film Weapons, und ich halte dies für eine großartige Ensemblebesetzung, aber danke, dass du das sagst. Ich versuche einfach nur… ich bin sozusagen der „Aussauger“ des Stücks, aber es ist das Stück von allen. Ich meine, wie du siehst, ist es gleichmäßig verteilt.
Michael Peña: Interessant, oder? Ich sehe dich nicht als… ich glaube, egal welche Rolle die beste ist, du willst sie in jedem Film aussaugen. (Alle lachen.) Ob Hauptrolle, Nebenrolle…
Asim Chaudhry: (scherzend) Wenn er ne Nebenrolle hat, wird er eh zur Hauptfigur im Film. Der klaut dir die Show sowieso.
Sam Rockwell: Es ist, wie es ist. Ich glaube, jeder hat seinen Moment.
Asim Chaudhry: Aber Sam hat uns in diesem Film definitiv angeführt. Obwohl es ein Ensemble-Stück ist – wir haben uns alle an Sam orientiert. Und wir haben ihn auch unterstützt, wegen seines Anzugs und der ganzen Dialoge.
Sam Rockwell: Die waren sehr nett zu mir, weil ich in dem Anzug gelitten habe.
Asim Chaudhry: Nein, er hat nicht gelitten. Der Typ hat im Green Room getanzt, hat mit Michael geboxt. Wir hatten eine richtig gute Zeit. Ich glaube, das zeigt, wie gut wir uns verstanden haben. Denn es war ein harter Dreh, eine anstrengende Umgebung – klar, mit allem Drum und Dran. Aber wir waren trotzdem gut drauf.
Sam Rockwell: Die mussten einen Monat rumhängen, während ich die Dialoge gemacht hab. Aber wir haben’s geliebt.
Asim Chaudhry: Und wir wurden alle krank in dieser Zeit. Einer unserer Co-Desks bei diesem Film sagte: Good Luck, Have Fun, Don’t Diarrhea. Wir hatten alle Durchfall. Und wir haben Songs darüber gemacht. Es war trotz allem eine super Zeit.
Sam Rockwell: Es war eine tolle Gruppe.
Asim Chaudhry: Erinnert ihr euch an den Sanitäter, der uns ständig versorgt hat? Mann, ständig.
Sam Rockwell: Als ob es eine Pille für das Kuckucksnest wäre. Aber wenn man die Pille nahm, dann trocknete sie einen aus. Ungefähr eine Woche lang.
Michael Peña: Alter, das war echt heftig, denn in dem Anzug… oh ja.
Sam Rockwell: Man will ja keine Verstopfung haben. Aber es war wirklich real. Ich weiß, es ist nicht toll, aber es ist etwas, womit wir wegen der Bakterien in Südafrika klarkommen mussten. Also, wechseln wir das Thema.
Mich interessiert eure Herangehensweise an die politische Botschaft dieses Films über Schießereien und Waffen in Amerika.
Sam Rockwell: Ja, schon. Ich meine, es ist wohl eine politische Botschaft. Ich bin nicht politisch, aber eine Schießerei an einer Schule ist eine zu viel. Das ist die Quintessenz. Und davon haben wir in den Staaten viel zu viel.
Michael Peña: Ich fand es toll, dass es sich beim Lesen des Drehbuchs nicht belehrend anfühlte. Es ist so: Das ist das Leben. Es ist Teil der Geschichte. Das ist es, was wir euch zeigen. Und das hat den Film ausgemacht. Ich finde Matthew genial.
Asim Chaudhry: Ziemlich makaber allerdings. Riskant.
Michael Peña: Aber mal ehrlich, überlass es den deutschen Geldgebern, wenn sie den Mut haben, diesen Film zu finanzieren. Ich glaube, es ist wie mit dem Zucker: Ein bisschen Zucker hilft, die Medizin besser zu schlucken. Ich denke, so ist es. Es ist auf eine gewisse Art satirisch.
Asim Chaudhry: Stimmtʼs? Man liest das und denkt: Es geht um Amokläufe an Schulen. Wie zum Teufel schaffen die das, lustig zu sein? Es ist eher so, als ob man eine Chemotherapie macht. Black Mirror, Charlie Brooker, der ist auch super in solchen Sachen. Man schaut es sich an, lacht und denkt: Das ist ja irre! Gleichzeitig steckt aber auch eine ernste Botschaft dahinter, aber nicht belehrend.
Ist euch klar, dass eine Episode im Grunde wie eine „Black Mirror-Folge“ war? Die mit dem Klonen?
Sam Rockwell: Wie Black Mirror auf Steroiden. (Alle lachen.)
Michael Peña: War Black Mirror nicht auch von anderen Science-Fiction-Werken inspiriert?
Asim Chaudhry: Ja, ich glaube, Black Mirror wurde so erfolgreich, dass alle irgendwann gesagt haben: „Oh, das ist wie Black Mirror“, aber natürlich gab es vorher schon ähnliche Sachen.
Michael Peña: Was ist zum Beispiel mit The Twilight Zone?
Sam Rockwell: Ja, The Twilight Zone ist das Original.
Wo seht ihr den Film aktuell auf dem Markt? Macht ihr euch Sorgen um die Kinobranche, ob die Leute sowas überhaupt sehen wollen?
Sam Rockwell: Gute Frage. Everything Everywhere All at Once ist irgendwie unsere Zielgruppe, denke ich, was auch immer diese Zielgruppe genau ist. Ich glaube, genau darauf zielen wir ab. Weapons, aber vielleicht ein bisschen witziger.
Aber glaubt ihr, die Leute werden sich solche Filme immer noch ansehen, anstatt nur noch Massenproduktionen?
Michael Peña: Das hoffen wir. Ich war in Australien, um einen Film zu drehen, und meine Frau und ich fingen an, Frankenstein zu schauen, und nach zehn Minuten sagten wir: Nein, wir müssen das auf einer großen Leinwand schauen. Und Gott sei Dank haben wir das getan, denn Guillermo [del Toro] hatte so seine Tricks: Da sind so Details am Rand, die den Blick auf etwas lenken, und dann überrascht er einen im selben Bildausschnitt mit einer anderen Aktion. Sowas sieht man sonst nirgends, und was wirklich erfrischend war: Obwohl der Film auf Netflix lief, wollten viele im Kino genau dieses Erlebnis. Es gibt also immer noch Lichtblicke.
Asim Chaudhry: Und das ist ein Film, den ihr im Kino sehen solltet.
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