
Sebastian Steudtner wird 1985 in Esslingen geboren und wächst in Nürnberg auf – fernab jeder Küste. Keine idealen Voraussetzungen für eine Karriere als Profisurfer. Doch während eines Bretagne-Urlaubs entdeckt er früh seine Leidenschaft für das Wellenreiten. Mit 16 Jahren geht er allein nach Hawaii, entschlossen, seinen Traum zu verwirklichen. Dort spezialisiert er sich auf das Big-Wave-Surfen, jene Extremform des Sports, bei der Athleten meterhohe Wellen bezwingen. 2010 wird er erstmals mit dem XXL Global Big Wave Award ausgezeichnet, der prestigeträchtigsten Ehrung der Szene.
Der Triumph markiert jedoch zugleich einen Wendepunkt: Nach einem Eklat bei der Preisverleihung, bei dem er von Konkurrenten öffentlich verhöhnt wird, verliert er in Hawaii den Rückhalt und muss seine Zelte abbrechen. Zurück in Europa baut er sich im portugiesischen Nazaré einen neuen Lebensmittelpunkt auf. 2015 gewinnt er erneut den XXL Global Big Wave Award. 2022 folgt der Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde: Mit rund 80 km/h reitet er eine 26,21 Meter hohe Welle.
Klassische Heldenerzählung
Die Produktionsfirma Broadview Pictures, bekannt für Sportporträts wie Klitschko, 13 Steps – Die unglaubliche Karriere von Edwin Moses, Schwarze Adler und Kroos, widmet sich in ihrem neuesten Dokumentarfilm dem Ausnahmeathleten Sebastian Steudtner, der der breiten Öffentlichkeit nicht sonderlich bekannt sein dürfte. Die Regisseure Peter Wolf und Axel Gerdau zeichnen die Stationen des Surfers chronologisch nach. Neben der sportlichen Karriere streift der Film auch seine Unterstützung der brasilianischen Surferin Maya Gabeira bei ihrem Weltrekord, thematisiert die negativen Seiten im im Surfsport und stellt Steudtners soziales Projekt „Wir machen Welle“ vor.
On the Wave folgt dabei klar der Dramaturgie einer klassischen Heldenerzählung: der Außenseiter aus dem Binnenland, der gegen Widerstände ankämpft, gedemütigt wird, scheitert – und stärker zurückkehrt. Der Film inszeniert den Bruch bei der Preisverleihung in Kalifornien, wo er als „the guy from Germanny, who can not paddle“ und „Hitler*s stepson“ verunglimpft wurde, als emotionalen Tiefpunkt, ohne die strukturellen Hintergründe des Konflikts vertieft auszuleuchten. Rassismus, Territorialdenken und Ausgrenzung werden benannt, bleiben aber eher narrative Wegmarken als Gegenstand ernsthafter Analyse.
Monumentale Bilder
Auch die später angerissenen Themen – etwa die von Maya Gabeira geschilderte Misogynie in der Surfszene – werden nicht weiter vertieft. Kritik am Protagonisten selbst spart der Film ebenfalls weitgehend aus. Steudtner erscheint als disziplinierter, demütiger Athlet, dessen akribische Vorbereitung und seine waghalsigen Aktionen zwar gezeigt, aber kaum hinterfragt werden.
Seine größte Stärke hingegen entfaltet der Film auf der sinnlichen Ebene. Die Kamera fängt die Monumentalität der Wellen von Nazaré und Hawaii in beeindruckenden Bildern ein. Winzige Silhouetten kämpfen gegen Wasserberge, die eher wie eine Naturkatastrophe als eine Sportkulisse wirken. Besonders das Sounddesign sorgt für eine physische Erfahrung: Das Grollen der Brandung lässt den Kinosaal erzittern und vermittelt zumindest ansatzweise, was Steudtner als „Einklang mit der größten Ozeanenergie“ beschreibt. Der Film ist also weniger eine investigative Auseinandersetzung als eine audiovisuelle Verneigung vor einem Ausnahmeathleten – und ein Film, der seine eigentliche Kraft erst im Kinosaal voll entfaltet.
OT: „On the Wave“
Land: Deutschland
Jahr: 2025
Regie: Peter Wolf, Axel Gerdau
Musik: Raffael Seyfried, Julian Prießen
Kamera: Johannes Imdahl, Jonas Julian Köck
Mitwirkende: Sebastian Steudtner, Maya Gabeira, Laird Hamilton, Sam George, Bill Sharp
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