
Als der Tiroler Umweltlandesrat Konrad Kofler tot im See gefunden wird, sieht alles nach einem Unfall aus. Schließlich hatte er jede Menge Alkohol im Blut, Anzeichen für Gewaltanwendung gibt es keine. Eigentlich war er nach einem Termin mit den Finanzlandesräten auf dem Weg nach Inner Ainöd, wo er allerdings nicht angekommen ist. Chefinspektor Martin Steiner (Simon Morzé) und Chefinspektorin Melanie Grandits (Marlene Hauser) gehen der Sache nach und stellen dabei fest, dass offensichtlich doch jemand nachgeholfen hat. Aber wer? Um eine Antwort zu bekommen, müssen die beiden sich mit der lokalen Bevölkerung auseinandersetzen. Doch die ist wenig erpicht auf eine Zusammenarbeit mit der Polizei …
Sehenswertes Debüt aus Osttirol
In Österreich erfreut sich die Landkrimi-Reihe, quasi das heimische Pendant zum Tatort, großer Beliebtheit. In Deutschland tut sie sich, trotz des großen Bedarfs nach Fernsehkrimis, ein wenig schwer. Ein Grund ist sicherlich, dass die einzelnen Filme auf verschiedenen Sendern laufen und der Reihentitel meist weggelassen wird. Dadurch wissen die meisten gar nicht, dass diese Filme eigentlich zusammen gehören. Die größte Bekanntheit genießen noch die von der ARD ausgestrahlten Teile aus der Steiermark, gerade erst wurde Nummer 13 Steirerwahn über brennende Bauern gezeigt. Das ZDF zeigt nun mit Schnee von gestern einen ersten Film aus Osttirol. Der ist eigentlich ein alter Hut, war bereits 2024 auf einem Festival zu sehen. Warum es anschließend anderthalb Jahre dauerte, bis auch das Fernsehen ihn aufgreift, ist nicht bekannt. Ebenso wenig, ob es weitere Teile geben wird.
Sollte es bei diesem einen Film bleiben, wäre das schade. Das Debüt ist vielen anderen aus dem Bereich doch überlegen. Ein Pluspunkt ist beispielsweise das Duo selbst, welches jung, aber nicht unbedarft ist. Zwischendurch kommt es zu kleineren Kabbeleien, ohne dass vergleichbar etwa zu Der Salzburg-Krimi: Tod am Wolfgangsee ständig ein Konflikt provoziert werden muss. Und auch die Besetzung hat ihren Anteil daran, dass der Film einen Blick wert ist. Das Zusammenspiel von Simon Morzé (Der Trafikant) und Marlene Hauser (Zu neuen Ufern) funktioniert gut. Das restliche Ensemble darf sich an der Lokalbevölkerung versuchen, die dem Klischee entsprechend besonders mürrisch und unnahbar gibt. Man hält sich bei Schnee von gestern schon an das Bewährte. Wobei der Film darauf verzichtet, sie nur zu verteufeln. Ein großes Thema in der Geschichte ist die Perspektivlosigkeit der Gegend, seitdem eine Fabrik zugemacht hat.
Als Krimi zweckmäßig
Das wird aber nicht weiter thematisiert, es handelt sich hierbei nicht um einen dieser gesellschaftlichen Krimis, die sehr viel aussagen wollen. Wichtiger war es dem Team dahinter dann doch, nahe an den Menschen zu sein. Und auch die Atmosphäre stand auf der Prioritätenliste offensichtlich weit oben. Alleine derer wegen lohnt sich dann auch das Einschalten. Viele Landkrimis spielen in ländlichen Gegenden und haben entsprechend viel fürs Auge zu bieten. Schnee von gestern ist in der Hinsicht aber besonders gelungen, wenn wir uns in die frostige Provinz begeben, wo der so rein wirkende Schnee nur oberflächlich all die Hässlichkeit bedeckt. Zuweilen ist das sogar fast schon surreal, was auf den Bildschirm geholt wird.
Als Krimi ist der Film passabel. Die ganz großen Überraschungen bleiben hier zwar aus, da doch einiges frühzeitig verraten wird. So weiß man früh, dass der Tote aufgrund seiner Arbeit sterben musste, da werden keine wirklichen Alternativen aufgebaut. Wer in erster Linie rätseln will, ist anderswo besser aufgehoben. Schnee von gestern ist eher für ein Publikum gedacht, das sich an Abgründen erfreut. Von denen gibt es hier einige, dazu noch etwas Tragik rund um gescheiterte Menschen und deren Sehnsüchte. Die Geschichte hätte sicherlich besser sein können, die ist bestenfalls zweckmäßig. Insgesamt gehört das hier aber zu den sehenswerteren Genrebeiträgen der letzten Zeit.
OT: „Schnee von gestern“
Land: Österreich
Jahr: 2024
Regie: David Wagner
Drehbuch: Ivo Schneider
Musik: Musicbanda Franui, Jóhann Jóhannsson
Kamera: Anna Hawliczek
Besetzung: Simon Morzé, Marlene Hauser, Fanny Krausz, Wolfgang Lampl, Michael Rotschopf, Felix Rank, Johanna Orsini
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