Foto: Deborah Coleman / Pixar

Daniel Chong [Interview 2026]

Der neue Pixar Film Hoppers folgt der 19-jährigen Mabel, die sich vehement für das Wohl von Tieren einsetzt und deshalb um jeden Preis verhindern möchte, dass ein Teich zugunsten eines Freeways verschwindet. Ihre Mission hat aber einen Haken: In dem Teich leben überhaupt keine Tiere. Wenn sie Erfolg haben und die Natur schützen will, muss sie es also schaffen, wieder Tiere dort anzusiedeln. Per Zufall entdeckt sie auch eine Möglichkeit, wie sie mit solchen kommunizieren kann. Sie lässt ihr Bewusstsein in einen Biberroboter versetzen. Das klappt überraschend gut. Doch damit beginnt der eigentliche Kampf erst. Wir haben uns anlässlich anlässlich des Kinostarts am 5. März 2026 mit Regisseur Daniel Chong getroffen. Im Interview zu dem Animationsabenteuer spricht er über die Entstehungsgeschichte, die Bedeutung von Gemeinschaft und Herausforderungen bei der visuellen Gestaltung.

Als wir uns Ende 2020 unterhalten haben, hast du bereits gesagt, dass du an einem größeren Projekt arbeitest. Könntest du uns etwas über die Entstehungsgeschichte von Hoppers verraten? Wie kamst du auf die Idee?

Die Idee kam durch diese Natur-Dokumentationen, wo sie Roboter in der Natur platzieren, in deren Augen dann Kameras sind. Das fand ich irgendwie so albern, dass ich überlegt habe, diese Technologie zu nehmen und weiterzudenken. Aber auch die Frage, wie Menschen in die Natur passen, hat mich sehr beschäftigt. Das klang alles nach ziemlich viel Spaß für mich und auch nach einem Agentenfilm irgendwo da drin.

Wenn du die Möglichkeit hättest, selbst in ein Tier zu schlüpfen, welches würdest du aussuchen?

Ich werde das immer wieder gefragt und gebe da irgendwie jedes Mal eine andere Antwort. Was ich zum Beispiel sehr interessant finde, sind Honigdachse. Sie sind Raubtiere, mit denen du dich besser nicht anlegen solltest, weil sie so wild und bösartig sind. Es gibt Videos von anderen Raubtieren, die sie angreifen und keine Chance haben, weil die Honigdachse so tough und stämmig sind. Irgendwie sind diese Tiere spaßig und ich hätte Lust, das einmal selbst zu erfahren.

Neben dem Spaß sprecht ihr aber auch eine Menge Themen an. Was erhofft ihr euch durch den Film?

An erster Stelle auf meiner Liste, und das habe ich auch meinem Team immer gesagt, stand, dass wir unterhaltsam sein müssen. Das war schon bei We Bare Bears so, der Humor war mir immer am wichtigsten. Ich wollte etwas machen, bei dem die Leute Spaß haben beim Zuschauen. Also haben wir bei Hoppers dafür gesorgt, dass ständig Komik dabei ist und wir eine richtige Achterbahn für das Publikum bauen. Das heißt aber nicht, dass uns die Themen unwichtig sind. Wir wollten über Verbundenheit sprechen, über Koexistenz, unser Verhältnis zur Natur. Aber das haben wir erst nach und nach eingebaut.

Denkst du denn, dass Filme tatsächlich einen Unterschied machen können und das Publikum zum Nachdenken bringen?

Das ist eine großartige Frage, über die ich selbst viel nachgedacht habe. Ich glaube schon, dass Filme dazu in der Lage sind, den Zuschauern etwas mitzugeben und zum Nachdenken zu bringen. Man sollte nur nicht den Anspruch haben, dass das auf jeden Fall geschieht. Die Auseinandersetzung mit den Themen ist eher ein Nebenprodukt. Es ist auch schon etwas Tolles, wenn du es schaffst, mit einem Filmen Menschen zusammenzubringen und ein Gefühl von Gemeinschaft zu erzeugen, zum Beispiel in einem Kino. Und Hoppers handelt ja von Gemeinschaft. Wenn die Leute nach dem Anschauen den Wunsch haben, mehr Zeit in der Natur zu verbringen, ist das großartig. Wenn sie netter zu Tieren sind und oder netter zu anderen Menschen, ist auch das großartig. Aber ich bestehe nicht darauf.

Ein anderes Thema ist die Hoffnungslosigkeit, wenn du etwas verändern möchtest und nichts von dem, was du tust, einen Unterschied zu machen scheint. Das ist ein Gefühl, mit dem sich derzeit glaube ich viele identifizieren können. Wie gehst du selbst mit diesem Gefühl um?

Ich liebe es, dass du mich das fragst, weil das ein Thema ist, das mir sehr wichtig ist. Dabei hatten wir das ursprünglich gar nicht geplant. Es kam irgendwann einfach dazu, als wir an der Geschichte gearbeitet haben. Auf eine Weise handelt der Film von diesem Gegensatz von Macht und Machtlosigkeit. Am Anfang ist es Jerry, der die Macht hat, während Mabel nichts dagegen ausrichten kann. Doch Schritt für Schritt findet sie immer mehr Macht, erst durch den Roboter, später durch den Rat der Tiere. Und dennoch geht alles schief. Wir haben uns für den Film viel mit Aktivistengruppen ausgetauscht, die diese Erfahrung immer wieder machen, dass sie für etwas kämpfen und dabei scheitern. Was ihnen die Kraft gegeben hat weiterzumachen, ist die Gemeinschaft. Du musst Menschen finden, denen das genauso wichtig ist wie dir. Das gibt dir die Hoffnung. Und das wollten wir auch mit dem Film ausdrücken, wie wichtig es ist, eine Gemeinschaft zu finden.

Kommen wir zu der Umsetzung. Die Tiere sollen bei euch noch realistisch genug sein, um als Tiere durchzugehen, gleichzeitig aber auch cartoonartig sein. Wie habt ihr die richtige Balance gefunden?

Das ist gar nicht so einfach zu beantworten, da das ein langer Prozess war, bei dem wir viel ausprobieren mussten. Da unsere Figuren eben cartoonartig sind, durfte die Natur nicht zu realistisch sein, weil das dann einfach nicht gepasst hätte. Also musste die Natur stilisiert sein. Aber wie du schon sagst, musste es trotzdem noch realistisch genug sein, damit die Zuschauer die Natur darin wiedererkennen und sich verbunden fühlen. Wir hatten zum Glück ein sehr starkes Art Department, das nach einem Weg gesucht hat, die Natur auf die richtige Weise zu stilisieren. Und es war sehr viel Arbeit, bis sie die Balance gefunden haben.

Dein erster Film We Bare Bears: Der Film und die Serie arbeiteten noch mit traditionellen 2D-Bildern. Wie war es für dich, jetzt mit CGI zu arbeiten?

Das war so ein großer Unterschied. Das Team musste deshalb auch ganz geduldig mit mir sein. Die anderen machen das schon so lange und sie haben an so tollen und erfolgreichen Filmen gearbeitet. Ich konnte da nicht mithalten und fühlte mich wie ein kompletter Anfänger. Da war so viel, von dem ich keine Ahnung hatte. Das war alles so komplex. Hinzu kommt, dass wir We Bare Bears am Ende gar nicht mehr selbst gemacht haben. Von uns kamen die Storyboards und die Wahl der Farben. Aber der Rest wurde in Übersee gemacht. Wir haben deren Arbeit vielleicht noch ein bisschen abgewandelt, so zehn bis 15 Prozent. Das war es aber auch schon. Bei Pixar war ich während des kompletten Prozesses involviert und konnte zu allem etwas sagen. Das war schon überwältigend für mich. Gleichzeitig war es aber auch fantastisch, weil ich wirklich alles selbst beeinflussen konnte und zu allem eine Meinung haben konnte. Die anderen haben ihre Arbeit auch an mich angepasst, weil ich vom Fernsehen komme und es daher gewohnt bin, schnelle Entscheidungen zu treffen und allgemein schnell zu arbeiten. Dafür bin ich sehr dankbar.

Vielen Dank für das Interview!



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