
Dennis (Stefan Merten) hat eigentlich alles, was man sich zum 30. Geburtstag wünscht: eine feste Partnerschaft, beruflichen Erfolg und die nächste Beförderung bereits in Griffweite. Da seine Verlobte ausgerechnet zu diesem Anlass beruflich unterwegs ist, beschließt er, den runden Geburtstag mit seinen Jugendfreunden in der alten Heimat im Ruhrgebiet zu feiern. Doch das Wiedersehen mit dem extrovertierten Fitness-Influencer Tim (Michael Bruch) und dem in sich gekehrten Freddy (Karsten Jaskiewicz) entwickelt sich schneller als erwartet von einer nostalgischen Clubnacht zu einem emotionalen Drahtseilakt. Was als unbeschwerte Auszeit gedacht war, lässt alte Konflikte aufbrechen: Tim versucht, eine frühere Bekanntschaft zu beeindrucken, Dennis gerät zunehmend unter Druck, und Freddy bleibt für seine Freunde ein Rätsel. Aus der Feier wird so eine Zerreißprobe für eine Freundschaft, die längst nicht mehr so unbeschwert ist wie früher.
Optik überzeugt trotz schmalem Budget
30 and Wild ist die Fortsetzung von Young and Wild aus dem Jahr 2014, dem Debüt von Regisseur Felix Maxim Eller, das seinerzeit ohne Fördergelder oder Fernsehsender im Hintergrund entstand und sich über Festivals und schließlich auf YouTube mit über 42 Millionen Aufrufen zu einem kleinen Phänomen entwickelte. Im Ruhrgebiet und besonders im Kreis Unna genießt der Film Kultstatus, – und genau dort knüpft auch das Sequel – das auch als der erste Kinofilm aus Unna seit der mit Bang Boom Bang – Ein todsicheres Ding beginnenden Trilogie von Peter Thorwarth beworben wird – wieder an. Vorkenntnisse braucht es zwar nicht zwingend, doch wer den ersten Teil kennt, wird viele Motive, Dynamiken und Running Gags mit einem gewissen Wiedererkennungswert wahrnehmen.
Dass auch 30 and Wild mit einem sehr schmalen Budget entstanden ist, merkt man ihm erstaunlich wenig an. Im Gegenteil: Visuell bewegt sich der Film stellenweise auf einem Niveau, das man eher von deutlich teureren Produktionen erwarten würde. Eller übernimmt erneut Regie, Drehbuch, Kamera und Schnitt – ein Kraftakt, der sich vor allem in der dichten, oft sehr nah geführten Inszenierung bemerkbar macht. Das verleiht dem Film eine unmittelbare, fast dokumentarische Energie, die gut zur Geschichte passt.
Inhaltlich bleibt 30 and Wild allerdings näher am Mainstream, als man vielleicht hoffen könnte. Die Parallelen zu amerikanischen Vorbildern wie Old School – Wir lassen absolut nichts anbrennen sind offensichtlich, und auch hier gilt: Nicht jeder Gag sitzt. Manche zünden gar nicht, andere funktionieren dafür umso besser. Der Humor ist eher direkt als subtil, bewegt sich aber nicht ausschließlich im Derben, sondern wird immer wieder von ruhigeren, nachdenklicheren Momenten durchbrochen.
Nicht perfekt aber mit viel Charme
Seine eigentliche Stärke entfaltet der Film in den Figuren und ihren Beziehungen zueinander. Der Blick auf drei Männer, die irgendwo zwischen Jugend und Erwachsensein feststecken, hat durchaus Charme und trifft einen Nerv. Allerdings gelingt es den Hauptdarstellern nicht durchgehend, diese Zwischentöne überzeugend zu transportieren – ihr Spiel wirkt stellenweise etwas steif. Umso mehr stechen die Nebenfiguren heraus: Vor allem André Decker sorgt als erfolgloser Musiker Tommy mit viel Präsenz und Timing für einige der stärksten Momente.
Am Ende erfindet 30 and Wild das Rad nicht neu, weder als Komödie noch als Generationenporträt. Der Film hat Schwächen, keine Frage – aber er hat auch Herz, spürbare Leidenschaft und eine erfrischende Unabhängigkeit. Gerade weil hier keine bekannten Gesichter im Vordergrund stehen, sondern ein Team, das sichtbar für sein Projekt brennt, fällt es leicht, über manche Unebenheiten hinwegzusehen. Und vielleicht ist genau das die größte Stärke: ein Film, der nicht perfekt ist, aber genau deshalb angenehm echt wirkt – was er wohl mit dem Handlungsort im Ruhrgebiet gemein hat.
OT: „30 and Wild“
Land: Deutschland
Jahr: 2026
Regie: Felix Maxim Eller
Buch: Felix Maxim Eller
Musik: Marius Tilly, Marcel Becker-Neu, Felix Maxim Eller, Fabian Scharfenberg
Kamera: Felix Maxim Eller
Besetzung: Stefan Merten, Karsten Jaskiewicz, Michael Bruch, Kathrin Bolle, André Decker, Nicolas Handwerker, Kim Schütt Velhinho, Augustin Upmann, Stella Armknecht, Nikolas Reichelt, Leon Radix, Maria Friedrich, Henrike Bennemann, Elias Sträter, Ivo Pietzker, Martin Armknecht
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