
Zehn Jahre ist es inzwischen her, dass die Entführung eines kleinen Mädchens tödlich endete. Doch Inspektor Malik (Sami Bouajila) ist bis heute nicht darüber hinweggekommen, zumal der Mörder seinerzeit nie geschnappt wurde. Als ein weiteres Mädchen entführt wird und der neue Fall Parallelen zu dem von damals aufweist, setzt Malik alles daran, nicht nur den aktuellen Fall zu lösen, sondern auch für damals noch für Gerechtigkeit zu sorgen. Doch die Zeit drängt, in nur sechs Tagen läuft die Verjährungsfrist ab. Danach ist die Geschichte zumindest juristisch endgültig abgeschlossen und niemand wird mehr den Täter belangen können …
Remake eines südkoreanischen Thrillers
Das südkoreanische Kino genießt seit einigen Jahren auch im Westen großes Ansehen, vor allem der Thrillerbereich ist fast schon legendär. Und so kommt es immer mal wieder vor, dass Produktionen aus dem fernöstlichen Land noch einmal neu verfilmt werden. Ein aktuelles Beispiel ist die Science-Fiction-Komödie Bugonia um zwei Cousins, die eine Geschäftsfrau entführen, die sie für eine Außerirdische halten. Vorlage hierfür war Save the Green Planet!. Und auch Six Days – 6 Tage Zeit basiert auf einem südkoreanischen Film. Dieses Mal stand Verjährung Pate, ein Thriller aus dem Jahr 2013. Bei der französisch-belgischen Variante wurde das Geschehen natürlich nach Nordfrankreich verlegt. Das Szenario ist aber gleich geblieben.
Stärken und Schwächen sind bei der Neuauflage ganz ähnlich. So ist die Geschichte natürlich schon gemein. Dass ein Mädchen stirbt, ist bei diesem Genre, so düster es oft ist, auch mehr als zehn Jahre später eine Seltenheit. Das muss man sich erst einmal trauen. Durch den Zeitdruck, wenn eben nur wenige Tage bleiben, um den Fall aufzulösen, kommt auch eine beachtliche Dringlichkeit hinzu. Six Days – 6 Tage Zeit fährt dabei zweigleisig, wenn die aktuelle Entführung und die alte Geschichte miteinander vermischt werden. Hinzu kommen diverse Wendungen, wenn sich mit der Zeit herausstellt, dass alles ganz anders war. Ob das Ergebnis glaubwürdig ist, darüber lässt sich aber streiten. Das ist schon ziemlich konstruiert, wenn sich die Ereignisse überschlagen.
Atmosphärisch, aber gemächlich
Das größere Problem ist aber, dass der Film gar nicht so spannend ist, wie es die Geschichte einen vermuten lassen. Der doppelte Zeitdruck ist eigentlich etwas, das zum Selbstläufer geeignet ist. Aber schon das südkoreanische Original schwächelte im Mittelteil, wenn das in einem recht gemächlichen Tempo vor sich ging. Bei der Neuauflage hat man das nicht besser gelöst, Regisseur Juan Carlos Medina (Painless – Die Wahrheit ist schmerzhaft) tut sich da etwas schwer. Und auch bei den Figuren wäre sicherlich mehr drin gewesen. Six Days – 6 Tage Zeit hat nicht wirklich etwas über die Charaktere zu sagen, weder über den Protagonisten noch die anderen. Erst auf den letzten Metern wird es wieder interessanter, wenn sich herausstellt, wer da was und aus welchem Grund getan hat.
Dafür gibt es wieder sehr stimmungsvolle Aufnahmen. Das mit dem vielen Regen und dem Grau in Grau ist zwar nicht sonderlich subtil. Da hält man sich an Genreklischees. Aber das Ergebnis sieht gut aus und sorgt für viel Atmosphäre. Schauspielerisch ist Six Days – 6 Tage Zeit ebenfalls überzeugend. Im Mittelpunkt steht dabei natürlich der genreerfahrene Sami Bouajila (Die schwarzen Schmetterlinge, Im Auge des Wolfes), der als hartnäckiger Polizist für intensive Momente sorgt. Aber auch die Kollegen und Kolleginnen drumherum tragen dazu bei, dass man sich den Film gut anschauen kann. Wer das Original bereits kennt oder anderweitig mit der Geschichte vertraut ist, kann sich das zwar eher sparen, weil ein Teil des Reizes doch in den besagten Wendungen liegt. Neulinge kommen aber durchaus auf ihre Kosten und finden hier einen düsteren Thriller, mit dem man einen Abend verbringen kann.
OT: „Six jours“
Land: Frankreich, Belgien
Jahr: 2024
Regie: Juan Carlos Medina
Drehbuch: Denis Brusseaux, Guillaume Mautalent
Musik: Johan Söderqvist
Kamera: Renaud Chassaing
Besetzung: Sami Bouajila, Julie Gayet, Philippe Résimont, Gilles Cohen, ,Anne Azoulay Manon Azem
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