
Es ist ein trauriger Anlass, der Barb (Emma Thompson) in eine abgelegene Gegend von Minnesota verschlägt: Sie will den letzten Wunsch ihres verstorbenen Manns erfüllen und seine Asche in dem See verstreuen, an dem die beiden ihr erstes Date hatten. Als sie dort ankommt, sieht sie, wie ein Mann (Marc Menchaca) die junge Leah (Laurel Marsden) jagt und sie mit zu einer Hütte nimmt. Dort hält er sie mit seiner Frau (Judy Greer) gefangen. Aber aus welchem Grund? Und wer sind diese Leute? Klar ist Barb nur, dass sie selbst tätig werden muss, um der jungen Frau zu helfen, bevor es zu spät ist. Doch ihre Möglichkeiten sind begrenzt, meilenweit ist keine Menschenseele …
Eine unerwartete Actionheldin
Man ist doch nie zu alt für einen Actionfilm! In den letzten Jahren hat es nicht gerade wenige Beispiele dafür gegeben, wie gestandene Schauspielgrößen im besten Rentenalter noch einmal aufdrehen. Das bekannteste Beispiel ist sicherlich der nordirische Charakterdarsteller Liam Neeson, der seit 96 Hours eine unerwartete Karriererichtung eingeschlagen hat. Aber auch John Travolta und Bruce Willis sahen keinen Grund dafür, mit Ende 60 nicht noch den Kampf aufzunehmen. Eigentlich sollte einen deshalb auch nichts mehr wundern, wenn die Hauptfigur von jemandem in einem deutlich fortgeschrittenen Alter gespielt wird. Und dennoch dürften die meisten gestutzt haben, als sie von Dead of Winter – Eisige Stille erfahren haben. Emma Thompson in der Hauptrolle eines Thrillers, wo eine Witwe gegen ein Paar kämpft? Das dürfte niemand auf seiner Bingo-Karte gehabt haben.
Wobei man nicht befürchten muss, dass die Oscar-Preisträgerin auf einmal über Dächer springt oder allein eine ganze Armee niederringt. Man versucht hier schon, dass das einigermaßen realistisch ist. So ist Barb zwar tatkräftig und auch fit. Sie ist aber keine Superheldin mit schier übermenschlichen Kräften, die jede Situation meisterhaft rettet. Tatsächlich scheitert sie mehrfach, wenn ihre diversen Aktionen vorab vereitelt werden. Beeindruckend ist bei Dead of Winter – Eisige Stille daher nicht, wie die Frau den Kampf gestaltet, sondern ihre große Willenskraft. Ohne zu zögern tut sie alles und bringt auch ihr eigenes Leben in Gefahr, um eine Frau zu retten, die sie noch nie zuvor gesehen hat. Ob eine solche Selbstlosigkeit realistisch ist, darüber lässt sich streiten. Aber man versuchte doch, bei der Umsetzung realistisch zu sein.
Tolle Bilder, aber nicht immer spannend
Das ist phasenweise spannend, wenn die Protagonistin zu einer Identifikationsfigur für das Publikum wird, der man gern die Daumen drückt. Es gibt aber auch Stellen, in denen sich der Thriller etwas zieht. So wollten Regisseur Brian Kirk (21 Bridges) und sein Team unbedingt ihrer Hauptfigur mehr Kontur verleihen, indem sie diese Vorgeschichte rund um den verstorbenen Ehemann erhält. Das führt allerdings dazu, dass immer wieder Flashbacks das Geschehen unterbrechen und so das Tempo rausnehmen. Dead of Winter – Eisige Stille hat da manchmal Schwierigkeiten, in die Gänge zu kommen. Das andere größere Problem ist die Auflösung, was genau das Paar eigentlich von der jungen Frau will und was es mit dieser vorhat. Das Ergebnis geht zwar mit einer spannenden moralischen Frage einher, ist aber so sehr an den Haaren herbeigezogen, dass die ansonsten realistischen Ansätze unnötig torpediert werden.
Dass der Thriller, der 2025 auf dem Locarno Film Festival Weltpremiere hatte, dennoch sehenswert ist, liegt dabei auch maßgeblich an dem Setting. So wurde Dead of Winter – Eisige Stille zwar nicht in Minnesota gedreht, sondern in Finnland. Aber die eisige Gegend macht doch einiges her, wenn schon der bloße Aufenthalt zu einem Überlebenskampf werden kann. In Kombination mit dem Duell zwischen der Protagonistin und der jüngeren Frau kommen eine Reihe von Szenen zusammen, die einen Gang in die Kinos rechtfertigen. Es hätten nur irgendwie mehr sein dürfen. Die ganz große Spannung tritt hier dann doch nicht auf, wenn gleichzeitig zu viel und zu wenig getan wird.
OT: „Dead of Winter“
Land: USA, Deutschland
Jahr: 2025
Regie: Brian Kirk
Drehbuch: Nicholas Jacobson-Larson, Dalton Leeb
Musik: Volker Bertelmann
Kamera: Christopher Ross
Besetzung: Emma Thompson, Judy Greer, Marc Menchaca, Laurel Marsden
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