Nachdem schon die ersten beiden Kinofilme enorme Erfolge waren, meldet sich Deutschland liebster Kinderabenteurer Tobi Krell mit einem dritten Leinwandauftritt zurück. In Checker Tobi 3: Die heimliche Herrscherin der Erde spürt er seiner eigenen Vergangenheit nach, wenn er sich an eine wichtige Nachricht aus seiner Kindheit zu erinnern versucht. Die Suche nach Antworten führt ihn wieder rund um die ganze Welt und er trifft auf Madagaskar, im hohen Norden in Spitzbergen sowie in Mexiko neue Leute, die ihm uns uns spannende Geschichten zu erzählen haben. Wir haben Tobi zum Kinostart am 8. Januar 2026 getroffen. Im Interview erzählt er uns, wie seine Filme entstehen, welche Länder er gern noch sehen würde und wie seine Kindheit war.
Das Hauptthema deines dritten Films ist Erde. Wie bist du darauf gekommen?
Das stand eigentlich als allererstes fest. Der erste Film hatte Wasser als Thema, das Element des Lebens. Als wir den zweiten gemacht haben, hatten wir zuerst eigentlich ein ganz anderes Thema auf dem Schirm. Aber nachdem wir eben zuvor Wasser hatten, fiel die Entscheidung, das fortzusetzen und etwas über Luft zu machen. Deswegen war klar, dass wir beim dritten Film mit Erde weitermachen. Erde stand also schon fest, noch bevor wir wussten, was der Rahmen sein würde. Und ich muss sagen, dass ich sehr froh drum bin, weil ich mir dazu vorher kaum Gedanken gemacht hatte und dadurch ganz viel gelernt habe.
Das heißt, es kommt jetzt noch ein vierter Film über das Feuer?
Richtig. Der wird aber ein wenig anders sein: Es wird der erste Checkerin-Marina-Film.
Zurück zur Erde. Die gibt es eigentlich überall. Sobald wir Landmasse haben, haben wir Erde. Wie seid ihr da auf diese drei Länder gekommen? Die Auswahl war ja schon ziemlich groß …
Und wie! Der Film ist quasi zweigeteilt entstanden. Die ganze Geschichte, also die Rahmenhandlung, habe ich mir zusammen mit der Regisseurin Antonia Simm und einem Writer’s Room ausgedacht, der aus den unterschiedlichsten Leuten besteht und den wir neu eingeführt haben. Parallel fand die journalistische Recherche von Antonia statt. Da geht es um die Protagonisten. Da geht es um die Orte. Was früh feststand, war, dass wir etwas mit Samen machen wollten, aus denen unser Essen wird. So kamen wir auf den Saatguttresor in Spitzbergen. Das Kohlebergwerk ist dann über den Protagonisten reingekommen. Mexiko wollten wir, weil wir die Anbaukultur der Maya spannend fanden. Bei Madagaskar ist es so, dass es eines der am stärksten vom Klimawandel betroffenen Länder ist. Der Boden geht dort kaputt, weil die Erde wärmer wird.
Und wisst ihr dann schon, was ihr erzählen wollt, wenn ihr in diese Länder fahrt, oder entstehen die Geschichten vor Ort?
Das allermeiste ist da schon ausgedacht und auch aufgeschrieben. Wir haben ein Buch. Das hat dann keine Dialoge, sondern ist eher ein Exposé mit angedeuteten Gesprächsinhalten. Damit fahren wir dann an diese Orte. Natürlich passiert dann links und rechts dieses Weges ganz viel Ungeplantes. Sachen, die man sich nicht ausdenken kann. Wenn da plötzlich ein Tausendfüßer ist, der über deinen Arm krabbelt, dann haben wir das weder aufgeschrieben noch überlegt. Das passiert dann einfach. Ich glaube, dass das unser Format auch so schön macht. Wir sind kein Spielfilm, aber auch kein reiner Dokumentarfilm, sondern eine wilde Mischung. Nirgends hast du mehr Freiheiten als in diesem seltsamen Zwitter.
Kommt es dann auch vor, dass Sachen, die ihr eigentlich geplant habt, nicht klappen?
Klar, ganz oft. Das merkt man manchmal erst im Schnitt. Wir haben beispielsweise mit den Indigenen in Mexiko eine kleine Zeremonie gedreht, eine Art Erntedankfest. Das ist auch wirklich schön geworden. Als wir das dann geschnitten gesehen haben, haben wir gemerkt, dass das erzählerisch gar nicht diese Wirkung hat, wie es sich vor Ort angefühlt hat und wie wir das geplant hatten. Manchmal klappt auch schon der Dreh nicht. Wir wollten zum Beispiel in Madagaskar Lemuren treffen. Aber wir hatten nur zwei Tage im Dschungel disponiert und der erste Tag bestand nur darin, dass wir durch die Gegend gefahren und gelaufen sind und gesucht haben. Am zweiten Tag hatten wir dann Erfolg, als wir in einem anderen Teil des Urwalds waren. Aber letztendlich ist es reine Glückssache., ob das, was du geplant hast, am Ende auch klappt. Wie so oft bei Dokumentarfilmen.
Wobei du bei Spielfilmen auch Glück brauchst, damit das mit dem Ensemble auch wirklich so klappt, wie du es dir vorstellst. Da kann auch etwas Besonderes entstehen, ohne dass du das so planen kannst.
Das stimmt natürlich. Bei uns fällt das weg. Eigentlich haben wir nur Theo als Schauspieler, der den kleinen Tobi spielt, und Marina. Sonst haben wir in der Hinsicht eine dokumentarische Nummer. Alle Protagonisten und Protagonistinnen sind wirklich echt. Sie kommen von dort, erzählen ihre eigenen Geschichten und tragen damit dazu bei, dass der Film überhaupt so werden konnte, wie er wurde. Ohne Nico, der seit 15 Jahren diese Ausgrabungen in Mexiko macht, wären wir nie im Leben auf diese Pyramide gekommen. Diese Genehmigungen kriegt man gar nicht. Wir hätten niemals mit indigenen Nachkommen der Maya drehen können, wenn Samaras Papa nicht seit 30 Jahren mit denen dort arbeiten würde. Es ist schön, wie von allen Seiten aus Zutaten hinzukommen und daraus dann ein Film wird.
Arbeitet ihr eigentlich auch mit Scouts in diesen Ländern? Bei manchen Orten wie dem Saattresor ist zwar schnell klar, wo gedreht wird. Bei einem riesigen Dschungel stelle ich mir das aber schwierig vor.
Wir haben in jedem Land einen sogenannten Produktionsservice, der nichts anderes macht, als ausländische Teams mit ihrer Kenntnis vor Ort zu betreuen. Der erledigt das alles, sucht nach Drehorten und kümmert sich auch um Drehgenehmigungen. So war es beispielsweise auch in Madagaskar. Die hatten Kontakt zu jemandem im Urwald, der genau weiß, wo welche Tiere sind, und uns dann hinbringen konnte. Bei Mexiko konnte uns Nico weiterhelfen. Der kennt sich inzwischen so gut aus, dass er genau wusste, wohin wir fahren müssen, wenn wir an einer Liane schwingen wollen. Du brauchst also immer Leute vor Ort, die sich auskennen. Unsere Filme würden so nicht entstehen, wenn wir nur in diese Länder fahren und dann schauen, was wir finden. Das ginge gar nicht.
Und fliegst du dann selbst vor dem Dreh an diese Orte, um dich schon einmal umzuschauen und vorzubereiten?
Ich nicht, aber die Regisseurin und der Kameramann oder auch andere Konstellationen. Bei unserem letzten Film war das Team schon ein Jahr vor dem Dreh in der Mongolei, um nach Orten zu suchen.
Du selbst lässt dich lieber überraschen?
Genau. Und das ist auch wichtig, weil meine erste Reaktion echt sein soll. Wenn ich das erste Mal oben auf der Pyramide bin und diese Aussicht habe, soll das im Idealfall auch der erste echte Blick sein. Ich will das nicht spielen.
Die drei Länder, in denen ihr wart, sind doch sehr unterschiedlich. Welches hat dich am meisten beeindruckt?
Das ist ganz schwer zu sagen, da sie mich alle auf ihre ganz eigene Weise beeindruckt haben. Die coolste Erfahrung war aber glaube ich, als ich in Spitzbergen in diesem Kohlebergwerk war. Das ist wirklich ein Ort, der nicht von dieser Welt ist. Und gleichzeitig steckten wir mitten in einem unserer Hauptthemen: Die fossilen Brennstoffe ruinieren unser Klima. Das war dann alles auf einmal. Einen sehr bleibenden Eindruck hat aber auch Madagaskar hinterlassen, weil das ein sehr armes Land ist. Ich habe noch nie so viel Armut erlebt. Das hat mich auch sehr geprägt. Ich glaube, ich bin aus Madagaskar mit den meisten Ideen für einen neuen Film rausgekommen. Die haben dann nichts mehr mit dem Klima zu tun, sondern damit, wie Kinder aufwachsen.
Könntest du dir denn vorstellen, dich in einem Film vom Thema Natur wegzubewegen und in eine stärker gesellschaftliche Richtung zu gehen?
Auf jeden Fall. Wir arbeiten wie gesagt an einem vierten Film über die Elemente, dieses Mal eben das Feuer. Danach fände ich es sehr schön, etwas zu dem Thema Kindheit zu machen.
Nachdem du schon so viel unterwegs gewesen bist: Gibt es denn noch Länder, die du sehen willst?
Eine ganze Menge sogar! Ich möchte unbedingt China kennenlernen. Das ist auch mit dem Blick in die Zukunft ein wichtiges Land. Überhaupt Ostasien: Japan und Südkorea würde ich gern bereisen. Den afrikanischen Kontinent kenne ich fast noch gar nicht. Vielleicht habe ich auch ein Faible für das Autoritäre, aber Russland und die USA stehen auch noch auf dem Programm. Ich würde so gern mal durch sibirische Birkenwälder fahren. Ich habe auch alle Filme von Tarkowski verschlungen vor Jahren. Da waren Bilder, die sich so sehr in mich eingebrannt haben, dass ich seither denke: Ich muss irgendwann einmal durch Russland fahren, wenn es wieder besser wird.
In dem Film sprecht ihr irgendwann von „dem wichtigsten Ort der Welt“. Welcher wäre das für dich?
Auch wenn das jetzt kitschig klingt: der Ort, wo ich zu Hause bin und wo meine liebsten Menschen sind. Es ist natürlich ein Geschenk, dass ich um die Welt reisen und so viele Orte sehen darf. Aber das Schönste ist dann immer, wenn ich nach Hause komme.
Kommen wir noch zu dem Thema Kindheit, das im Film eine große Rolle spielt. Wie ist das in die Geschichte gekommen? Ihr hättet prinzipiell ja auch ohne dieses über Erde sprechen können.
Das ist reingekommen, weil wir uns gefragt haben, was wir eigentlich der Figur Checker Tobi, die ich nach 13 Jahren kaum noch von mir trennen kann, an dramatischen Elementen hinzufügen können, um eine Entwicklung der Figur, aber auch einen Spannungsbogen innerhalb des Films erzeugen können. Das ist schwieriger, als man denkt. Das Schlimmste, was passieren kann, ist ihm die Neugierde wegzunehmen. Denn dann ist er nicht mehr der Checker. Ich kann aber nicht wie ein Schluffi durch Madagaskar laufen auf der Suche nach meiner Neugierde. Wir brauchten also irgendeine Art von Übersetzung dieser Neugierde. Und das ist dann das innere Kind geworden. In dieser Kinderfigur steckt dann so viel Autobiografisches von mir drin, dass sich das dann wieder gefügt hat.
Bist du denn jemand, der viel über seine Kindheit nachdenkt?
Das muss sich schon durch meinen Beruf, weil ich immer wieder in Interviews danach gefragt werde. Ich hatte eine schöne Kindheit und bin da auch sehr glücklich drüber. Wir sind natürlich alle über unsere Elternhäuser und unser Umfeld sozialisiert worden. Da ich mich durch meine Arbeit so viel mit Kindern beschäftige, ist es aber schon so, dass ich häufiger über meine Kindheit nachdenke und mich frage: Wie war das eigentlich bei mir? Insofern denke ich schon viel an die Zeit zurück. Aber nicht, weil ich ein Nostalgiker bin oder mich verklärt daran zurückerinnere, sondern weil ich regelmäßig darauf angestoßen werde.
In dem Film spricht dein inneres Kind zu dir und erinnert dich daran, wie du früher gewesen bist. Wenn du umgekehrt zu deinem achtjährigen Ich sprechen könntest, was würdest du ihm sagen?
Gute Frage. Da ich wie gesagt eine glückliche Kindheit hatte und auch sonst zufrieden bin, würde ich ihm sagen: passt so, mach weiter! Bleib weiterhin ein offener, neugieriger Junge. Der war ich, der bin ich geblieben. Wäre ich der nicht, wäre ich nicht Checker Tobi geworden oder zumindest kein Journalist. Da ist nichts, was ich im Nachhinein ändern würde. Ich würde nicht sagen: Pass auf, mit 13 verliebst du dich, das ist ein Fehler. Oder wie in Zurück in die Zukunft herumlaufen und die Vergangenheit ändern wollen. Ich bin sehr zufrieden damit, wie alles gelaufen ist.
Vielen Dank für das Interview!
(Anzeige)

