
Es sieht nach einem ganz normalen Tag in der Notaufnahme des Pittsburgh Trauma Medical Centers aus. Dr. Michael Robinavitch (Noah Wyle), von allen nur Robby genannt, beginnt früh morgens seine Schicht in dem Krankenhaus und löst damit die Belegschaft ab, die zuvor Nachtdienst geschoben hat. Neben ihm arbeiten noch zahlreiche andere in der Notaufnahme, darunter die erfahrenen Kräfte Dr. Trinity Santos (Isa Briones), Dr. Melissa „Mel“ King (Taylor Dearden), Dr. Frank Langdon (Patrick Ball) und Dr. Cassie McKay (Fiona Dourif) sowie die Medizinstudierenden Victoria Javadi (Shabana Azeez) und Dennis Whitaker (Gerran Howell). Zu tun haben sie mehr als genug, da warten zahlreiche Verletzte auf sie. Und es werden noch deutlich mehr werden im Laufe der nächsten Stunden – auch wegen eines tödlichen Zwischenfalls …
Der ganz normale Krankenhaus-Wahnsinn
Die wenigsten Menschen von uns haben Gefallen daran, krank zu sein. Der Besuch eines Krankenhauses ist für viele ein Graus. Und doch werden nach wie vor zahlreiche Filme und Serien gedreht, die in eben einem solchen spielen. Weltweit wohlgemerkt. Beliebt sind dabei gerade auch die Notaufnahmen, wo es quasi notgedrungen immer hoch hergeht und viele menschliche Dramen abgearbeitet werden müssen. Viel Aufmerksamkeit erhielt etwa die deutsche Serie KRANK Berlin, die mit viel Stilbewusstsein in die Abgründe blickte. Aus Frankreich kam die für diverse Preise nominierte Tragikomödie In den besten Händen. Die vermutlich bekannteste Produktion kommt aber mal wieder aus den USA: Die für HBO Max produzierte Serie The Pitt wurde mit mehreren Preisen bedacht und läuft offensichtlich so gut, dass kürzlich eine dritte Staffel in Auftrag gegeben wurde, noch bevor die zweite angelaufen ist.
Dabei macht die Serie auf den ersten Blick nichts wirklich anders als die vielen anderen, die man aus diesem Bereich kennt. So wirft man bei The Pitt wieder mal einen Blick hinter die Kulissen eines Krankenhauses und zeigt dabei den Arbeitsalltag. Verbunden wird das mit einigen persönlichen Geschichten und Dramen, seien es die der Belegschaft oder von Patienten und Patientinnen. Einiges davon ist recht alltäglich, wenn es etwa darum geht, eine Balance aus Arbeit und Privatleben zu finden. Andere sind schon sehr ungewöhnlich, darunter eine Mutter, die aus Sorge um ihren Sohn sehr weit geht. Das mit der Identifikationsfläche funktioniert daher mal besser, mal schlechter. Zumindest aber hat man hier nie das Gefühl, es mit einer dieser reinen Drehbuchkonstruktionen zu tun, die sich nicht um die Welt da draußen scheren.
Faktor Mensch
Tatsächlich ist man sogar darum bemüht, das hier realistischer zu gestalten, als es andere Krankenhausserien tun. Ein Clou ist, dass die gesamte Staffel einen einzigen Arbeitstag abdeckt. Genauer sehen wir 15 Stunden einer Schicht, angefangen um 7 Uhr morgens. Aufgeteilt wird das in 15 Folgen, die zwischen 45 und 60 Minuten lang sind. The Pitt wird also nahezu in Echtzeit erzählt. Aber auch bei der Inszenierung versuchte man, ein wenig dokumentarischer aufzutreten, als man das gewohnt ist – siehe etwa die Kameraführung. Das Bündel an Maßnahmen gelingt ganz gut, man hat hier wirklich das Gefühl, einen Tag im Krankenhaus zu verbringen, wo die Leute nur so durch die Gegend wuseln. Und es gibt viele Leute, sowohl behandelnde wie solche, die behandelt werden.
Diese sind dann auch die eigentliche Stärke. Angeführt von Noah Wyle, der zwanzig Jahre nach Emergency Room – Die Notaufnahme erneut in einer Krankenhausserie mitspielt, bringt uns das Ensemble lauter Männer und Frauen näher, die zwar alle das berufliche Umfeld eint, dabei aber völlig unterschiedlich ausfallen. Zusammen mit den Geschichten um die Patienten und Patientinnen, die manchmal nur eine Folge dabei sind, manchmal aber auch mehrere Stunden, wird das Krankenhaus zu einem Spiegel der Gesellschaft. Man will hier dann auch wirklich über Letztere etwas aussagen, wenn kleine wie große Themen ihren Weg in die Notaufnahme finden, ohne dass es dabei zu moralisierend würde. Stattdessen findet man bei The Pitt eine gute Balance aus Unterhaltung und Nachdenklichkeit, die einen dazu verleitet, wirklich alle 15 Folgen anzuschauen.
OT: „The Pitt“
Land: USA
Jahr: 2025
Regie: John Wells, Amanda Marsalis, Damian Marcano, John Cameron, Silver Tree, Quyen Tran
Drehbuch: R. Scott Gemmill, Joe Sachs, Noah Wyle, Simran Baidwan, Cynthia Adarkwa, Valerie Chu, Elyssa Gershman
Idee: R. Scott Gemmill
Musik: Gavin Brivik
Kamera: Johanna Coelho
Besetzung: Noah Wyle, Tracy Ifeachor, Patrick Ball, Katherine LaNasa, Supriya Ganesh, Fiona Dourif, Taylor Dearden, Isa Briones, Gerran Howell, Shabana Azeez, Sepideh Moafi
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