The Holy Boy La Valle dei sorrisi
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The Holy Boy

The Holy Boy La Valle dei sorrisi
„The Holy Boy“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Inhalt / Kritik

Auf den ersten Blick ist Remis ein Ort wie jeder andere. Doch als Sergio Rossetti (Michele Riondino) in das kleine italienische Dorf zieht, um dort seine Arbeit als Vertretungslehrer zu beginnen, stellt er fest, dass dieses irgendwie anders ist. So sind die Menschen dort alle glücklich, was ihm auch deshalb auffällt, da er selbst einiges mit sich herumschleppt. Niemand scheint an irgendetwas zu leiden. Das soll auch der Verdients von Matteo Corbin (Giulio Feltri) sein, ein unscheinbarer und stiller Jugendlicher. Denn um ihn herum hat sich ein sonderbares Ritual entwickelt: Wer den 15-Jährigen umarmt, dem wird alles Unglück genommen. Eine harmlose Spinnerei oder steckt da mehr dahinter?

Ruhiges Horrordrama

Früher einmal, da war Italien eine Hochburg des Horrorgenres. Davon ist inzwischen aber nicht mehr so viel zu spüren. Zwar spielen immer mal wieder Filme dort, nicht zuletzt wegen des allgegenwärtigen Katholizismus, der ein dankbarer Hintergrund für okkulte Genrebeiträge ist. Interessante Werke, die tatsächlich dort produziert werden, sind hierzulande aber eine Seltenheit. Vor einigen Jahren war da Sicilian Ghost Story, das auf Festivals für Furore sorgte. Doch der gleichermaßen wunderbare wie herzzerreißende Film war dann doch eher märchenhaftes Drama. Mit The Holy Boy schafft nun ein weiterer Geheimtipp seinen Weg zu uns, der auf mehreren Genrefestivals gezeigt wurde. Dieser erreicht zwar nicht ganz das Niveau des obigen Kollegen, ist für sich genommen aber sehenswert ist.

Dabei muss sich das Publikum aber darauf einstellen, dass auch dieser italienische Import von einer ruhigeren Art ist. Die Horroranteile sind zwar stärker ausgefallen. Aber es dauert doch recht lange, bis diese auch wirklich zum Einsatz kommen. Erst gegen Ende hin geht es etwas stärker zur Sache. Das wird manchen sicher zu wenig und zu spät sein, zumal der Film nicht gerade kurz ist. Mit einer Laufzeit von über zwei Stunden ist The Holy Boy ein recht langer Genrebeitrag geworden, der sich für alles viel Zeit nimmt. So gibt es durchaus eine unheilvolle Atmosphäre und die Ahnung, dass hinter dieser fröhlichen Fassade etwas Böses lauert. Zu sehen ist von Letzterem aber eher wenig.

Wohin mit dem Schmerz?

Stattdessen legt Regisseur und Co-Autor Paolo Strippoli, der schon bei A Classic Horror Story ein Händchen für Atmosphäre bewiesen hat, einen größeren Schwerpunkt auf die Figuren. Im Mittelpunkt stehen dabei der Vertretungslehrer und der Jugendliche, die beide auf ihre Weise zu leiden haben. Während Ersterer von seiner Vergangenheit verfolgt wird und er keinen Weg findet, diese hinter sich zu lassen und wieder von vorne anzufangen, da wird Matteo von anderen die Zukunft verweigert. Sein eigener Vater nötigt ihn Tag für Tag dazu, an diesem Ritual teilzunehmen, von dem das Dorf profitiert. The Holy Boy hat also durchaus Coming-of-Age-Elemente, wenn es darum geht, dass ein junger Mensch seinen eigenen Weg sucht und dabei gegen die Erwartungen anderer ankämpft.

Verbunden werden diese Punkte mit anderen traurigen Geschichten, welche die Dorfbevölkerung zu verdrängen versucht, aber auch ganz existenziellen Fragen. Wie gehe ich mit Schmerz und Trauer um? Sollte ich versuchen, diese Themen einfach hinter mir zu lassen, oder diesen Platz geben? The Holy Boy setzt dabei auf sehr starke Kontraste: Während das Dorf ganz auf Unterdrückung setzt, ist Sergio von einem vergangenen Trauma gezeichnet und seither nur noch eine leere Hülle. Erstrebenswert ist dabei weder das eine noch das andere. Das Ergebnis mag nicht so furchterregend sein, wie sich das manche vielleicht erhoffen werden. Wer aber offen ist für einen ruhigen und melancholischen Genrevertreter, sollte dem Film, der 2025 bei den Filmfestspielen von Venedig Weltpremiere hatte, eine Chance geben. Die nachdenkliche Art, verbunden mit stimmungsvollen Bildern und einer guten Besetzung zeigen: Man sollte den italienischen Horrorfilm nicht abschreiben.

Credits

OT: „La Valle dei sorrisi“
Land: Italien, Slowenien
Jahr: 2025
Regie: Paolo Strippoli
Drehbuch: Jacopo Del Giudice, Paolo Strippoli, Milo Tissone
Musik:  Federico Bisozzi, Davide Tomat
Kamera: Cristiano Di Nicola
Besetzung: Michele Riondino, Giulio Feltri, Paolo Pierobon, Romana Maggiora Vergano, Sergio Romano, Anna Bellato, Sandra Toffolatti

Bilder

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The Holy Boy
fazit
In „The Holy Boy“ reist ein totunglücklicher Mann in ein abgelegenes Dorf, in dem es kein Leid zu geben scheint. Der Film ist über weite Strecken eher ein Mysterydrama als wirklicher Horror, kombiniert eine unheilvolle Stimmung mit existenziellen Fragen zu Trauer und Schmerz. Das Ergebnis ist sehenswert, auch wegen Optik und Besetzung, nimmt sich aber ein bisschen viel Zeit für alles.
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