Primate
Johannes Roberts bei den Dreharbeiten von "Primate" (© Paramount Pictures)

Johannes Roberts [Interview]

Nachdem Johannes Roberts in 47 Meters Down  mehrere Haie auf zwei Schwestern hetzte, hat er sich nun ein neues Tiermonster ausgesucht. So handelt Primate davon, wie eine Familie und ein Freundeskreis von dem Schimpansen Ben terrorisiert werden. Dieser ist eigentlich friedlich, er wohnt sogar bei der Familie. Als er jedoch von einem Mungo gebissen wird und sich dabei mit Tollwut infiziert, wandelt er sich zunehmend in einen brutalen Killer, der auf jeden Menschen Jagd macht, den er sieht. Zum Kinostart am 29. Januar 2026 haben wir uns mit dem englischen Regisseur unterhalten. Im Interview spricht er über die Besonderheiten von Tierhorror, den Schrecken eines Schimpansen und die Dreharbeiten.

Könntest du uns etwas über die Entstehungsgeschichte von Primate verraten? Wie kam es zu dem Film?

Ich kam vor zwölf bis 15 Jahren auf die Idee, als ich bei meiner Mutter in Cambridge war. Und ihr Hund Ludwig – meine Mutter war Deutsche – rannte um ihren Swimmingpool herum und bellte das Wasser an. Es war niemand im Pool, da war wirklich nur Wasser. Ludwig war schon ein nerviger Hund. Während ich mir das Ganze angeschaut habe, rotierte es in meinem Kopf. Was wenn der Pool eine flache Seite hätte und jemand versucht herauszukommen, aber jedes Mal der Hund da ist? Und was, wenn der Hund Tollwut hätte? Ich liebe Cujo und mein Film fing als Liebesbrief an ihn an. Mit der Zeit veränderte er sich aber, aus dem Hund wurde ein Schimpanse und das Monster, das wir in Primate haben.

Und warum ausgerechnet ein Schimpanse bei all den Tieren, aus denen du hast wählen können?

Für mich sind Schimpansen richtig, richtig furchteinflößend. Ich habe nie verstanden, was Leute an ihnen süß finden, und würde auch keinen Schimpansen in meinem Haus haben wollen. Ich würde keinen Baby-Schimpansen umarmen wollen. Und definitiv keinen, der erwachsen ist. Je mehr ich darüber gelesen habe, wie Schimpansen sich gegenseitig in der Wildnis behandeln, wie sie sich gegenseitig erniedrigen und verstümmeln, umso menschlicher kamen sie mir in ihrer Gemeinheit vor. Das macht sie zu einem perfekten Film-Schurken.

Du hast die unterschiedlichsten Horrorfilme gedreht. Da war Science-Fiction dabei, du hast mit Übernatürlichem gearbeitet, aber auch mit Menschen als Gegenspielern. Was ist das Besondere an Tierhorror?

Tierhorror ist an und für sich ziemlich knifflig. Solche Filme können schnell langweilig werden, weil Tiere einfach das tun, was sie nun einmal tun und was in ihrer Natur liegt. Da ist keine Persönlichkeit dahinter. Du kannst sie nicht anflehen, dass sie dich nicht töten sollen, weil du zwei Kinder zu Hause hast. Dem Hai ist das egal. Er frisst dich so oder so, ist also absolut gnadenlos. Was ich an 47 Meters Down so sehr gemocht habe, war das Setting. Du bist unter Wasser, die Luft geht dir aus. Und du bist zufällig in der Welt des Hais. Der Film handelt nicht von dem Hai, sondern davon, unter Wasser gefangen zu sein. Primate fing als Tierhorror an. Aber Ben ist mehr als nur ein Tier. Ben ist bewusst böse und denkt über die furchtbaren Dinge nach, die er tut. Er ist fast wie ein Mensch. Ich habe bei ihm an die Filme von John Carpenter und Wes Craven gedacht, an Halloween und Nightmare – Mörderische Träume. Es hat mir wahnsinnig viel Spaß gemacht, etwas Heiliges wie das Familienhaustier zu nehmen und es auf diese Weise zu pervertieren.

Dann kommen wir zur Umsetzung. Wie habt ihr das mit Ben gemacht?

Mir war es wichtig, dass wir mit praktischen Effekten arbeiten und nicht einfach nur einen CGI-Affen einbauen. Das Publikum sollte Ben fühlen, sollte sich in ihn verlieben, bevor er diesen Wandel durchmacht und böse wird. Wir haben deshalb ein Kostüm angefertigt und Miguel Torres Umba gegeben, der Ben dann gespielt hat. Wir brauchten jemanden, der klein, aber stark ist. Miguel ist nur so 1,5 Meter hoch, aber er hat so viel Kraft. Und er konnte sich auch wirklich hineinversetzen, so gewalttätig zu sein. Er konnte seine eigene Persönlichkeit einbringen und damit die Szenen mit Leben füllen.

Und wie sah es mit der Recherche aus? Ben ist zwar kein normaler Schimpanse, sollte aber so normal sein, dass man immer noch glaubt, dass er ein Schimpanse ist.

Miguel war da ein richtiger Method Actor und hat sich bei der Vorbereitung richtig reingehängt und geschaut, wie sich Schimpansen bewegen und was sie tun. Er wurde quasi zu einem Schimpansen, während wir gedreht haben. Es war richtig verstörend, wenn er in deiner Nähe war – egal, ob mit oder ohne Make-up. Wir hatten aber auch Spezialisten am Set, die darauf geachtet haben, dass die Bewegungen natürlich sind.

Vielen Dank für das Interview!



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