
Es scheint ein ganz normaler Tag zu sein für die Menschen in Berlin, als sie mit der U-Bahn durch die Stadt fahren. Doch Sam Nelson (Idris Elba) weiß, dass etwas anders sein wird. Seitdem er bei der Geiselnahme an Bord eines Flugzeugs intervenierte, ist einige Zeit vergangen. Wirklich zur Ruhe gekommen ist er aber nicht. Misstrauisch beäugt er die anderen in der Bahn, vermutet, dass da jemand an Bord ist, der ein anderes Ziel verfolgt. Tatsächlich verhält sich Otto Weber (Christian Näthe), der die U-Bahn fährt, irgendwie seltsam. Bald werden auch die übrigen Menschen merken, dass etwas nicht stimmt, als die komplette Bahn Geisel genommen wird …
Schwierige Fortsetzung
Wenn eine Serie erfolgreich ist, liegt es auf der Hand sie fortzusetzen, zumindest so lange es sich eben rentiert. Was aber, wenn die Serie gar nicht darauf ausgelegt war, dass es eine Fortsetzung gibt? Vor diesem Problem stand Apple TV+, als es darum ging, Hijack eine zweite Staffel zu spendieren. Der Thriller erzählte 2023 davon, wie ein Verhandlungsführer seine Fähigkeiten einsetzen musste, um eine Geiselnahme an Bord eines Flugzeugs unblutig zu beenden. Dass man die Figur gern zurückholen würde, war zwar klar. Nur wie soll das gehen, wenn sie eigentlich nicht für solche Einsätze gedacht ist und es doch eher unwahrscheinlich ist, zweimal in eine Geiselnahme zu geraten? Eine richtige Fortsetzung war da unmöglich. Ohne Geiselnahme geht aber auch nicht, das verhindert der Titel.
Man fand dafür eine Lösung, die teilweise überraschend ist, einem teilweise auch bekannt vorkommt. Die größte Überraschung erfolgt am Ende der ersten Episode, wenn die Geiselnahme beginnt. Denn das geschieht auf eine Weise, die wohl niemand vorhersehen wird. Ganz so einfallsreich geht es im Anschluss nicht weiter. Das heißt nicht, dass Hijack danach keine Wendungen mehr einbaut. Da stirbt mal eine Figur, von der man ausgehen durfte, dass sie bis zum Ende dabei ist. Es kommt eine Bedrohung hinzu. Auch bei der Motivation der Leute wird einiges mit der Zeit erst enthüllt. Dennoch, man versucht hier nicht, inhaltlich wirklich etwas Originelles auf die Beine zu stellen. Man setzt auf konstante Spannung, die Geschichte ist nur ein Mittel zum Zweck.
Hauptsache deutsch
Das klappt insgesamt alles ganz gut. Zwar ist die Atmosphäre, in einer Bahn gefangen zu sein statt in einem Flugzeug, eine andere. Man kann nicht abstürzen. Theoretisch kommt man auch zu jeder Zeit heraus. Damit dennoch das Gefühl einer Gefahr entsteht, wird die besagte Bedrohung eingeführt. Die größere Spannung besteht in Hijack aber darin, was denn hinter dieser Geschichte steckt. Warum tun die Figuren, was sie tun? Wer hat sie dazu gebracht? Hinzu kommt, dass man sich nicht sicher sein kann, wem man überhaupt vertrauen kann. Zumal sich einige auch betont verdächtig verhalten, weswegen früh der Verdacht aufkommt, dass unter den vielen Menschen, die sich ebenfalls in der Bahn aufhalten, noch jemand ist, der mit der Sache zusammenhängt.
Leider gelingt es der Serie dabei nicht, all diesen Figuren, die sowohl in der Bahn wie auch außerhalb von der Geiselnahme betroffen sind, viel Profil zu verleihen. Viele in dem überwiegend deutschen Cast – darunter Christiane Paul, Christian Berkel und Albrecht Schuch – werden ein wenig verschenkt durch den starken Fokus auf Idris Elba. Das ist verständlich und doch schade, gerade aus deutscher Sicht. Dafür bietet Hijack dem hiesigen Publikum anderweitig viel, wenn tatsächlich viel auf Deutsch gesprochen wird oder es ständig um Berliner Stationen geht. Der Wechsel des Fahrzeugs hin zu einer Bahn hat sich auch gelohnt, wenngleich die Geschichte dadurch irgendwann zum Stillstand kommt und nichts weitergeht – in mehr als einer Hinsicht. Ob es die zweite Staffel unbedingt gebraucht hätte, darüber lässt sich streiten. Sie ist aber ähnlich unterhaltsam, sofern man nicht zu viel darüber nachdenkt. Denn plausibel ist das hier erneut nicht so wirklich.
OT: „Hijack“
Land: USA
Jahr: 2026
Regie: Jim Field Smith, Shaun James Grant
Drehbuch: Guy Bolton, Kelly Jones, Thomas Eccleshare, Emer Kenny, Chris Dunlop, James Dormer, Jim Field Smith
Kamera: Ed Moore, Steven Cameron Ferguson
Besetzung: Idris Elba, Christian Näthe, Toby Jones, Clare-Hope Ashitey, Lisa Vicari, Christiane Paul, Christian Berkel, Christine Adams, Max Beesley, Neil Maskell, Karima McAdams, Arsher Ali, Albrecht Schuch
Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision, ohne dass für euch Mehrkosten entstehen. Auf diese Weise könnt ihr unsere Seite unterstützen.
(Anzeige)









