
Fünf Jahre sind vergangen, seit der Komet Clarke die Erde verwüstete und 75 Prozent allen Lebens vernichtete. John und Allison Garrity (Gerard Butler und Morena Baccarin) sowie ihr gemeinsamer Sohn Nathan (Roman Griffin Davis) gehörten zu den wenigen von der Regierung Auserwählten, die in einem Bunker in Grönland überleben konnten. Die Zeit unter der Erde, die Sorge um die knappen Vorräte sowie die Sehnsucht nach der Welt, wie sie einst war, haben ihre Spuren bei den Garritys und den anderen Bewohnern des Bunkers hinterlassen. Doch Stürme und Strahlung verhindern in weiten Teilen der Welt, dass sie die Sicherheit des Bunkers verlassen können.
Durch eine weitere Katastrophe sind John, Allison und Nathan schließlich gezwungen, den Bunker zu verlassen. Ihr Ziel ist Europa, wo angeblich im Krater des Meteoriten neues Leben wider Erwarten möglich sein soll. Der Weg dorthin ist jedoch lang, und zwischen ihnen und dem Krater liegen nicht nur ein Ozean, sondern auch zahlreiche weitere Gefahren – sowie eine Welt, die nicht mehr die ist, welche die Familie aus der Vergangenheit kennt. Neben unberechenbarem Wetter ist ein Wettstreit um die wenigen noch sicheren und rohstoffreichen Regionen ausgebrochen, und der Weg der Garritys führt sie geradewegs durch heftig umkämpftes Kriegsgebiet.
Die Welt nach dem Ende
In Greenland erzählten Regisseur Ric Roman Waugh (Kandahar, Angel Has Fallen) und Gerard Butler, der neben der Hauptrolle auch als Produzent fungierte, eine Geschichte über das Ende der Welt und den Überlebenskampf einer Familie. Neben den wuchtigen Katastrophen- und Actionszenen wurde der Fokus insbesondere auf den Zusammenhalt der Familie gelegt, die sich aus den Augen verloren und wieder zueinander gefunden hatte, nur um dann eine weitere Herausforderung zu meistern. Für die Fortsetzung Greenland 2 wollten Waugh und sein Team nicht nur die Geschichte der Familie weitererzählen, sondern den Zustand einer Welt nach dem Ende zeigen und der Frage nachgehen, ob ein Neuanfang überhaupt möglich ist. Im Grunde bleibt man damit einer Routine treu, die man aus dem ersten Teil kennt, die zwar von den Darstellern solide getragen wird, aber nach einer Weile doch sehr berechenbar wirkt. Darüber hinaus finden sich diverse Verweise auf aktuelle gesellschaftliche und politische Diskussionen, insbesondere auf das Thema Einwanderung, die jedoch auf Boulevardzeitungsniveau bleiben.
Im Grunde sind Filme wie Greenland und Greenland 2 Anachronismen im Gegenwartskino. Der ein oder andere Kinobesucher wird sich vielleicht zurückversetzt fühlen in eine Zeit, in der gefühlt jede Woche durch Filme wie 2012 – Das Ende der Welt oder Deep Impact das Ende der Welt heraufbeschworen wurde. Die Lust am Inszenieren dieses Endes resultierte in immer wuchtigeren und vor allem lauteren Darstellungen der Apokalypse, in denen Menschen um ihr Überleben kämpften und zivilisatorische Werte schon bald auf der Strecke blieben. In dieser Tradition stehen Waughs Filme, die mit ihren Bildern von übermächtigen Tsunamis, Meteoritenschauern und gewaltigen Stürmen eine visuelle Palette abrufen, die man zum einen kennt und die zum anderen nach einer Weile sehr vorhersehbar wird. Sobald es einmal ruhig wird in Greenland 2, kann man sicher sein, dass die Figuren bald die nächste Katastrophe zu meistern haben werden. In Bezug auf Effekte und Inszenierung ist das sehr solide – auch dank der Schauspieler –, doch dass der Film sich selten die Zeit nimmt, diese neuen Umgebungen, Strukturen oder Eindrücke aufzunehmen oder gar zu erforschen, fällt deutlich ins Gewicht.
Neue Migration
Während Greenland den Untergang der Welt und die Flucht der Hauptfiguren zeigte, erzählt Greenland 2 nun von ihrer Suche nach neuen Sicherheiten. Dass die Fortsetzung im Original Greenland 2: Migration heißt, deutet diese neue, intendierte thematische Orientierung der Geschichte an. Die Garritys – einst Repräsentanten einer vermeintlich unangreifbaren und sicheren Weltordnung – sind nun selbst Immigranten in der Welt nach dem Ende. Ihre verzweifelte Suche nach einem Neuanfang, nach neuem Leben und nach Sicherheit bildet den Ausgangspunkt für ihre Reise nach Europa.
Als wäre diese Verbindung zu aktuellen politischen und sozialen Diskussionen rund um das Thema Migration nicht genug, verknüpft das Drehbuch von Mitchell LaFortune und Chris Sparling dies noch mit einer Behandlung moralischer Werte und unseres Umgangs mit den Schwachen angesichts einer neuen Weltordnung, in der jeder um den eigenen Vorteil zu kämpfen scheint. Ein besonders gelungener und emotional berührender Moment ist die Begegnung der Garritys mit einer Pflegerin, die sich hingebungsvoll um eine Gruppe von Alzheimer-Patienten kümmert. Im Kontrast zu anderen Sequenzen gehen Waugh und Kameramann Martin Ahlgren bei der Inszenierung dieser Episode behutsam vor, was sie zu einem Höhepunkt innerhalb von Greenland 2 werden lässt. Wie viele andere vergleichbare Episoden bleibt jedoch auch diese nur schlaglichtartig, denn schon wenige Minuten später geht es für die Garritys weiter – auf ins nächste Donnerwetter der Welt nach dem Ende.
OT: „Greenland 2: Migration“
Land: USA
Jahr: 2026
Regie: Ric Roman Waugh
Drehbuch: Mitchell LaFortune, Chris Sparling
Musik: David Buckley
Kamera: Martin Ahlgren
Besetzung: Gerard Butler, Morena Baccarin, Roman Griffin Davis, Amber Rose Devah
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