
Benno Schmidberger (Andreas Döhler) ist in großer Sorge: Seine Frau Nicola ist zusammen mit ihrem Hund Anton spurlos verschwunden. Zwar hat die Polizei mit der Suche angefangen, doch bislang ohne Erfolg. Da Schmidberger unzufrieden ist mit deren Einsatz, wendet er sich in seiner Not an die Anwältin Lou Caspari (Andrea Sawatzki), mit der er befreundet ist. Diese setzt sich auch persönlich ein, was bei Kriminalkommissar Kröber (Henning Flüsloh) nicht gut ankommt. Nur bringt selbst dieser Einsatz nicht viel, die Ermittlungen treten auf der Stelle. Da sich bei Nicolas Teenagertochter Jasmin (Mariella Aumann) ebenfalls Verzweiflung breitmacht, will sie die sozialen Medien nutzen – womit sie sich jedoch keinen Gefallen tut …
Typisches Krimiszenario
Obwohl es nun wirklich nicht an Krimireihen bei den öffentlich-rechtlichen Sendern mangelt, werden regelmäßig Versuche gestartet, neue zu etablieren. Gerade die ARD war in den letzten Jahren sehr eifrig und hat diverse Einzelfilme produziert, die klar auf ein serielles Erzählen ausgerichtet sind. Dazu zählt dann auch Die Verteidigerin. So gab es bereits Anfang 2023 Der Gesang des Raben, damals übernahm Martina Gedeck die Hauptrolle. Eine Fortsetzung davon ist zwar offensichtlich nicht geplant. Im Herbst 2025 gab es mit Der Fall Belling jedoch einen zweiten Teil der Reihe, nur spielte hier eben Andrea Sawatzki die titelgebende Anwältin. Bis auf den Reihentitel gab es keine Gemeinsamkeiten. Offensichtlich soll Sawatzki als Hauptdarstellerin aber beibehalten werden, zumindest gibt es mit Der Fall Nicola einen zweiten Film.
Den Vorgänger muss man nicht gesehen haben, Vorkenntnisse braucht es keine. Der Film geht auch in eine etwas andere Richtung. Der erste Teil blieb durch eine wendungsreiche Geschichte in Erinnerung, bei der einiges nicht so ist wie erwartet. Auch die Erzählstruktur hob sich von dem Gros der Genrebeiträge ab: Was zunächst wie ein typisches Gerichtsdrama wirkte, wurde etwas anderes. Bei Die Verteidigerin: Der Fall Nicola geht es erst gar nicht um irgendwelche Gerichtsverhandlungen. Tatsächlich ist über weite Strecken der Beruf der Protagonistin völlig egal. Stattdessen ist das hier ein traditionellerer Krimi, wenn eine verschwundene Frau gesucht wird. Ähnliche Filme hat es da nicht zu knapp gegeben. Doch bei der Auflösung zeigt sich erneut, dass man bei dieser Reihe offensichtlich andere Wege beschreiten möchte.
Als Drama sehenswert
Wobei auch im Mittelteil einiges anders ist. Zwar wird weiterhin nach der vermissten Frau gesucht. Aber es geht doch mehr um die Familie und wie sich diese Ausnahmesituation auf sie auswirkt. Die Verteidigerin: Der Fall Nicola ist an diesen Stellen primär ein Drama, der Krimiaspekt rückt in den Hintergrund. Verbunden wird dies mit gesellschaftlichen Aspekten. Sobald das Thema soziale Medien aufkommt, wird es durchaus gesellschaftskritisch. Denn dann geht es auch um die Frage, wie die Menschen und die Medien mit solchen Geschichten umgehen. Das kann schon richtig schäbig werden, wie die öffentliche Meinung ein Eigenleben entwickelt.
Diese Schwerpunktverschiebung wird nicht allen gefallen, zumal der Krimi selbst auch etwas unbefriedigend ist. Das gilt nicht nur für die besagte Auflösung, sondern zudem den Weg dorthin. Denn da machte man es sich schon ziemlich einfach. Wer einschaltet, um möglichst viel zu grübeln, ist da eher falsch. Manchen wird der Film auch schlichtweg zu langweilig sein, eben weil er nicht die Erwartungen erfüllt. Und doch ist Die Verteidigerin: Der Fall Nicola durchaus sehenswert, zumindest für ein Publikum, das sich für den menschlichen Teil solcher Geschichten interessiert. Das liegt auch an der guten Besetzung, die in den dramatischen Momenten überzeugt. Wem das nicht liegt, kann sich den Film jedoch sparen und sich anderen Titeln zuwenden.
OT: „Die Verteidigerin: Der Fall Nicola“
Land: Deutschland
Jahr: 2026
Regie: Lars-Gunnar Lotz
Drehbuch: Magnus Vattrodt
Musik: Sebastian Fillenberg
Kamera: Moritz Schultheiß
Besetzung: Andrea Sawatzki, Andreas Döhler, Victoria Mayer, Mariella Aumann, Anna Shirin Habedank, Henning Flüsloh, Majid Bakhtiari, Jean-Luc Bubert
Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision, ohne dass für euch Mehrkosten entstehen. Auf diese Weise könnt ihr unsere Seite unterstützen.
(Anzeige)







