
Der Schock ist groß bei Marissa Irvine (Sarah Snook), als sie an dem Haus klingelt und eine völlig fremde Frau aufmacht. Denn eigentlich hatte sie dort Jenny (Dakota Fanning) erwartet, die Marissas Sohn Milo (Duke McCloud) eingeladen hatte. Aber nicht nur, dass Jenny dort gar nicht lebt. Sie weiß auch nichts von der Einladung, der Junge ist nirgends zu finden. Zusammen mit ihrem Ehemann Peter (Jake Lacy) beginnt sie die Suche, Peters Geschwister Lia (Abby Elliott) und Brian (Daniel Monks) beteiligen sich an dieser, ebenso Marissas bester Freund und Geschäftspartner Colin Dobbs (Jay Ellis). Detective Alcaras (Michael Peña) geht der Sache auch offiziell nach. Eine erste Spur führt dabei zu Jennys Kindermädchen Carrie Finch (Sophia Lillis), das ebenfalls verschwunden ist …
Der Alptraum des verschwundenen Kindes
Es dürfte kaum eine vergleichbar zuverlässige Methode geben, beim Publikum für Angstzustände zu sorgen, als wenn ein Kind entführt wird – vor allem, wenn dieses selbst Kinder hat. Zahlreiche Thriller setzen darauf, ob nun im Kino, bei Streamingdiensten oder im Fernsehen. Das kann sehr spannend sein, sofern man sich nicht allein auf der Entführung ausruht. Prisoners ist ein sehr gutes Beispiel dafür, wie das aussehen kann, wenn zwei Familien ihre jeweiligen Töchter suchen und dabei zunehmend auseinanderbrechen. Bei der ursprünglich für Peacock produzierten Serie All Her Fault ist es zwar „nur“ ein Kind, das verschwindet. Die Spannung ist aber nicht minder hoch als bei dem obigen Film, auch weil man hier lange nicht sagen kann, worum es bei der ganzen Sache überhaupt geht.
So wird zwar früh verraten, dass das Kindermädchen damit zusammenhängt. Nur ist dabei unklar, was genau sie will und wie es zu der Geschichte kam. Die Adaption des gleichnamigen Romans von Andrea Mara arbeitet dabei geschickt mit Erwartungen, wenn hier vieles nicht das ist, wonach es aussieht. Wer seinen Spaß an Wendungen an, kommt bei All Her Fault auf jeden Fall auf seine Kosten. Die Kreativität der Autorin ist dabei beeindruckend. Selbst, wenn man endlich zu wissen glaubt, was da vorgefallen ist, werden noch weitere Haken geschlagen. Damit einher geht, dass einige der Figuren Geheimnisse mit sich herumtragen, die mal mit dem Fall zusammenhängen, mal auch in die Irre führen. Verdächtig verhalten sich da einige, was bei Marissa zu einer zunehmenden Paranoia führt.
Absurde Abgründe
Das ist gut gespielt. Überhaupt profitiert die Serie von der Besetzung. Das ist nicht nur für die Szenen wichtig, wenn es um die Suche nach dem Jungen geht und die Verzweiflung immer größer wird. All Her Fault erzählt noch eine Reihe weiterer Geschichten. Der Titel nimmt dabei schon etwas vorweg, wenn die Schuldfrage geklärt werden muss. Denn diese ist verknüpft mit Geschlechterbildern. Nicht nur Marissa, auch Jenny hat damit zu kämpfen, dass ihr als Frau automatisch die Verantwortung für den Nachwuchs gegeben wird. Da geht es um Erziehungsmethoden und Erwartungen – und um sehr komplizierte Verhältnisse. Das hier ist einer dieser Thriller, der Spaß daran hat, hinter der heilen Fassade dieser blendend aussehenden Menschen zunehmend hässliche Dinge zu suchen. Und natürlich auch zu finden.
Der Unterhaltungsfaktor ist groß, gerade auch wenn man Vergnügen daran findet, wenn Figuren abgründig sind, teilweise sogar vollkommen verkorkst. Nur Glaubwürdigkeit sollte man nicht erwarten. Je weiter die Geschichte voranschreitet, umso unsinniger wird diese. Nicht nur, dass da dann lauter Verstrickungen ausgepackt werden, die es eigentlich gar nicht gebraucht hätte. Schon die zugrundeliegende Prämisse ist dermaßen an den Haaren herbeigezogen, dass auf einmal die Thriller von Harlan Coben gar nicht mehr so bescheuert wirken. All Her Fault ist dabei aber besser als diverse Titel aus dessen Feder, eben weil inmitten dieses absurden Hurrikans immer wieder Menschen hervortreten, die tatsächlich mit ihren Macken und Schwächen Identifikationsfläche bieten und existenzielle Themen aufgreifen.
OT: „All Her Fault“
Land: Australien, USA
Jahr: 2025
Regie: Minkie Spiro, Kate Dennis
Drehbuch: Megan Gallagher, James Smythe, Phoebe Eclair-Powell, Kam Odedra
Idee: Megan Gallagher
Vorlage: Andrea Mara
Musik: Jeff Beal
Kamera: Sergio Delgado, Earle Dresner
Besetzung: Sarah Snook, Jake Lacy, Dakota Fanning, Jay Ellis, Abby Elliott, Michael Peña, Thomas Cocquerel, Daniel Monks, Sophia Lillis
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