Albrecht Schuch in der Thrillerserie "Hijack" (© Apple TV+)

Albrecht Schuch [Interview 2026]

Nachdem Sam Nelson (Idris Elba) in der ersten Staffel von Hijack noch die Geiselnahme eines Flugzeugs auflösen musste, steht er in Staffel 2 erneut im Mittelpunkt einer solchen Geiselnahme. Dieses Mal trifft es die Passagiere einer Berliner U-Bahn. Dabei ist lange unklar, wer genau hinter der Geschichte steckt und was damit beabsichtigt wird. Klar ist aber, dass Hunderte von Leuten davon betroffen sind. Einer davon ist Freddie (Albrecht Schuch), der sich zufällig als Fahrgast in der Bahn befindet und nicht einfach tatenlos zusehen will. Wir haben uns zum Start der Thrillerserie am 14. Januar 2026 auf Apple TV+ mit Albrecht Schuch unterhalten. Im Interview spricht er über die Dreharbeiten, den Reiz von Schreckensszenarien und was für ihn gute Unterhaltung ausmacht.

Warum hast du bei der zweiten Staffel von Hijack mitgemacht? Was hat dich an dieser Serie interessiert?

Ich hatte Lust, einfach mal etwas komplett anderes zu drehen. Etwas, wo es viel Action gibt. Kurze Sätze, bei denen klar ist, wohin die Reise geht. Mich hat interessiert, dass ich nicht fünf Layer brauchte, damit der Charakter eine Form bekommt. Das war wie Urlaub im Gehirn. Ich habe gemerkt, dass ich so einen Ausgleich brauche. Ich kann nicht immer nur Geschichten wie den Stiller machen. Ich war früher jeden Dienstag mit meinen Jungs im Kino, weil an dem Tag die Tickets billiger waren. Wir haben damals schon viel Arthouse geschaut in einer kleinen Gartenhütte auf einem kleinen Fernseher mit VHS-Kassetten, die wir uns ausgeliehen haben. Aber am Dienstag zum Kinotag musste es immer ein Streifen sein, der nur unterhalten will und gar nicht den Anspruch hat, uns emotional zu erreichen oder uns groß zum Nachdenken über diese Welt zu bringen. Diese Filme sollten nur unterhalten. Und genau das brauche ich auch als Spieler. Natürlich hatte ich aber auch extreme Lust, mit Idris Elba zu spielen. Das hat alles richtig viel Spaß gemacht.

Was macht für dich gute Unterhaltung aus? Womit kann man dich unterhalten?

Womit man mich gar nicht unterhalten kann, ist Horror. Ich kann das einfach nicht. Ich grusle mich einfach zu Tode, selbst wenn ich sehe, wie die Plexiglasscheibe davorgehalten und Kunstblut darüber geschüttet wird. Danach schlafe ich einfach schlecht. Damit kannst du mich jagen. Ansonsten darf es gern mal laut werden, mit Explosionen und Verfolgungsjagden, wo es dann auch nicht schlimm ist, wenn du in Chips beißt. Ich bin bei meinen Ansprüchen nicht anders als die meisten anderen: gute Musik, gepaart mit einer guten Kamera und guten Spielern, die mir sagen, dass nicht mehr viel Zeit ist. Früher waren das die Filme mit Bruce Willis. Filme, wo einfach ein bisschen Fun drinsteckt und man sich nicht ganz so ernst nimmt.

Normalerweise sieht man dich in deutschen Produktionen. War das etwas, das vorher auf deinem Plan stand, mal in einer internationalen Produktion wie Hijack mitzumachen?

Voll. Und wenn, dann gern in England oder Irland. Die haben dort so großartige Filme. Ich würde sagen, dass ich relativ gut Englisch spreche. Aber egal, wie gut ich auch bin, es wird immer diesen Abstand geben, weil ich nicht mit dieser Sprache groß geworden bin und die Melodie dieser Sprache im Bauch meiner Mutter gehört habe. Dieser Abstand interessiert mich auch total. Das hat eine andere Qualität und das mag ich sehr daran.

Als wir uns über Pfau – Bin ich echt? und Stiller unterhalten haben, haben wir darüber gesprochen, wie du dich auf deine Figuren vorbereitet hast. Wie sah das bei Hijack aus, wo die Geschichte weniger charakterbezogen ist?

Ich habe mich mit dem Regisseur viel darüber unterhalten. Meine Figur war schon ziemlich klar vorgezeichnet. Ich habe noch ein, zwei Ideen hineingeschmissen und wir haben uns dann gegenseitig die Bälle hin und her geworfen, damit wir irgendwo zwischen Klischee und etwas Eigenem changieren. Da ging es auch um die Frage, was ein so überambitionierter Mensch zu kompensieren versucht. Vielleicht ist er sonst eher unsicherer und findet hier eine Möglichkeit, sich mal kurz aufzuplustern. Das ist eine interessante Gemengelange, wenn er so abrupt abgebremst wird und mit einer so existenziellen Notsituation konfrontiert wird.

Und jetzt, wo das Projekt rum ist, was ist dir von der Serie geblieben?

Ich habe fabelhafte englische Kollegen und Kolleginnen kennengelernt, allen voran Idris Elba, der immer versucht hat, seinen Bekanntheitsgrad hintenanzustellen. Ich mochte total die Art und Weise, wie dort in London gearbeitet wird. Sehr professionell. Sehr freundlich. Nicht zu nah, aber immer mit Respekt. Niemand nimmt sich zu wichtig oder tritt nach unten. Das habe ich als sehr angenehm empfunden. Dann mag ich London auch einfach sehr und nehme für mich die Zeit dort mit.

Ihr erzählt in der Serie eine Geschichte, die niemand von uns selbst erleben möchte. Warum schauen wir uns gern an, wie etwas Furchtbares geschieht?

Das ist immer diese philosophische Frage. Wir wissen bei Hijack einfach, dass es Idris Elba am Ende schon richten wird. Wir spielen mit der Vorstellung, dass es ganz schlimm wird. Und dann geht es doch wieder gut aus. Wir lassen uns auf diese Reise ein, weil wir wissen, dass am Ende das vermeintlich Gute gewinnt. Da trifft Hoffnung auf Abgründigkeit, wenn wir darauf bauen, dass sich dieser ganze Horror doch wieder löst.

Und ist das dann reizvoller oder weniger reizvoll, wenn es da draußen in der Welt gerade finster vor sich geht?

Das haben wir uns bei Im Westen nicht Neues auch gefragt: Warum schauen sich die Leute so etwas an? Vielleicht, weil es hier ein Ende gibt. Vielleicht brauchen wir das in solchen Zeiten sogar mehr, weil wir wissen, dass das Fiktion ist. Da flüchtet man sich schon mal in solche fiktionalen Szenarien, um die Realität auszublenden. Das ist ein interessanter Widerspruch. Filme müssen nicht entweder Abbildung der Realität sein oder die Flucht davor. Sie können auch beides gleichzeitig sein.

Ein Punkt, der in der Staffel immer wieder aufkommt, ist die Frage, ob man selbst in die Situation eingreift, nicht nur auf die Geiselnahme bezogen, sondern allgemein. Wie siehst du das?

Das lässt sich natürlich nicht verallgemeinern. Was man aber auf jeden Fall tun sollte, ist die eigene Hilfe anzubieten. Da muss man über seinen Schatten springen. Gleichzeitig ist niemandem geholfen, wenn dann alle nach vorne rennen, so wie es Freddie tut. Hijack hat nicht den Anspruch, sich intensiv mit dem Thema auseinanderzusetzen. Aber natürlich gibt es verschiedene Lesarten, wenn manche sich beim Anschauen fragen: Wie hätte ich mich verhalten? Hätte ich eingegriffen oder mich rausgehalten? Das ist das Interessante bei Filmen und Serien, dass dann doch jeder anders reagieren kann.

Und was steht als Nächstes bei dir an?

Ich drehe gerade etwas Historisches. Mehr darf ich darüber aber noch nicht verraten.

Vielen Dank für das Interview!



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