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© ARD Degeto/Piotr Pietrus

Im Zweifel

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„Im Zweifel“ // Deutschland-Start: 30. Januar 2016 (Das Erste)

Inhalt / Kritik

Der Schock ist groß, als es zu einem Autounfall kommt, bei dem die gerade mal 17-jährige Beifahrerin stirbt – umso mehr, da im Anschluss Fahrerflucht begangen wurde. Während Kommissar Markus Minow (Thomas Loibl) herauszufinden versucht, wer am Steuer des schwarzen Kombis saß, der den Unfall verursacht haben soll, kümmert sich die Pfarrerin Judith Ehrmann (Claudia Michelsen) um die Hinterbliebenen. Aber wie soll man jemandem Trost spenden, der gerade seine Tochter verloren hat? Dabei hat Judith noch andere Themen, die ihr im Moment zusetzen. So kriselt es zunehmend zwischen ihr und ihrem Ehemann Christoph (Henning Baum), der ihr vorwirft, die Arbeit über die Familie zu stellen. Und auch ihr Sohn Paul (Jordan Dwyer), ein Mitschüler der Toten, hat einiges zu verkraften …

Von Tod und Gott

Wie geht man damit um, einen geliebten Menschen verloren zu haben? Viele Filme und Serien stellen solche Fragen. Kürzlich kam etwa das schwedische Drama Ein Teil von dir heraus, bei dem eine Jugendliche den Tod ihrer älteren Schwester verkraften muss, zu der sie immer aufgeblickt hat. Der isländische Cannes-Beitrag When the Light Breaks wiederum erzählt von einer ganzen Clique, die einen tragischen Unfalltod zu verarbeiten hat. Aber auch in Deutschland versucht man sich immer mal wieder an diesem Thema. So steht bei dem hiesigen Fernsehfilm Im Zweifel ebenfalls ein Unfalltod eines jungen Menschen am Anfang, der eine Reihe anderer ins Unglück reißen wird bei dem Versuch, mit dieser schwierigen Situation umzugehen.

Etwas ungewöhnlich dabei ist, dass das hier aber nicht die trauernden Angehörigen in den Mittelpunkt stellt. So tauchen die Eltern zwar schon auf, verschwinden aber relativ schnell wieder und werden nur noch sporadisch in die Geschichte eingebaut. Sehr viel wichtiger war Drehbuchautorin Dorothee Schön (Die Welt steht still) die Figur der Pfarrerin, die durch diesen Vorfall in eine Krise rutscht. Grundsätzlich hätte auch das spannend werden können. Was macht es mit einem religiösen Menschen, der anderen eine Erklärung geben muss, warum das Kind sterben musste? Die Frage, wie ein gütiger Gott solche Schicksalsschläge zulassen kann, ist eine, die sich viele im Laufe der Zeit gestellt haben. Im Zweifel liefert darauf aber keine Antwort. Es ist ja nicht einmal so, dass die Frage wirklich diskutiert wird.

Wichtige Themen, wahllos zusammengeworfen

Tatsächlich ist es etwas irritierend, wie bei dem Film die unterschiedlichsten Themen zusammengeworfen werden. Mal geht es um den Kommissar, der dem Fall nachgeht. Mal hat Judith einen schlimmen Verdacht. Mal geht es ganz allgemein um die Familie der Pfarrerin, bei der einiges nichts so funktioniert, wie sie es gern hätte und wie es nach außen hin erscheint. Für sich genommen sind das alles vielversprechende Wege, die eingeschlagen werden können. Im Zweifel will sich aber für keinen entscheiden, läuft mal in die eine, mal in die andere Richtung und kommt dabei nie wirklich vom Fleck. Das Ende ist dann völlig überhastet: Die Auflösung des Falls wird vor die Füße geworfen, die Eheprobleme sind bereinigt, die Glaubenskrise verarbeitet – ohne dass irgendwer etwas tun musste.

Das ist schade, in mehrfacher Hinsicht. Nicht nur, dass die Themen mehr Tiefgang und Konsequenz verdient hätten. Auch dem Ensemble wäre mehr zu wünschen gewesen. So kann man Hauptdarstellerin Claudia Michelsen keinen Vorwurf machen, die über weite Strecken das gleichzeitig leise und schwere Drama quasi allein auf den Schultern trägt. Aber auch sie kann nicht verhindern, dass die TV-Produktion letzten Endes unbefriedigend ist. Zwar ist es zu begrüßen, dass sich Im Zweifel die ungenierten Manipulationen verkneift, wie man sie aus dem deutschen Fernsehen kennt, wann immer es mal ernster wird. Das reicht aber nicht aus, um das Ergebnis wirklich sehenswert zu machen. Da wird dann zwar ganz viel angesprochen, nur um in der Summe dann etwas nichtssagend zu bleiben.

Credits

OT: „Im Zweifel“
Land: Deutschland
Jahr: 2015
Regie: Aelrun Goette
Drehbuch: Dorothee Schön
Musik: Annette Focks
Kamera: Leah Striker
Besetzung: Claudia Michelsen, Henning Baum, Thomas Loibl, Jordan Dwyer

Bilder

Filmfeste

Filmfest München 2015

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Im Zweifel
fazit
„Im Zweifel“ fängt mit dem tragischen Unfalltod einer Jugendlichen an. Anfangs sieht das nach einer Mischung aus Trauerdrama und Krimi aus. Stattdessen wird daraus das Porträt einer Pfarrerin, bei der einiges ins Wanken gerät. Da sind spannende Themen dabei. Draus gemacht wird aber nicht viel, da sich der Film für nichts entscheiden kann und letztendlich etwas nichtssagend bleibt.
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