Simon of the Mountain Simon of the Mountain
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Simon of the Mountain

Simon of the Mountain Simon of the Mountain
„Simon of the Mountain“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Inhalt / Kritik

Das Verhältnis zwischen Simón (Lorenzo Ferro) und seiner Mutter (Laura Nevole) ist nicht das beste. Und auch deren Freund Agustin (Agustín Toscano) kommt nicht wirklich an ihn heran, obwohl er darum bemüht ist und versucht, ihn bei seinem Umzugsunternehmen unterzubekommen. Sehr viel wohler fühlt sich Simón bei Pehuén (Pehuén Pedre) und den anderen an der Schule, die für Menschen mit körperlichen und geistigen Behinderungen eingerichtet wurde. Gerade auch zu Colo (Kiara Supini) fühlt er sich hingezogen. Die Sache hat nur einen Haken: Simón hat überhaupt keine Behinderung, tut immer nur so, um bei den Leuten bleiben zu können, die er wie eine Familie empfindet …

Tabuthema Behinderung

Auch wenn es natürlich weltweit zahlreiche Menschen mit Behinderungen gibt, seien sie nun körperlich oder geistig, in der öffentlichen Wahrnehmung spielen sie kaum eine Rolle. In Filmen treten sie so gut wie nie auf, sei es aus mangelndem Interesse, weil die Ideen fehlen oder man davon ausgeht, dass das „normale“ Publikum sie nicht sehen möchte. Aber es gibt natürlich Ausnahmen. Da war zum Beispiel die Komödie Die Goldfische, bei dem ein querschnittsgelähmter Portfolio-Manager zusammen mit den beeinträchtigten Mitbewohnern und Mitbewohnerinnen Geld über die Grenze schmuggeln will. Auch Champions über eine spezielle Basketballgruppe und deren Trainer nahm die Sache mit Humor. Wem das alles zu albern war, für den ist Simon of the Mountain einen Blick wert, das gleich in mehrfacher Hinsicht ungewöhnlich ist.

So stellt die Coproduktion aus Argentinien, Chile und Uruguay einen jungen Mann in den Mittelpunkt, der überhaupt keine Behinderung aufweist, dabei jedoch so tut, als habe er ein. Das wird nicht von Anfang an verraten. Tatsächlich würde man zunächst nicht merken, dass die Titelfigur in Simon of the Mountain ein Fremdkörper an der Schule ist. Nur durch einen Zufall kommt heraus, dass dabei etwas nicht stimmt. Das wirft natürlich Fragen auf: Warum sollte jemand so tun, als habe er eine Behinderung? Simon tut das weder, weil er etwas an der Schule sucht, wie es bei Fack ju Göhte der Fall war, wo sich aus materiellen Gründen ein Verbrecher in eine Schule schlich. Es ist auch keine Verwechslungskomödie, bei der peinliche Dinge geschehen. Regisseur und Co-Autor Federico Luis, der hiermit sein Langfilmdebüt gibt, meint das alles durchaus ernst. Und doch verrät er nicht, was es mit dem Verhalten seines Protagonisten auf sich hat.

Zwischen Distanz und Nähe

Zumindest nicht direkt. Man merkt, dass er die Nähe zu den anderen sucht, weil er sich dort wohler fühlt, mehr zu Hause als daheim bei seiner Familie. Das schreit eigentlich danach, der klassischen Dramaturgie solcher Lügengeschichten zu folgen, bei denen am Ende das Kartenhaus zusammenbricht und die Hauptfigur lernen muss, zu sich zu stehen. Aber auch das hier nicht der Fall. Das Drama, welches bei der Semaine de la Critique in Cannes Premiere feierte, bleibt in der Hinsicht geheimnisvoll, ohne aber ein Mysterydrama sein zu wollen. Simon ist nicht nur für seine Mutter nicht ganz greifbar. Dem Publikum geht es ähnlich, wenn man nur nach und nach Zugang findet zu dem jungen Mann, am Ende von Simon of the Mountain so manche Frage offenbleibt.

Klar ist jedoch, wie sehr er sich zu den anderen hingezogen fühlt und dort eine Heimat findet. Das ist einprägsam von Lorenzo Ferro gespielt, der hiermit seine Wandelbarkeit unter Beweis stellt. So wird er dem Publikum am ehesten durch Der schwarze Engel bekannt sein, wo er einen brutalen Serienmörder spielte. In Simon of the Mountain gibt es auch Ausbrüche, die mit Gewalt einhergehen. Aber es gibt eben auch Momente der Zärtlichkeit und einer echten Verbundenheit. Momente, die von einer großen Lebensfreude erfüllt sind. Das Ergebnis ist ein ungewöhnliches Drama, welches sicherlich auch als Plädoyer funktioniert, Menschen anzunehmen, die irgendwie anders sind. Aber es ist auch ein trotz aller Distanz einfühlsames Werk über die Suche nach Zusammengehörigkeit, was deutlich mehr Identifikationsfläche schafft, als man es bei der Beschreibung vielleicht erwarten würde.

Credits

OT: „Simón de la montaña“
Land: Argentinien, Chile, Uruguay
Jahr: 2024
Regie: Federico Luis
Drehbuch: Federico Luis, Tomas Murphy, Agustin Toscano
Kamera: Marcos Hastrup
Besetzung: Lorenzo Ferro, Kiara Supini, Pehuen Pedre, Laura Nevole, Agustín Toscano

Bilder

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Simon of the Mountain
fazit
„Simon of the Mountain“ erzählt die ungewöhnliche Geschichte eines jungen Mannes, der so tut, als habe er eine Behinderung, weil er sich bei solchen Menschen zu Hause fühlt. Das klingt wie ein Witz, ist aber ein Drama, welches gleichzeitig einfühlsam und rätselhaft bleibt, wenn der Protagonist konstant auf der Suche ist.
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