Die Damen lassen bitten Les Bons vivants
© STUDIOCANAL - SANCRO FILMS (ROMA)

Die Damen lassen bitten

Best of Louis de Funes
„Die Damen lassen bitten“ // Deutschland-Start: 29. Juli 1966 (Kino) // 16. November 2023 (DVD / Blu-ray)

Inhalt / Kritik

Paris, 1946: Die Gesichter sind lang in dem von Monsieur Charles (Bernard Blier) geleiteten Bordell. Schließlich muss dieses wie alle anderen auch schließen, ein neues Gesetz verbietet die Prostitution. Für Madame Blanche (Dominique Davray) und die anderen Frauen bedeutet dies ein schmerzlicher Abschied, aber auch die Chance für einen Neuanfang. Lucette (Andréa Parisy) hat diese genutzt. Im Laufe der Zeit hat sie sich durch ihre diversen Männerbekanntschaften bis nach oben gearbeitet, sogar Baronin ist sie geworden! Das bedeutet jedoch auch neue Probleme, als Léonard (Jean Lefebvre) und Paulo (Jean Carmet) in ihrem Anwesen einbrechen und für jede Menge Chaos sorgen. Héloïse (Mireille Darc) hat derweil Unterschlupf beim Geschäftsmann Léon (Louis de Funès) gefunden, der das jährliche Dinner organisieren muss. Héloïse nutzt diese Gelegenheit, um Sophie (Bernadette Lafont) und andere Kolleginnen hineinzuschleusen …

Melancholischer Abschied vom Bordell

Das Thema Prostitution ist eines, an dem sich noch immer die Geister scheiden. Können Frauen diesen Beruf selbstbestimmt ausüben? Sind sie automatisch immer Opfer? Damit einher gehen derzeit wieder Forderungen in Deutschland, die Prostitution als solche zu verbieten. Dabei kann man sich darüber streiten, ob das überhaupt etwas bringt oder ob es bedeutet, dass Frauen einfach nur versteckt dieser Tätigkeit nachgehen. In dem Zusammenhang ist es ganz interessant, sich Die Damen lassen bitten anzuschauen. Der Film wurde zwar Mitte der 1960er gedreht, thematisiert aber das Verbot der Bordelle zwanzig Jahre zuvor und wie es im Anschluss für die in dem Bereich arbeitenden Frauen und Männer weiterging.

Der Film tut dies in drei Episoden. Los geht es mit der, die in dem Bordell spielt, welches gerade geschlossen wird. Diese ist überraschend melancholisch. Auch wenn der Film als Komödie verkauft wird, zumindest beim Auftakt darf man das in Frage stellen. Zwar gibt es auch Frauen in dem Etablissement, die sich darauf freuen, etwas Neues auszuprobieren, vielleicht auch an neue Orte gehen. Und doch ist Die Damen lassen bitten da von einer größeren Wehmut geprägt. Das ist für sich genommen sehenswert, auch wenn es ein bisschen schwierig ist, wirklich Zugang zu den Figuren zu erhalten. Dafür sind es schlichtweg zu viele, die Zeit reicht gar nicht aus, um sie kennenzulernen. Der Abschnitt setzt da stärker auf die Atmosphäre, weniger auf die Figuren.

Alles auf Anfang

Die zweite Episode markiert einen ziemlich krassen Bruch. Von Melancholie ist da nur noch wenig zu spüren. Es gibt zwischendurch einen Moment, in dem Monsieur Charles wieder auftritt und gemeinsam mit Monsieur Marcel (Franck Villard), einem ehemaligen Kollegen, noch einmal zurückblickt. Ansonsten dominiert in Die Damen lassen bitten da aber der Humor. Es ist ein recht alberner Humor, der sich um kleine Hunde und ungeschickte Diebe dreht. Da sind witzige Szenen dabei. Irgendwie hat der Mittelteil aber trotz einiger wiederkehrender Figuren und einer roten Laterne, die ein Überbleibsel aus dem geschlossenen Bordell ist, gar nicht so viel zum Thema zu sagen.

Die längste und beste Geschichte kommt zum Schluss. Diese nimmt die Laterne wieder auf. Auch Héloïse, die in der ersten Geschichte aufgetaucht ist, sorgt für Kontinuität. Der Humor bleibt dabei eher albern, wenn junge leichtbekleidete Frauen auf ältere Männer stoßen. Im Mittelpunkt steht dabei natürlich Louis de Funès, der hier nach Die Knallschote (1954) und Fünf Glückspilze (1962) erneut in einem Episodenfilm zu sehen war. Und auch wenn die Manierismen die bekannten sind, Spaß macht es, ihm dabei zuzusehen. Amüsant ist dabei auch, wie Die Damen lassen bitten den Bogen schlägt zum Anfang und Prostitution gewissermaßen durch die Hintertür fortgesetzt wird. Das mag dann vielleicht nicht anspruchsvoll sein, für einen wirklichen gesellschaftlichen Kommentar ist das etwas dünn. Die Komödie ist aber durchaus einen Blick wert.

Credits

OT: „Les Bons vivants“
Land: Frankreich, Italien
Jahr: 1965
Regie: Gilles Grangier, Georges Lautner
Drehbuch: Albert Simonin, Albert Kantof
Musik: Michel Magne
Kamera: Maurice Fellous
Besetzung: Bernard Blier, Dominique Davray, Franck Villard, Mireille Darc, Andréa Parisy, Jean Lefebvre, Jean Carmet, Pierre Bertin, Louis de Funès, Jean Richard, Bernadette Lafont

Kaufen / Streamen

Amazon (DVD „Die Damen lassen bitten“)

Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision, ohne dass für euch Mehrkosten entstehen. Auf diese Weise könnt ihr unsere Seite unterstützen.




(Anzeige)

Die Damen lassen bitten
fazit
„Die Damen lassen bitten“ behandelt in drei Episoden das Thema Prostitution, als Mitte der 1940er Bordelle gesetzlich verboten wurden. Das beginnt überraschend melancholisch, bevor es dann albern weitergeht. Für einen wirklichen gesellschaftlichen Kommentar ist das zu dünn. Aber es ist schon amüsant, wie da der Bogen geschlagen wird.
Leserwertung0 Bewertungen
0
6
von 10