Eileen
© Universal Pictures/NEON/Jeong Park

Eileen

Eileen
„Eileen“ // Deutschland-Start: 14. Dezember 2023 (Kino)

Inhalt / Kritik

Spannend ist das Leben von Eileen Dunlop (Thomasin McKenzie) kaum. So lebt sie noch immer bei ihrem alkoholkranken Vater Jim (Shea Whigham), von dem sie sich ebenso blöde Sprüche anhören muss wie von ihren Kolleginnen im Jugendgefängnis, wo sie in der Verwaltung arbeitet. Immer wieder verliert sie sich in Tagträumen, auch solchen von einer sexuellen Natur. Beispielsweise fantasiert sie von einem der Wächter. Sehr real ist hingegen Rebecca (Anne Hathaway), die neue Psychologin in dem Gefängnis. Diese ist elegant und wortgewandt, ganz anders als die Menschen, die sie sonst so kennt. Umso größer ist Eileens Überraschung, dass die Neue ihr so viel Aufmerksamkeit schenkt und damit etwas in der jungen Frau wachruft …

Ein Erwachen voller Brüche

Es gibt sie wie Sand am Meer: Filme über junge Menschen und ihre Versuche, sich in einer zunehmend komplizierteren Welt selbst zu finden. Dabei gibt es kaum Einschränkungen, wie sich solche Geschichten erzählen lassen, von Drama über Komödie bis zu Horror oder Musical ist bei Coming of Age so ziemlich alles drin. Gemeinsam ist den Filmen lediglich, dass die junge Hauptfigur am Ende meistens glücklicher ist und eine neue Perspektive auf das Leben gefunden hat. Grundsätzlich ist das auch bei Eileen der Fall, das von dem Erwachen einer jungen Frau erzählt. Und doch ist das hier kein typisches Beispiel, wie solche Geschichten normalerweise ablaufen. Von Anfang an ist die Adaption des gleichnamigen Romans von Ottessa Moshfegh ziemlich eigen.

Da wären die starken Kontraste, mit denen Regisseur William Oldroyd (Lady Macbeth) arbeitet. Das betrifft einerseits die Fantasien der Protagonistin, die immer wieder ihren Weg in die Geschichte finden und bei denen man zunächst nicht sagen kann, ob sie real sind oder nicht. Manche davon sind komisch, etwa die sexuellen Tagträume. Andere haben mehr eine Schockfunktion. Aber auch die Gegenüberstellung von dem glamourösen Leben, nach dem sich Eileen sehnt, und der schäbigen Wahrheit sorgt regelmäßig für starke Brüche. Ersteres wird natürlich durch Rebecca symbolisiert, die wie eine Lichtgestalt durch das trübe Gefängnis schwebt. Wie von einem anderen Planeten wirkt sie auf die unscheinbare Kollegin, die nichts erreicht hat und die niemand ernst nimmt.

Stimmungsvoll und beeindruckend gespielt

Das ist anfangs komisch, aber irgendwie auch spannend, weil anfangs nicht ganz klar ist, was diese Begegnung letztendlich auslösen wird. So macht Eileen eine Wandlung durch, wird selbstbewusster, aus dem farblosen Küken scheint ein strahlender Schwan zu werden. Gleichzeitig ist sie abhängig von der neuen Bekanntschaft, droht vollends in ihren Träumen verlorenzugehen. Die Ahnung, dass alles irgendwie böse ausgeht, böse ausgehen muss, schleicht sich ein. Umso mehr, wenn man im Vorfeld erfahren hat, dass es sich um einen Thriller handelt. Dabei dauert es eine ganze Weile, bis der Film an der Stelle ankommt, der diese Einordnung verdienen würde. Und selbst dann kann man sich darüber streiten, Eileen entzieht sich einer eindeutigen Klassifizierung, lässt das Publikum mit vielem allein.

Manche werden deshalb am Schluss etwas verwirrt aus dem Kino gehen, zumal da einiges nicht zu Ende erzählt wird und die Geschichte etwas unvermittelt abbricht. Und doch ist das alles sehr sehenswert. Da ist die stimmungsvolle Optik, wenn uns Eileen mit in die 1960er nimmt, dabei aber eine schmutzigere Version zeigt. Außerdem ist der Film, der auf dem Sundance Film Festival 2023 Premiere feierte, sehr gut besetzt. Während Anne Hathaway eine Femme Fatale mimt, selbstbewusst und verführerisch, darf Thomasin McKenzie eine beeindruckende Bandbreite demonstrieren. Ihr gelingt der Balanceakt zwischen dem schüchternen Mauerblümchen und der abgründigeren Version so gut, dass man zwischendurch gar nicht mehr sagen kann, wer denn nun die echte Eileen ist. Hat Rebecca diese zu etwas anderem gemacht oder ihr eigentliches Ich freigesetzt? So oder so ist das unterhaltsam, selbst wenn das Befreiende dieser Selbstfindung mit einem unheimlichen Gefühl einhergeht und lange nicht klar ist, ob das jetzt gut oder schlecht sein soll.

Credits

OT: „Eileen“
Land: USA
Jahr: 2023
Regie: William Oldroyd
Drehbuch: Luke Goebel, Ottessa Moshfegh
Vorlage: Ottessa Moshfegh
Musik: Richard Reed Parry
Kamera: Ari Wegner
Besetzung: Thomasin McKenzie, Anne Hathaway, Shea Whigham, Marin Ireland

Bilder

Trailer

Filmfeste

Sundance Film Festival 2023
Zurich Film Festival 2023

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Eileen
fazit
„Eileen“ erzählt von einem Mauerblümchen, das bei der Arbeit eine Femme Fatale kennenlernt und dadurch eine Wandlung durchmacht. Der in den 1960ern spielende Thriller ist manchmal komisch, dann wieder schockierend, wenn die Selbstfindung mit starken Kontrasten einhergeht. Auch wenn am Ende einige verwirrt sein werden, ist das sehenswert, allein schon wegen der stimmungsvollen Bilder und der sehr guten Besetzung.
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