Serviam – Ich will dienen
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Serviam – Ich will dienen

Serviam – Ich will dienen
„Serviam – Ich will dienen“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Inhalt / Kritik

In einem kleinen katholischen Mädcheninternat scheint die Zeit stillzustehen. Während um die Einrichtung herum das moderne Leben, Technik und vor allem Geld dominiert, wird von den Schwestern in erster Linie der Glaube als Kern der Existenz hochgehalten. So zumindest sollte es sein, doch in der Praxis glauben viele nicht mehr an die Richtlinien, welche einst den Alltag an der Schule ausmachten. Nur eine der Nonnen (Maria Dragus) hält noch den Glauben aufrecht und versucht diesen gegen alle Widerstände zu verteidigen, selbst, wenn sie von den Eltern der Schülerinnen und den anderen Ordensschwestern damit auf wenig Gegenliebe stößt. Einzig in der jungen Martha (Sophia Gómez-Schreiber) meint sie ein Kind gefunden zu haben, welche bereit ist für den reinen Glauben und das stundenlang mit ihr über das Prinzip der Sünde und Jesus Christus spricht. Parallel formiert sich Widerstand in den Reihen der Schülerinnen, wobei besonders Sabine (Leona Lindinger) gegen das System an der Schule rebelliert und nicht selten ihre Mitschülerinnen, wie die gleichaltrige Armo (Anna Elisabeth-Berger), drangsaliert.

Um der Ambition Marthas, immer mehr für ihren Glauben zu tun, hat die Schwester ihr einen Büßergürtel gegeben, der bereits nach wenigen Tagen Spuren am Körper des Kindes hinterlässt. Einerseits schockiert von den Verletzungen des Mädchens, aber andererseits gerührt von ihrem reinen Glauben, will sie Martha noch weiter in diesen einführen, während Sabine eine Freiwillige findet, welche den verbotenen vierten und fünften Stock des Internats erkundigen soll.

Bekannte Räume und Gerüche

Als die Dreharbeiten zu Serviam – Ich will dienen begannen, betrat Regisseurin Ruth Mader sehr bekanntes Territorium, denn in ihrer Kindheit und Jugend wurde sie ebenfalls in einem Klosterinternat erzogen, weshalb sie, wie sie in Interviews beschreibt, sofort das besonders Licht oder die Gerüche diesem Ort zuordnen konnte. Zusammen mit Ko-Autor Martin Leidenfrost, dem die Welt eines solchen Internats ebenfalls nicht fremd ist, will Mader in Serviam aber nicht nur eine  Geschichte über Unterdrückung und Gewalt erzählen, sondern ebenso über den Glauben, welchen Schaden er anrichten kann, doch genauso inwiefern er für Menschen eine Heimat darstellt. Der Film, der aktuell im Rahmen des Programms des Transit Filmfests läuft, besticht durch seine Darsteller wie auch eine klare Bildsprache, welche all die genannten Themen einzufangen vermag.

Von der ersten Minute an wird der Zuschauer in den hermetischen Mikrokosmos der Schule eingeführt, der aufgrund der statischen Kamera und des allgegenwärtigen Schweigens noch bedrückender wird. Das an sich harmlose Spiel der Mädchen wird von der Nonne, gespielt von Maria Dragus, unterbrochen, mit der Mahnung, nicht die oberen Stockwerke zu betreten, während eine etwas an Brian De Palmas Carrie – Des Satans jüngste Tochter erinnernden Aufnahme die Gewalt andeutet, die innerhalb dieses Internat herrscht, aber im Deckmantel des Schweigens aus den Augen verloren wird. Die Bildsprache von Kamerafrau Christine A. Maier, die mit Mader bereits am Spielfilm Life Guidance arbeitete, sowie die spärlichen Dialoge tun ihren Beitrag zu dieser Atmosphäre, welche der Film über seine Laufzeit von 104 Minuten durchhält und innerhalb derer es nur wenige, aber bezeichnende Momente gibt, in denen etwas ausbricht, die Gewalt beispielsweise, was aber meist nur in unheimlichen, beunruhigenden Andeutungen verweilt.

Wege zum reinen Glauben

Eine weitere, frühe Szene ist für Maders Film sehr bezeichnend, nämlich die Begegnung der Nonne mit einem aufgebrachten Vater, gespielt von Udo Samel, der seine Tochter aus dem Internat abholt, aber nicht ohne noch ein paar passende, abfällige Worte in Richtung seines Gegenübers zu schleudern. Hier begegnen sich zum ersten, aber nicht zum letzten Mal in der Geschichte die Welt des Glaubens mit der Welt dort draußen, in diesem Falle der jener Elite, für die jene Strenge solcher Schulen nach wie vor ein Versprechen auf Erfolg ausmacht und damit auch jenes Prestige halten zu können, was wichtiger ist als alles andere. Mehr als einmal wird deutlich, dass der Glauben, der immer wieder im Zentrum der Dialoge steht, keinesfalls nur negativ gesehen wird, sondern es eher um jenen Missbrauch geht, oder vielmehr jene Manipulation, die wiederum von Menschen ausgeht.

Abermals überzeugt Schauspielerin Maria Dragus als eine Figur, die ohne viele Worte auskommt und deren Überzeugung sie antreibt, ihr Stärke gibt, aber sie auch Ungeheuerliches tun und sagen lässt. Es ist eine ambivalente Darstellung in einem ebenso ambivalenten Film, der sich kein Urteil erlaubt und stattdessen Weltbilder aufeinanderprallen lässt, die für sich einräumen, alle Antworten zu haben, doch dabei beide auf einem unheilvollen Weg zu sein scheinen.

Credits

OT: „Serviam – Ich will dienen“
Land: Österreich
Jahr: 2022
Regie: Ruth Mader
Drehbuch: Ruth Mader, Martin Leidenfrost
Musik: Manfred Plessl
Kamera: Christine A. Maier
Besetzung: Maria Dragus, Leona Lindinger, Anna Elisabeth-Berger, Sophia Gómez-Schreiber, Udo Samel

Bilder

Trailer

Filmfeste

Locarno Film Festival 2022
Filmfest Hamburg 2022
Transit Filmfest 2022

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Serviam – Ich will dienen
fazit
„Serviam – Ich will dienen“ ist eine Mischung aus Glaubensdrama und Mystery. Ruth Mader ist ein Film gelungen, der von der ersten Minute an seinen Zuschauer in die bedrückend-oppressive Atmosphäre einer Einrichtung und eines Kampfes versetzt, in dem Weltbilder aufeinandertreffen und Vertreter beider Seiten darum kämpfen, die Unschuldigen und Manipulierbaren für ihre Dienste zu gewinnen.
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